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    KoblenzMietspiegel: 15 000 Haushalte in Koblenz werden befragt

    Welcher Mietpreis ist für meine Wohnung angemessen - angesichts der Größe, der Lage, des Alters, der Ausstattung und des Modernisierungsstands? Eine Antwort darauf liefert in Koblenz seit 2006 der Blick in den Mietspiegel der Stadt - seitdem gibt es diesen in qualifizierter Form.

    Foto: dpa

    Von unserem Redakteur Ingo Schneider

    Welcher Mietpreis ist für meine Wohnung angemessen - angesichts der Größe, der Lage, des Alters, der Ausstattung und des Modernisierungsstands? Eine Frage, die Vermieter und Mieter gleichermaßen umtreibt. Eine Antwort darauf liefert in Koblenz seit 2006 der Blick in den Mietspiegel der Stadt - seitdem gibt es diesen in qualifizierter Form. Und in dieser Form wird er seitdem auch zu Beweiszwecken vor Gericht herangezogen. Jetzt steht eine neue Auflage an, die 2015 vorliegen soll. Der Aufwand dafür ist erheblich: 15 000 Haushalte werden befragt.

    "Den qualifizierten Mietspiegel müssen wir alle vier Jahre neu erstellen", berichtet Daniela Schüller von der Statistikstelle der Stadt. Nur eine der strengen Vorgaben, die dieser erfüllen muss. Dafür kommt ihm aber auch erhebliche Bedeutung zu. Soll zum Beispiel in einem Rechtsstreit die Frage geklärt werden, was eine ortsübliche Miete ist, wird der qualifizierte Mietspiegel zur Klärung herangezogen. Der Vermieter kann sich darauf berufen, wenn es ihm um eine Mieterhöhung geht, der Mieter kann für sich ablesen, ob sein Mietpreis im Rahmen liegt.

    Ein wichtiges Instrument also, dessen Neuauflage jetzt in Vorbereitung ist. Bereits im vergangenen Jahr wurde in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Mietspiegel der Fragebogen erstellt, der ab Juni verschickt wird. In dem Arbeitskreis mit 20 Mitgliedern sind die Interessenverbände von Mietern und Vermietern ebenso vertreten wie das Gericht, Wohnungsunternehmen, Makler, der Gutachterausschuss und Sachverständige. Beschlossen wurde ein Fragebogen, für dessen Beantwortung man nach Einschätzung von Daniela Schüller fünf bis zehn Minuten benötigt.

    Um den Aufwand für den Mieter möglichst gering zu halten, andererseits aber fundierte Daten zu erhalten, geht die Stadt in diesem Jahr einen neuen Weg. Zunächst werden die Mieter nach dem Kontakt zu ihren Vermietern befragt. Alle Fragen zu Modernisierungsmaßnahmen und Ähnlichem, wozu der Mieter oft nur schwerlich etwas sagen kann, werden erstmals direkt an die Vermieter gestellt. Der Mieter wird etwa zu Größe, Kaltmiete und Ausstattung befragt - was er in der Regel ohne größere Recherche beantworten kann. Die Ergebnisse beider Befragungen werden dann zusammengeführt und sollen ein rundes Bild zur jeweiligen Wohnung ergeben.

    Im Juli soll die Befragung abgeschlossen sein. Dann wird ausgewertet. Letztlich muss das Ergebnis auch den Weg durch die kommunalen Gremien gehen. Zum Jahresanfang 2015 soll dann der neue Mietspiegel zumindest im Internet abrufbar sein. Die Druckversion folgt möglicherweise etwas später.

    Wer schnell und einfach testen möchte, ob die Miete, die er zahlt, dem Üblichen entspricht, kann das jetzt übrigens online tun: Unter www.mietspiegel.koblenz.de findet sich ein Berechnungswerkzeug, das das Immobilienunternehmen Mertestate in Kooperation mit der Statistikstelle der Stadt entwickelt hat. Dort kann man ganz unkompliziert ermitteln, wie gut man mit seinen Mietzahlungen im Vergleich liegt.

    Zahlenwerk muss höchsten Ansprüchen genügen

    Seit 2006 hat Koblenz einen qualifizierten Mietspiegel. Dieser muss nach wissenschaftlichen Grundlagen erstellt werden, er muss also auf repräsentativen Daten beruhen, und es muss eine wissenschaftliche Auswertungsmethode nachvollziehbar eingesetzt worden sein. Es dürfen nur Mieten einbezogen werden, die in den letzten vier Jahren neu vereinbart oder geändert worden sind. Weiterhin muss eine Dokumentation der Erstellung verfasst und veröffentlicht werden. Der Mietspiegel muss von der Gemeinde und/oder den Interessenverbänden anerkannt worden sein. Und: Er muss alle zwei Jahre der Marktentwicklung angepasst und alle vier Jahre neu erstellt werden. is

    Sozialforum: Mieten fressen Einkünfte auf

    Ökumenisches Netz warnt: Ärmere werden zunehmend aus der Stadt verdrängt

    Von unserem Mitarbeiter Reinhard Kallenbach

    Koblenz - Das transatlantische Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA könnte auch für Kommunen dramatische Folgen haben. Soll doch das Abkommen auch die Daseinsvorsorge liberalisieren. Die Verhandlungen sind geheim, bekannt sind nur wenige Schlagworte. Dennoch befürchtet das Ökumenische Netz Koblenz vor allem weitere Einschnitte für den sozialen Wohnungsbau. Das wurde beim jüngsten Sozialforum im Café Atempause deutlich.

    Schon jetzt ist die Situation für ärmere Menschen in Koblenz dramatisch, sagt Peter Weinowski von Steg. Der Verein, der Suchtkranken betreutes Wohnen ermöglichen will, beobachtet schon seit Jahren einen deutlichen Rückgang von Wohnungen, die für ärmere Menschen bezahlbar sind.

    Weniger geförderte Wohnungen

    Die Entwicklung hat Steg gemeinsam mit Pax Christi, dem Runden Tisch für Gerechtigkeit und dem Ökumenischen Netz in einer Broschüre zusammengefasst. Ergebnis: Ärmere werden zunehmend aus der Stadt verdrängt. Denn: Den vermeintlich günstigen mittleren Mietpreis in Koblenz (6,80 Euro) können sie nicht mehr bezahlen. Dazu kommt, dass der Bestand an Sozialwohnungen abnimmt. Gab es 2011 noch 2200 geförderte Wohnungen in der Stadt, sollen bis 2022 weitere 276 Wohnungen aus der Preisbindung fallen. Angesichts der Tatsache, dass es im Stadtgebiet rund 58 000 Wohnungen gibt, scheint diese Veränderung nur marginal zu sein. Ist sie aber nicht. Denn das Sozialforum geht davon aus, dass auch in Koblenz die Zahl der Menschen steigen wird, die auf Grundsicherung angewiesen sind.

    Kleine, billige Einheiten fehlen

    Peter Weinowski und die beiden anderen Referenten des Forums, Heribert Böttcher und Dominic Kloos, befürchten, dass vor allem die Altersarmut weiter steigen wird, weil die Mieten die Einkünfte auffressen werden. Dazu kommt ein Mangel an Kleinwohnungen. Schon jetzt haben Einheiten von weniger als 50 Quadratmeter lediglich einen Anteil von 13 Prozent am Angebot von Mietwohnungen, das übrigens auch insgesamt rückläufig ist. Das bedeutet: Auch Wohngemeinschaften in bezahlbaren großen Einheiten scheiden zunehmend aus; immer mehr Einheiten werden "gehoben" saniert. Die Folge: Selbst langjährige Bewohner, die die nach einer Sanierung höheren Mieten nicht mehr zahlen können, müssen ausziehen.

    Wie Dominic Koos ausführte, hat diese Entwicklung in Berlin, Hamburg und Köln Protestbewegungen entstehen lassen. Ob es einen Ausweg gibt? Theoretisch schon. Aus Sicht von Heribert Böttcher müsste sich das ganze kapitalistische System ändern. Doch genau das dürfte so schnell nicht passieren.

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