40.000
  • Startseite
  • » Region
  • » Millionenschweres Steuerverfahren: CDU gerät in den Sog der Mauss-Affäre
  • Aus unserem Archiv

    Rheinland-PfalzMillionenschweres Steuerverfahren: CDU gerät in den Sog der Mauss-Affäre

    Um Werner Mauss ranken sich wilde Geschichten. Der einstige Superagent, Deutschlands 007, soll Drogenkartelle unterwandert, Entführungsopfer befreit, Terroristen dingfest gemacht haben. Sogar Papst Benedikt XVI. soll ihm sein Leben verdanken. Kaum zu unterscheiden, was Legende und was Wahrheit ist. Und nun gerät auch noch die rheinland-pfälzische CDU in den Sog einer Affäre um den geheimsten aller Geheimagenten.

    Ex-Agent Werner Mauss
    Ex-Agent Werner Mauss
    Foto: dpa

    Von unserem Redakteur Dietmar Brück

    Die "Süddeutsche Zeitung" hat die Verbindung hergestellt. Mauss muss sich inzwischen in einem millionenschweren Steuerverfahren vor dem Landgericht Bochum verantworten. Heikel ist: Die Rechercheure der "Süddeutschen" fragen, ob der Superagent sich jahrelang bei der CDU "für ein Entgegenkommen der rheinland-pfälzischen Behörden" bedankte. Und zwar mit großzügigen Spenden an die Christdemokraten im Kreis Cochem-Zell und auf Landesebene. Das alles soll über den Absender eines Anwalts und gelegentlich über eine Briefkastenfirma erfolgt sein. Schließlich besitzt Mauss in einem kleinen Ort im Hunsrück ein festungsartiges Anwesen. Die Kooperation mit den örtlich Verantwortlichen dürfte ihm wichtig gewesen sein - auch aus einem gewissen Schutzinteresse heraus. Zudem jonglierte Mauss mit zig Identitäten. Die Anwälte der "menschlichen Verschlusssache", wie er häufig genannt wird, bestreiten hingegen, dass Spenden zur CDU geflossen sind. Und die Christdemokraten geben an, von nichts zu wissen.

    Beim Landesverband sind zwar von der Eisenacher Kanzlei Hansen, Varwig und Kollegen 2010 zwei Spenden eingegangen (hinter denen Mauss stecken könnte), aber diese seien ordnungsgemäß angezeigt und verbucht worden, heißt es. Am 4. Februar 2010 wurden der CDU im Land 9000 Euro, am 10. September 9500 Euro überwiesen. Da die Summen addiert über der Grenze von 10.000 Euro lagen, zog die Veröffentlichungspflicht. In der CDU ist man sicher, dass man sich parteienrechtlich korrekt verhielt.

    Woher stammen die 18.500 Euro?

    Doch stammen die 18.500 Euro überhaupt von Werner Mauss? CDU-Landesgeschäftsführer Jan Zimmer bittet nun in einem Schreiben an besagte Anwaltkanzlei um Mitteilung, falls die 18.500 Euro nicht ordnungsgemäß versteuert oder nicht vom genannten Adressaten bereitgestellt wurden. Und CDU-Landesschatzmeister Peter Bleser erklärte auf Anfrage: "Ich gehe davon aus, dass das Geld von niemand anders als von Rechtsanwalt Hansen stammt." Und weiter: "Jede andere Unterstellung wäre unanständig."

    Der Bundesagrarstaatssekretär räumt freimütig ein, den Juristen Hansen, der aus dem Kreis Cochem-Zell stammt, lange zu kennen. Schließlich handelt es sich um Blesers Heimat. Auch Ex-Topagent Mauss ist für den CDU-Mann kein Unbekannter. Der Privatagent verfolgte seine Geschäfte lange mit dem Segen des Kanzleramtes. Bleser betont aber auch, dass Mauss ihm gegenüber nie erklärte, Geld an die hiesige CDU gespendet zu haben.

    Das beteuert ebenfalls Anke Beilstein, Chefin der Kreis-CDU. Mauss habe nie angekündigt oder gar behauptet, Spenden an die örtlichen Christdemokraten veranlasst zu haben - weder offen, noch verdeckt.

    Nicht nur in der SPD hat man gewisse Zweifel, dass es tatsächlich keinerlei Zuwendungen gegeben haben soll. Bei den Genossen spekuliert man darüber, dass die CDU dem Ex-Agenten möglicherweise deutlich näher war, als sie zugibt. Fakt ist: Man kannte Werner Mauss. Zig Christdemokraten müssen bei ihm hin und wieder zu Besuch gewesen sein. Darunter war sogar einmal die jetzige CDU-Landesvorsitzende Julia Klöckner - "eher zufällig", wie Peter Bleser sagte. Im Moment will die Geheimdienstlegende niemand mehr kennen.

    Ein Gespinst aus Halbwahrheiten, Schmeicheleien oder Gefälligkeiten

    Mauss konnte einnehmend sein. Vor allem, wenn er etwas wollte. Er verstand es stets, Menschen in ein Gespinst aus Halbwahrheiten, Schmeicheleien oder Gefälligkeiten einzuweben. Mauss soll etwa verfügt haben, dass Gelder einer Liechtensteiner Stiftung einst für kulturelle Veranstaltungen unter Schirmherrschaft von Manfred Schnur (CDU), des Landrats von Cochem-Zell, fließen dürfen. Davon weiß Schnur laut eigener Aussage nichts. Und auch diskrete - und nicht ganz uneigennützige - Hinweise der SPD, dass Mauss im August bei Schnurs Geburtstagsfeierlichkeiten zugegen war, weist er zurück: "Das stimmt definitiv nicht." Die CDU kämpft gegen den Sog der Mauss-Affäre.

    Mauss-Spenden werden für die CDU richtig teuerMauss wegen Bargeld in der Bredouille: Bankmanager belastet den Ex-Agenten erheblichMauss-Prozess: Ex-Staatsminister bestätigt GeheimfondsKein Schuldeingeständnis: Ex-Geheimagent Mauss will Millionen ans Finanzamt zahlenFall Mauss: Regierung schmallippig zu Tarnungweitere Links
    Rheinland-Pfalz
    Meistgelesene Artikel
    epaper-startseite
    Anzeige
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    • Lokalticker
    • Regionalsport
    • Newsticker
    Das Wetter in der Region
    Montag

    13°C - 23°C
    Dienstag

    15°C - 25°C
    Mittwoch

    17°C - 29°C
    Donnerstag

    16°C - 27°C

    Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

    Anzeige
    Anzeige
    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!