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  • Kommentar: Schlagt euch die Kirchtürme aus den Köpfen!

    Das Havelland macht's in diesem Jahr vor: Die Bundesgartenschau in einer Region, einem Naturpark, aber an fünf Standorten, auf einer Strecke von 80 Kilometern - das ist machbar. Warum also nicht die Buga 2031 im Welterbe Oberes Mittelrheintal? In einer über Jahrtausende gewachsenen Kulturlandschaft, geschichtsträchtig mit unzähligen Burgen, Schlössern und Naturerlebnissen.

    Was für eine Chance für das Tal rund um die Loreley! Der Blick ans Deutsche Eck zeigt, wie nachhaltig eine Buga wirken kann: Koblenz ist mit und nach der erfolgreichen Bundesgartenschau lebenswerter, schöner und, ja, auch ein Stück weltoffener geworden. Von anhaltenden Touristenströmen und Einnahmen fürs Gewerbe mal ganz abgesehen.

    Dagegen ist vor allem der Kern des Welterbes zurückgeblieben. Die Loreley ist weltberühmt - und relativ versifft. Sagte jüngst der rheinland-pfälzische Kulturstaatssekretär Walter Schumacher in einem Interview mit Burgenbloggerin Jessica Schober und sorgte für eine gewaltige Diskussion nicht nur im Mittelrheintal, sondern bis hinein in den Landtag. Die Aufregung ist groß, die Zustimmung zur ungewohnten (oder unbedarften?) Offenheit eines Politikers aber auch.

    Nun, wie das so ist mit der Wahrheit: Es kommt meist auf die Perspektive an. So unrecht hat der Mann ja nicht. Es ist Tatsache, dass viele Ecken auf dem weltberühmten Felsen nicht eben einladend sind. Vom End-DDR-Charme in St. Goarshausen, dem Entree zur Loreley, mal ganz abgesehen, wo verfallende Hotelbauten nicht gerade von Prosperität künden. Zweifellos sind wir "Mittelrheinler" auf diesem einen Auge lange blind gewesen, auch deshalb, weil das andere immer wieder die Schönheit einer Landschaft erblickt, die für manches entschädigt, was hier nicht stimmt. Denn auch das ist wahr: Das Mittelrheintal und die Loreley können uns und Gäste aus aller Welt nach wie vor faszinieren.

    Warum der Staatssekretär mit seiner Sicht der Dinge erst jetzt rausrückte, wo er doch seit Jahr und Tag den Titel Welterbe-Beauftragter der Landesregierung führt? Man hätte sich gewünscht, dass er in dieser Zeit an vorderster Stelle den Kampf gegen Kirchturmdenken, "Brödeln" und Lethargie, die es im Rheintal nun wirklich gibt, aufgenommen hätte.

    Nun gab und gibt es Initiativen und Investitionen der Landesregierung. Millionen aus Mainz allein aber werden das Grundproblem nicht lösen. Im Rheintal haben sich Touristiker und Gastronomen mancherorts zu lange auf dem Erbe aus besseren Zeiten ausgeruht, gleichzeitig sind über Jahrzehnte aber auch Industrie und Gewerbe und damit unzählige Arbeitsplätze weggebrochen. Die unmittelbare Folge: Heute fehlen, gerade rund um die Loreley, junge Leute und damit Innovation, Ideen und auch der Mut, in den Gemeinden oder Städten etwas neu anzupacken. Dass ausgerechnet in einer touristischen Hochburg Hotels verwaist sind, weil sich weder Nachfolger noch neue Betreiber finden, kommt doch nicht von ungefähr.

    Eine Bundesgartenschau 2031 könnte schon im Vorfeld Entscheidendes ändern. Wenn sich alle einig sind, wenn Kirchturmdenken aus den Köpfen verschwindet, Berufsskeptiker nicht die Oberhand gewinnen. Skepsis gab's ja auch erst in Koblenz, Bedenkenträger zuhauf. Heute aber sind die Koblenzer mehr denn je stolz auf ihre Stadt, auf das Erreichte; Bürgersinn und Engagement sind sichtbar gewachsen.

    Wie in Koblenz gibt's auch im Tal Macher, die die Ärmel hochkrempeln. Sie werden diese Chance ergreifen. Und wie in Koblenz braucht es dazu dringend externes Know-how und organisatorisches Talent, eine neue Denke, Vernetzung und Unternehmergeist. Wenn am Ende der Idee Buga 2031 ein Erfolg steht, wenn auch die von Walter Schumacher angestoßene Diskussion dazu beiträgt, Perspektiven, frischen Wind und Arbeit für junge Menschen ins Mittelrheintal zu bringen, dann war's kein Sturm im Wasserglas, dann haben sich Aufregung und Anstrengung gelohnt.

    E-Mail: michael.stoll@rhein-zeitung.net

    Kopie von Beschlussvorschlag: Buga 2031 wird Thema in den Welterbe-KommunenSpektakel auf dem Wasser: Die schwimmende Gartenschau Mobilität: Mit dem E-Bike zur Burg, per Taxi ans andere Rheinufer Buga 2031: Von der Obstblüte über den 
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