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  • Kollisionskurs am Nürburgring: Mahnverfahren gegen Pächter des Nürburgrings

    Nürburgring. Am Nürburgring fliegen die Fetzen: Die landeseigene Nürburgring GmbH geht als Besitzer des Rings mit einem Mahnverfahren gegen die Nürburgring Automotive (NAG) als Pächter der Rennstrecke vor. Es geht um Millionen.

    „Drohkulissen beeindrucken mich überhaupt nicht. Ich habe das Interesse des Landes zu vertreten.“ Innenminister Roger Lewentz, SPD.
    „Drohkulissen beeindrucken mich überhaupt nicht. Ich habe das Interesse des Landes zu vertreten.“ Innenminister Roger Lewentz, SPD.
    Foto: dpa

    Nürburgring - Kollisionskurs am Nürburgring: Das Land hat als Besitzer des Rings ein Mahnverfahren gegen die Pächter der legendären Rennstrecke eingeleitet. Es geht um Millionen.

    Die landeseigene Nürburgring GmbH geht als Besitzer des Rings mit einem Mahnverfahren gegen die Nürburgring Automotive (NAG) als Pächter der Rennstrecke vor. Das hat nach Informationen unserer Zeitung am Montag die Drohung der NAG ausgelöst, 140 Arbeitsplätze am Ring abzubauen, wenn die Pacht nicht um etliche Millionen Euro gesenkt wird.

    Innenminister Roger Lewentz teilte uns auf Anfrage mit, dass das Amtsgericht Mayen als zentrales Mahngericht in Rheinland-Pfalz mit seiner ausdrücklichen Billigung gebeten wurde, der Geschäftsführung der NAG eine förmliche Mahnung zuzustellen. Nach seinen Worten sind die Pächter dem Land mittlerweile rund vier Millionen Euro schuldig geblieben. Die von Hotelier Jörg Lindner geführte NAG wiederum hält der Nürburgring GmbH und damit faktisch dem Land vor, ihnen als Pächter inzwischen rund zehn Millionen zu schulden.

    Der von der Landesregierung getragene Mahnbescheid scheint die NAG nicht sonderlich zu beeindrucken: Kurz nach Eingang des Dokumentes forderte die NAG in einem dreiseitigen Schreiben an den Aufsichtsrat der Nürburgring GmbH, die Pacht auf fünf Millionen Euro pro Geschäftsjahr zu beschränken und nicht, wie im Pachtvertrag festgeschrieben, 2012/13 auf 11,5 Millionen Euro und im Jahr darauf auf 15 Millionen Euro zu erhöhen. Anderenfalls „wäre die NAG gezwungen, Teile der Betriebsgebäude temporär still zu legen und insbesondere ca. 140 Mitarbeitern die Kündigung auszusprechen“, schreiben die NAG-Geschäftsführer Jörg Lindner und Karl-Josef Schmidt.

    Roger Lewentz bedauert, dass die NAG dem Land „mit der Kündigung ihrer eigenen Beschäftigten droht“. „Die Arbeitnehmer am Ring werden instrumentalisiert“, kritisierte der Sozialdemokrat. Nach seiner „festen Überzeugung“ kann am Ring „gutes Geld verdient werden“ – und wird dort von der NAG „auch gutes Geld verdient“. Lewentz betont, dass es geltende Verträge gibt, die „so genau formuliert sind, dass jeder wusste, was er unterschreibt“. Um beurteilen zu können, ob eine Pachtminderung geboten ist, müsse die NAG erst einmal alle Zahlen vorlegen. Das hatten die Ring-Pächter der Nürburgring GmbH nach den Worten des Ministers bislang verwehrt.

    Jetzt aber gewährt die NAG dem Land doch Einblick in ihre Bücher: „Obwohl dies weder vertraglich vereinbart noch von einer vertrauensvollen Zusammenarbeit geprägt ist, haben wir die Unterlagen zusammengestellt“, heißt es wörtlich in dem Brief an den Aufsichtsrat des Ring-Verpächters Nürburgring GmbH. Ab 15. November kann das Land „in einem Data Room“ Einblick in die Geschäftsvorgänge der NAG nehmen. Zugleich wurde der Nürburgring GmbH die Abrechung zum diesjährigen Formel 1-Rennen am Ring übergeben. Der NAG-Jahresabschluss 2010/2011 soll spätestens zum 30. November vorliegen.

    Innenminister Lewentz hält es für möglich, dass am Ende des Studiums all dieser Zahlen eine „juristische Bewertung“ steht. Das Anfang vom Ende der Partnerschaft zwischen Land sowie Lindner und Richter? Lewentz wörtlich: „Wenn die NAG die Verträge nicht einhalten möchte, kann das am Schluss für sie im Rückzug vom Ring münden.“ Mehr noch: Der Minister kündigt an, die Verpachtung des Rings auszuschreiben, wenn die NAG die Verträge auflösen will. Lewentz abschließend im Gespräch mit unserer Zeitung: „Drohkulissen beeindrucken mich überhaupt nicht. Ich habe das Interesse des Landes zu vertreten.“

    Von unserem Chefredakteur Christian Lindner

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