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    Malu Dreyer im RZ-Interview: Chancen in China schnell nutzen

    Peking/Rheinland-Pfalz - Millionenstädte entstehen innerhalb weniger Jahre, die Wirtschaft boomt, die schnell wachsende Mittelschicht entwickelt gewaltige Konsumbedürfnisse: Malu Dreyer will am China-Markt auf die Tube drücken.

    Malu Dreyer und die Deutsche Weinkönigin Nadine Poss (links) im neuen Rheinland-Pfalz-Zentrum für Kultur und Handel.
    Malu Dreyer und die Deutsche Weinkönigin Nadine Poss (links) im neuen Rheinland-Pfalz-Zentrum für Kultur und Handel.
    Foto: Peter Pulkowski

    Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) glaubt, dass Deutschland und Rheinland-Pfalz nur noch ein begrenztes Zeitfenster bleibt, um sich stärker in die chinesischen Märkte einzuklinken. auDanach dürfte das Reich der Mitte technologisch auf Augenhöhe mit dem Westen sein. Im Interview mit unserer Zeitung zog die Regierungschefin nach einer einwöchigen China-Reise Bilanz.

    Sie waren zum ersten Mal in China. Was waren Ihre stärksten Eindrücke während dieser Reise?

    Das waren die extremen Kontraste. In Peking stehen uralte Tempel neben modernen Wolkenkratzern, oder man sieht sehr wohlhabende Chinesen im Porsche Cayenne durch die Straßen fahren neben Bussen mit erschöpften Wanderarbeitern, die fast nichts zum Leben haben. Gegensätzlich fand ich auch die sehr höfliche, aber auch sehr kontrollierte Art der Chinesen bei offiziellen Anlässen und daneben die ausgelassen tanzenden und singenden Chinesen, die man in den Parks erleben kann.

    Was hat die Reise für die Partnerschaft zwischen Rheinland-Pfalz und der südchinesischen Region Fujian gebracht?

    Die Reise war meines Erachtens sehr erfolgreich. In China muss man Gesicht zeigen, vor Ort sein, um Vertrauen zu schaffen und deutlich zu machen, dass die Regierung politisch auch wirklich voll und ganz hinter der Partnerschaft steht. Das ist uns gelungen. Ich bin in China sehr hochrangig empfangen worden, was eine außerordentliche Wertschätzung bedeutet. Ich denke, wir haben viel Rückenwind für die Partnerschaft mitgenommen. Das ist eine gute Basis, um sie nun weiter zu entwickeln. Daran arbeiten auch viele Akteure in der Zivilgesellschaft mit.

    Welche Impulse nehmen Sie unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten mit nach Rheinland-Pfalz?

    Hier in China ist eine große technologische Dynamik zu beobachten. Zugleich wird der Konsumentenmarkt schnell größer. Da die rheinland-pfälzische Wirtschaft sehr exportabhängig ist, geht es nun darum, dass kleine und mittlere Unternehmen noch stärker erkennen, welche Chancen sie auf dem chinesischen Wachstumsmarkt haben. Wirtschaftsministerin Eveline Lemke wird deswegen im Herbst mit einer Delegation aus der Wirtschaft nach China reisen. Zudem werden wir in der Landesregierung noch einmal intensiv darüber beraten, wie wir diesen Prozess weiter unterstützen können. Die Frage, der wir uns stellen, heißt: Reichen unsere Kümmererstrukturen, oder müssen wir hier nachsteuern? Darüber werde ich auch mit den Kammern reden.

    Sind in China zusätzliche Vermarktungsplattformen für den Mittelstand notwendig, wie sie jetzt den rheinland-pfälzischen Winzern geboten wird?

    In diesem Fall wurde ein chinesischer Investor mit Weingütern in Rheinland-Pfalz zusammengebracht. Eine solche Begegnung möglich zu machen, eine Vertrauensbasis zu schaffen, Kontakte zu vermitteln - das kann durchaus Aufgabe von Politik sein gemeinsam mit anderen Akteuren wie Kammern und Verbänden. Jetzt - hier und heute - eine neue Struktur zu entwerfen, ist sicher verfrüht. Ich nehme das Thema mit.

    In China scheinen Großinvestitionen mühelos finanzierbar. Bei uns wird jeder Cent zweimal herumgedreht, weil die öffentlichen Kassen klamm sind. Geraten die Deutschen perspektivisch immer stärker ins Hintertreffen?

    In China ist tatsächlich eine gigantische Dynamik zu beobachten. Hier wird sehr viel Geld in die Hand genommen, aber nicht nur vom Staat, auch von privaten Investoren. Man kann schon neidvoll darauf blicken, wie gut hier die Ausstattung in manchen Firmen oder wissenschaftlichen Einrichtungen ist. In Deutschland wird ebenfalls viel investiert, auch wenn zweifelsfrei gespart werden muss. Aber um erfolgreich zu bleiben, werden wir immer wieder kräftig in unsere Strukturen investieren müssen.

    China holt technologisch stark auf. Schließt sich hier ein Zeitfenster für den Einstieg in diese Dynamik?

    In der Tat: Jetzt sind die deutschen Unternehmen und Universitäten für China noch interessant. Wir müssen daran arbeiten, dass dies so bleibt. Denn in fünf bis zehn Jahren könnte das schon anders sein. Deswegen sind Kooperationen mit China so wichtig.

    Zahlreiche Chinesen verehren Trier und Rheinland-Pfalz als Heimat des Marxisten Karl Marx, was bei der einwöchigen Reise eine große Rolle gespielt hat. Ist das nicht politisch zweischneidig?

    Karl Marx ist ein bedeutender Universalgelehrter, der von vielen Chinesen verehrt wird. Wir sollten uns mit ihm auseinandersetzen - das gilt auch für die Veranstaltung zum 200. Geburtstag in seiner Geburtsstadt Trier 2018. Politisch ist hier nichts zweischneidig, weil sein Erbe bei uns auch kritisch betrachtet wird.

    Welche Umbrüche beobachten Sie in der derzeitigen chinesischen Gesellschaft?

    Es gibt einen sehr starken Gegensatz zwischen Arm und Reich. Das hält eine Gesellschaft nicht lange aus. Zugleich wächst der Mittelstand. Damit kommen mehr und mehr Menschen aus der Armut heraus. Gleichwohl lebt die Hälfte der Bevölkerung noch immer unter ärmlichen Bedingungen.

    Wie bewerten Sie Einfluss und Rolle der chinesischen Frauen?

    Die chinesischen Frauen sind zunehmend sehr gut ausgebildet und in der Wirtschaft stark vertreten, allerdings kaum in den Spitzenpositionen. In der Politik ist dieses Manko noch stärker zu beobachten. Aber auch da wird sich in der Zukunft einiges bewegen, da bin ich mir sicher.

    Das Gespräch führte Dietmar Brück

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