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    NürburgringInsolvenzverwalter Schmidt: "Ring wird nicht verscherbelt"

    Ohne Investorenprozess und Verkauf kein Nürburgring mehr, das betont Insolvenzverwalter Thomas B. Schmidt im RZ-Interview. Kritik an dem Verkaufsprozess weist er zurück.

    Eifellegende Nürburgring: Am Verkauf der Rennstrecke scheiden sich die Geister. Während die Region aus Sorge vor einer ungewissen Zukunft auf die Straße geht und für einen Verbleib im öffentlichen Besitz demonstriert, warnen die Insolvenzverwalter davor, Ängste zu schüren.
    Eifellegende Nürburgring: Am Verkauf der Rennstrecke scheiden sich die Geister. Während die Region aus Sorge vor einer ungewissen Zukunft auf die Straße geht und für einen Verbleib im öffentlichen Besitz demonstriert, warnen die Insolvenzverwalter davor, Ängste zu schüren.
    Foto: dpa

    Die Fragen stellte Frank Giarra:

    Ring-Sachwalter Thomas B. Schmidt
    Ring-Sachwalter Thomas B. Schmidt
    Foto: dpa

    Herr Schmidt, wie weit sind Sie in dem Bemühen, den Nürburgring zu verscherbeln?

    Von Verscherbeln kann überhaupt keine Rede sein! Der Nürburgring befindet sich in einem Insolvenzverfahren. Damit ist der Verkauf der Vermögenswerte an Investoren unvermeidbar. Erschwerend kommt beim Nürburgring hinzu, dass Sachwalter Jens Lieser und ich den verschärften Bedingungen und strengen Vorgaben der EU-Kommission folgen müssen. Grund ist das von der EU-Kommission eröffnete Beihilfeprüfverfahren wegen möglicherweise zu Unrecht geflossener Subventionen des Landes. Denn hier droht ein Rückforderungsbescheid in Millionenhöhe.

    Gleichwohl wird behauptet, etwa von ADAC-Ehrenpräsident Otto Flimm, der Ring werde verscherbelt.

    Ich weise diese Behauptung auf das Schärfste zurück. Das Bietverfahren hat gezeigt, dass es eine Reihe von Investoren gibt, die ein hohes und nachhaltiges Interesse haben, den Ring zu erwerben. Noch ein Wort zu Otto Flimm: Er hat sich ohne Zweifel durch sein hohes persönliches Engagement am Nürburgring und in der Region verdient gemacht. Sein Verhalten ist aber unverantwortlich, denn er schürt gezielt Ängste bei Motorsportfans. Er fordert jetzt die Einstellung des Investorenprozesses und droht mit einer Klage, womit er die Stilllegung des Nürburgrings riskiert. Fakt ist: Das Beihilfeprüfverfahren haben wir maßgeblich Otto Flimm zu verdanken! Er und der Verein "Ja zum Nürburgring" haben es durch eine Beschwerde bei der EU Kommission 2011 mit angestoßen.

    Wie viele ernsthafte Kaufinteressenten gibt es denn?

    Bitte haben Sie Verständnis, dass ich aus Gründen der Vertraulichkeit keine Angaben zu einzelnen Bietern oder über die Zahl der Bieter mache.

    Wie konnte sich eine offenbar zwielichtige Firma in den virtuellen Datenraum mit den wichtigsten Geschäftskennzahlen des Rings schleichen?

    Auch hierzu kann ich aus Gründen der Vertraulichkeit keine Stellung nehmen. Namen, die in den Medien genannt werden, kommentiere ich nicht.

    Befürchten Sie dadurch negative rechtliche Auswirkungen, wie sie von Rechtsexperten öffentlich behauptet wurden?

    Die Meinung einiger Rechtsexperten geht aus meiner Sicht an der Sache vorbei. Wir führen den Investorenprozess strikt nach den Vorgaben der EU-Kommission durch. Das Bietverfahren haben wir mit ihr im Vorfeld inhaltlich abgestimmt. Es entspricht den strengen Vorgaben des Beihilferechts. Im Übrigen stehen wir auch während des Investorenprozesses in einem engen Dialog mit der EU.

    Warum ist der ADAC trotz eines Angebotes im mittleren zweistelligen Millionenbereich außen vor?

    Da der ADAC selbst sein Angebot öffentlich gemacht hat, kann ich hierzu etwas sagen: Wir mussten das Angebot "parken", da der gebotene Kaufpreis zu niedrig war. Es handelt sich dabei ausdrücklich nicht um eine Absage, denn das Gebot kann zu einem späteren Zeitpunkt wieder eine Rolle spielen. Dies wäre etwa dann der Fall, wenn der ADAC ein höheres, konkurrenzfähiges Angebot abgeben würde.

    Was zählt am Ende, der höchste Preis? Oder gibt es gleichrangige Kriterien für den Verkauf?

    Die EU-Kommission fordert die rigorose Beseitigung der Wettbewerbsverzerrung, die durch die möglicherweise zu Unrecht gewährten Beihilfen des Landes entstanden sind. Das setzt zwingend voraus, dass die Vermögenswerte des Nürburgrings einzeln oder gesamt an den oder die besten Bieter verkauft werden. Struktur- oder regionalpolitische Erwägungen dürfen nicht ausschlaggebend sein. Wenn die Wettbewerbsverzerrung nicht durch den EU-konformen Bietprozess beseitigt wird, droht die Stilllegung des Nürburgrings. Das wäre fatal.

    Zeichnet sich eher ein Komplettverkauf oder eine Veräußerung in Teil-Paketen ab?

    Auch dazu kann ich nichts sagen.

    Wie bewerten Sie den Plan eines Bieters, nach einem Zuschlag im Freizeitzentrum am Ring die Abrissbirne kreisen zu lassen?

    Aussagen über mögliche Vorhaben von Bietern kommentiere ich nicht. Entscheidend ist, dass der Nürburgring mit seinen legendären Rennstrecken erhalten bleibt, der Geschäftsbetrieb erfolgreich fortgeführt, und die Arbeitsplätze gesichert werden. Das ist unser Ziel, und dafür setzen Jens Lieser und ich uns ein. Nach den uns vorliegenden Angeboten wollen die Interessenten die Rennstrecken und ihre bisherige Nutzung erhalten und den Ring durch Folgeinvestitionen, durch Zusatzgeschäfte oder neue Konzepte strategisch langfristig weiterentwickeln.

    Wer entscheidet denn am Ende, wer den Zuschlag erhält? Sie und Herr Lieser? Die EU? Das Land als größter Gläubiger der insolventen Nürburgring GmbH?

    Herr Lieser und ich entscheiden nach eingehender Prüfung der verbindlichen Angebote, mit wem wir in Verkaufsverhandlungen treten. Die Entscheidungen über die Veräußerung der Vermögenswerte stehen unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Gläubigerausschusses.

    Wann wird es einen oder mehrere neue Besitzer geben?

    Wir gehen bislang davon aus, dass wir innerhalb des ersten Quartals 2014 einen Abschluss erzielen werden.

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