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    LimburgKirche: Katholiken wenden sich ab - Austrittswelle wegen Limburgs Bischof

    Die Vorgänge im Bistum Limburg haben das Kirchenvolk schwer erschüttert. Viele sind erbost über die Kostenexplosion beim Bau des Bischofssitzes, der nun 31 Millionen Euro verschlingt.

    Immer mehr Menschen treten nach dem Bekanntwerden des Skandals um den Liburger Prunkbau des Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst aus der Kirche aus. Foto: dpa
    Immer mehr Menschen treten nach dem Bekanntwerden des Skandals um den Liburger Prunkbau des Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst aus der Kirche aus.
    Foto: dpa

    Auch am Freitag wurden Rücktrittsforderungen laut. Noch hat zudem die Hamburger Justiz nicht über einen Strafbefehl oder Untreue-Ermittlungen gegen Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst entschieden. Das Limburger Amtsgericht registriert einen sprunghaften Anstieg der Kirchenaustritte im Bistum. Bislang schweigt der Bischof, er will sich aber an diesem Wochenende äußern.

    „Allein am Donnerstag sind 20 Katholiken ausgetreten. Normalerweise habe ich durchschnittlich einen Austritt alle zwei Tage“, sagte der zuständige Sachbearbeiter im Limburger Amtsgericht, Rüdiger Eschhofen, der Nachrichtenagentur dpa. Am Dienstag seien es vier Austritte gewesen, am Mittwoch zwölf. Am Freitagmorgen sei sogar eine ganze Familie bei ihm vorstellig geworden. Eschhofen vermutet einen unmittelbaren Zusammenhang mit den Baukosten und dem drohenden Strafbefehl gegen Tebartz-van Elst. „Sonst ist der Grund für den Austritt meist die Kirchensteuer. Jetzt sagen die Leute: Das Maß ist voll.“

    Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst
    Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst steht wegen der Kostenexplosion in der Kritik. Rufe nach seinem Rücktritt werden immer lauter.
    Foto: dpa

    Die Justizbehörden in Hamburg und Limburg haben noch nicht über Vorwürfe gegen den Tebartz-van Elst entschieden. Bei der Limburger Staatsanwaltschaft gingen bis zum Freitag neun Strafanzeigen gegen den Oberhirten wegen der Baukosten ein, fünf davon waren anonym. Die Behörde prüfe, ob es einen hinreichend konkreten Anfangsverdacht wegen Untreue gibt. Behördensprecher Hans-Joachim Herrchen kündigte für die kommende Woche eine Entscheidung darüber an, ob ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wird.

    Wann das Amtsgericht Hamburg über den Antrag auf einen Strafbefehl wegen falscher Versicherung an Eides statt entscheidet, war am Freitag offen. In dem Rechtsstreit geht es um falsche Äußerungen des Bischofs im Zusammenhang mit einem Erste-Klasse-Flug nach Indien.

    Ein Sprecher des bischöflichen Limburger Vermögensverwaltungsrates warf Tebartz-van Elst vor, auch bei den Baukosten für die Residenz die Unwahrheit gesagt zu haben. Als dieser im Juni mitgeteilt habe, die Baukosten lägen bei knapp unter zehn Millionen Euro, habe er gelogen, sagte Jochen Riebel, am Freitag und bestätigte damit einen Bericht von hr-info. Dem Bischof sei damals bereits bekanntgewesen, dass diese Zahl nicht der Wahrheit entspreche.

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    Auch die Behauptung, es habe keine kostspieligen Sonderwünsche des Bischofs gegeben, sei gelogen. Die erhebliche Kostensteigerung gehe ausnahmslos auf dessen Wünsche zurück. Alleine die Wohnung des Bischofs habe laut den Unterlagen 2,9 Millionen Euro gekostet. Sein Wohnzimmer sei in der Planungsphase von 23 auf über 63 Quadratmeter angewachsen. „Ich werfe ihm vor, dass er sich heute nicht hinstellt und sagt, jawohl, das ist alles auf meine Veranlassung geschehen und ich stehe dazu, sondern dass er wie ein Feigling auf andere zeigt“, sagte Riebel.

    Das Bistum Limburg äußerte sich auch am Freitag auf Anfrage nicht zu den Vorwürfen. Auch zur Frage, ob Tebartz-van Elst am Wochenende seinen angekündigten Brief selbst präsentieren oder als Hirtenbrief in die Gottesdienste geben werde, machte ein Sprecher des Bistum keine Angaben.

    Limburger Dom St.Georg im Abendlicht RV
    Limburger Dom St.Georg im Abendlicht RV

    Das Verhalten des Kirchenmannes schade der gesamten Glaubensgemeinschaft, kritisierte der Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Stefan Vesper, im ARD-Morgenmagazin. „Wegen dieser Affäre und wegen dieser Nachrichten von Prunk und Protz treten auch Menschen aus der Kirche aus in Hamburg oder in München.“ Der Sprecher des „Hofheimer Kreises“ von 20 kritischen Pfarrern, Ludwig Reichert, sagte, der Glaubwürdigkeitsverlust des Bischofs sei inzwischen so groß, dass alle der Meinung seien, er solle gehen. „Bei allen, mit denen ich spreche, herrscht unisono blankes Entsetzen und große Verzweiflung“, sagte der Caritas-Pfarrer.

    Der Unternehmer Manfred Maus forderte eine „unternehmerische Haftung“ auch für Bischöfe. Der Limburger Bauskandal sei „unternehmerisch unvorstellbar und christlich unfassbar“, sagte der Obi-Mitbegründer und Vorsitzende des Bundes Katholischer Unternehmer im Erzbistum Köln dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Freitag).

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