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    Rheinland-Pfalz„Mayoh“, „Ojöööh“, „Miau“ – Karneval ist mehr als „Alaaf“ und „Helau“

    Karneval, Fastnacht oder Fassenacht - zwischen den Hochburgen Köln und Mainz läuft an den tollen Tagen zwar vieles ähnlich, aber noch lange nicht gleich. Selbst mit Alaaf oder Helau schifft man nicht sicher durch das närrische Fahrwasser.

    Farberklärung:    ROT=Alaaf!   BLAU: Helau!   GRÜN: alles annere!

    In vielen, vor allem kleineren Dörfern, gibt es jede Menge andere närrische Schlachtrufe. Oft sind sie sogar von Ortsteil zu Ortsteil verschieden. Und was in Köln Session heißt, würde man in Mainz eher Kampagne nennen. Das ist aber nicht dasselbe und noch nicht einmal das Gleiche. Sondern eher etwas Ähnliches. Die Session (bloß nicht mit Saison verwechseln!) dauert vom Elften im Elften - dem 11. November - bis zum Mittwoch nach Karneval, dem Aschermittwoch, dessen Termin ja variiert, weil er immer genau 46 Tage vor Ostersonntag liegt. Session sagt man vornehmlich im Rheinland eher von Koblenz aus Richtung Norden. In Mainz reden die Karnevalisten eher von der Kampagne, die mit dem 1. Januar beginnt und den Sitzungskarneval dort eröffnet. Am 11.11. wird heute in nahezu allen Karnevalshochburgen der Auftakt gefeiert - in Köln etwas heftiger als in Mainz, sagen erfahrene Karnevalisten.

    Egal ob Mädchen-, Prunk- und Fremdensitzung, Herren- oder Kostümsitzung: In und um Köln sagt niemand Narrhalla, wenn er den Saal meint, in dem die Karnevalssitzung über die Bühne geht. Das ist eher meenzerisch. Mit dem Ausdruck "Kappensitzung" kann ein echter kölscher Fastelovendsjeck auch nichts anfangen. Der Begriff ist eher ab Koblenz Richtung Süden verbreitet.

    Apropos Jeck. Während das nördliche Rheinland-Pfalz und darüber hinaus auch im Dialekt eher zum „j“ tendiert, gibt es weiter südlich den Geck im Karneval. Nicht zum Verwechseln mit dem neudeutschen Gag, der Pointe beispielsweise bei der Büttenrede.

    Man sollte also genau hinhören, wenn man mitreden will, denn die Sprachgrenzen sind fließend. Da lässt sich auch bei dem karnevalistischen Schlachtrufen kein klarer Strich ziehen, oftmals gibt es in „Helau“-Gebieten eine „Alaaf“-Enklave oder umgekehrt. Während der übrige Kreis Birkenfeld „Helau“ ruft, heißt es in Rohrbach wie im Saarland „Allez-hopp“. Städte wie Koblenz („Olau“), Mayen („Mayoh“) oder Altenkirchen („Schepp Schepp“) und jede Menge Dörfer und Ortsteile haben ganz eigene Rufe.

    In manchen Orten muss man nur etwas Dialekt können, um zu verstehen, was da gerufen wird. Wie zum Beispiel im Neuwieder Stadtteil Gladbach. „Bat nau“ heißt nichts anderes als „Was nun?“. In anderen Orten wird „Nadda jöhh“ (Herdorf) oder „Ojööh“ (Wehr) gerufen. Wer’s genauer wissen möchte, kann das auf unserer Karte nachvollziehen.

    Schwerdonnerstag heißt der Donnerstag vor dem Rosenmontag in und um Koblenz. Wiewerfastelovend (also Weiberfastnacht) sagt man eher nördlich im Köln/Bonner Raum - verkürzt auch einfach "Altweiber". Da haben zwar traditionell die Frauen die Hosen an, aber die Herren können tüchtig mitfeiern. Mit Bräuchen wie dem traditionellen Abschneiden der Krawatten macht so mancher Herr im Rheinland an diesem Tag seine eigenen Erfahrungen. „Bützen“ - also das Verteilen von Küsschen - hat nichts mit Rumknutschen zu tun und ist Teil der Kölner Karnevalstradition.

    Der Straßenkarneval, die Zeit der Umzüge, ist Weiberfastnacht eröffnet. Die meisten Karnevalszüge - mit zahlreichen Varianten als Geister- oder Nachtumzüge - finden zwischen Weiberfastnacht und Karnevalsdienstag - auch Veilchendienstag genannt - statt.

    Hochfest des rheinischen Karnevals ist der Rosenmontag. Große Umzüge gibt es dann in nahezu allen großen Städten und in den Hochburgen Köln, Mainz und Koblenz.

    Wer übrigens von „Faschingsdienstag“ redet, outet sich im Rheinland als Süddeutscher oder als echtes Karnevals-Greenhorn. Er sollte quasi zum Finale an diesem Tag einmal den großen Umzug im Neuwieder Stadtteil Heimbach-Weis besuchen, ein weiterer närrischer Höhepunkt in der Region.

    Am Dienstag endet übrigens die närrische „fünfte Jahreszeit“, mancherorts wird der „Nubbel“ - als Symbol des Karnevals mit viel Wehklagen verbrannt. Die Fastenzeit beginnt.

    Und jetzt sind Sie gefragt: Ist Ihr Ort schon auf unserer Karte dabei? Wenn nicht, schreiben Sie Ihren Ort unten in die Kommentare, am besten mit Postleitzahl. Wir erweitern die Karte.

    Von Regina Theunissen und Sarah Kern (Grafik), Marcus Schwarze (aktualisiert 2015) 

     

    Mehr über Karnevalsbräuche und Gepflogenheiten gibt es unter:

     

     

     

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