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    BonnJapanische Comickultur in der Bundeskunsthalle Bonn: Reise durch eine andere Welt

    Jeder Bonner ist es gewohnt, dass seine Stadt einmal im Jahr von Wesen aus Animes und Videospielen bevölkert wird - hier finden häufig sogenannte Manga- und Anime-Conventions statt. Jetzt würdigt die Bundeskunsthalle diese Tradition mit der Ausstellung „Anime! High Art – Pop Culture“. Wir haben uns ganz nah an Monster und Co herangetraut.

    Sie spielen eines der berühmtesten Computerspiel-Liebespärchen: Maria Weingarten, 22, als „Link“ und Vanessa Wiebelhaus, 22, als Prinzessin „Zelda“. Ein halbes Jahr haben die Arbeiten an den  selbstgemachten Kostümen gedauert.
    Sie spielen eines der berühmtesten Computerspiel-Liebespärchen: Maria Weingarten, 22, als „Link“ und Vanessa Wiebelhaus, 22, als Prinzessin „Zelda“. Ein halbes Jahr haben die Arbeiten an den selbstgemachten Kostümen gedauert.
    Foto: Christine Helmeke
    Auf der Wiese steht ein pummeliges Monster mit einem Schirm in der Hand und dreht sich im Kreis. Es hat die Statur eines Bären, eine Katzenschnauze, Hasenohren und Eulenaugen. Nein, dies ist keine Halluzination, aber dennoch ein Wesen aus einer anderen Welt: der der japanischen Zeichentrickfilme, der Animes.

    Das freundliche Monster ist die Hauptfigur aus dem Kinderfilm „Mein Nachbar Totoro“ und begrüßt im Eingangsbereich der Ausstellung „Anime! High Art – Pop Culture“ in der Bonner Bundeskunsthalle die Besucher. Neben Filmausschnitten, riesigen Bildern, Computerspielen zum Ausprobieren, Bildvorlagen, Trickfolien und Fanartikeln gibt es beim Rundgang durch die oft quietschbunte japanische Trickfilmwelt auch zwei Vorführräume, in denen Filme für Kinder und Erwachsene gezeigt werden. „Wir wollten schon längere Zeit das Medium Film wieder stärker in den Fokus unserer Ausstellungen einbeziehen. Animes haben die Kraft, viele verschiedene Menschen anzusprechen, und sie vermitteln auf ihre Weise auch ein Stück japanische Kultur und Lebensart“, erklärt Susanne Kleine, Ausstellungsleiterin der Bundeskunsthalle.

    In der Welt des Anime gibt es genauso viele Genres wie in der Welt des Realfilms. Und so kann der Besucher auch in der Ausstellung jede Gattung wiederfinden: von Kindermärchen über actionreiche Abenteuer, mystische Fabeln, spannende Krimis, düstere Zukunftsvisionen, Gruselfilme und Science Fiction bis hin zu romantischen Liebesgeschichten. „Ein Anime beinhaltet immer auch eine bestimmte Philosophie und hat damit mehr Tiefe als ein typischer Disneyfilm“, erläutert Kleine die Besonderheit der Werke aus Nippon.

    Die Faszination für und die Identifikation mit den gezeichneten Figuren bringt ein weiteres Phänomen des japanischen Comics mit sich, das in der Bundeskunsthalle ebenfalls Platz findet: das sogenannte Cosplay, bei dem sich Menschen mithilfe von Schminke und oftmals selbst gefertigten Kostümen in ihre Lieblings-Anime-Figuren verwandeln. Etwa in jene Engelsgestalt, über die Besucher ebenfalls in der Ausstellung stolpern. Da steht eine Vogelgottheit in Form einer weißen, lebensgroßen Schaufensterpuppe. Sie trägt riesige rote Flügel, rot-goldene Brust-, Schulter-, Handgelenks- und Schienbeinpanzer, einen breiten Gürtel und einen roten Rock. Auf dem Kopf thront eine feuerrote Perücke, auf der Stirn prangt ein mystisches, rotes Zeichen. Jeder Besucher, der Suzaku, den roten Vogelgott des Südens aus dem Anime „Fushigi Yugi“, zum ersten Mal sieht, bleibt respektvoll vor ihm stehen. „Ich bin ein großer Manga-Fan und habe diese faszinierende Kunstform 2005 durch meine Schülerinnen kennengelernt“, erzählt der 57-jährige Mathelehrer Rudolf Arnold aus Ulm, der das Kostüm in mühevoller Kleinarbeit selbst angefertigt und auch getragen hat. „Ich weiß, das wirkt schräg, aber es macht riesigen Spaß“, sagt er lachend über sein außergewöhnliches Hobby. In diesem Jahr hat er sich für die Bonner Animagic, die Manga- und Anime-Messe, mit einem rot-schwarzen Kimono mit mechanischen Metallflügeln und einer schwarzen Perücke in den japanischen Rockstar Naisho Himawari aus dem Manga „Not here“ verwandelt. Zwischen den 13 500 Besuchern der Messe parallel zur Ausstellung am Eröffnungswochenende ist er bei Weitem nicht der Einzige im ausgefallenen Kostüm.

    In der Ausstellung der Bundeskunsthalle sind Cosplayer hingegen eher selten. Viel öfter sieht man Familien mit Kindern oder Großeltern mit ihren Enkeln. Manchmal kommen Oma und Opa auch allein zu Recherchezwecken – wie Dorothea und Dietrich Rutzen aus Königwinter. „Eigentlich wollten wir zunächst mal schauen, was das ist und ob diese Ausstellung auch was für unsere Enkel wäre. Man muss ja schließlich mit der Zeit gehen“, sagt Dietrich Rutzen und schaut auf eine riesige Tapete aus Anime-Bildern, „aber ich muss sagen, diese Kunstform ist spannend – so bunt und lebendig.“ Und seine Frau Dorothea ergänzt: „Ich hätte nie gedacht, dass Biene Maja und Wickie auch zu den Animes gehören.“ Dann probieren sich beide an einem der ausgestellten Computerspiele.

    Die Faszination für die bewegte Kunst aus Japan kennt in der Bundeskunsthalle keine Altersunterschiede. Das scheint auch das pummelige Monster am Eingang zu wissen und dreht sich zur Begrüßung einer neuen Gruppe neugieriger Besucher weiter schmunzelnd im Kreis.

    Die Ausstellung „Anime! High Art – Pop Culture“ in der Bundeskunsthalle läuft bis zum 8. Januar, Eintritt 8 (ermäßigt 5) Euro, geöffnet Di/Mi 10–21 Uhr, Do bis So/Feiertag 10–19 Uhr.

    Von unserer Reporterin Christine Helmeke 

    (Twitter: @RZ_Helmeke)

    Anime- und Mangamesse „Animagic 2011": Monster und Dämonen in BonnAusstellung "Anime! High Art - Pop Culture" in der Bonner Kunst- und Ausstellungshalle
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