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    KoblenzHochwasser am Mittelrhein: Bürger sind schlecht vorbereitet

    Zwar blieb das Mittelrheintal 2013 in weiten Teilen vom Hochwasser verschont, doch bleibt nach der Juni-Katastrophe an Donau und Elbe auch bei uns eine Frage: Was passiert, wenn bei extremen Pegelständen die Schutzvorrichtungen nicht mehr funktionieren?

    Das überflutete Neuendorfer Rheinufer am 16. Januar 2011. Es gibt keine Garantie, dass sich dieser Anblick nicht wiederholt.
    Das überflutete Neuendorfer Rheinufer am 16. Januar 2011. Es gibt keine Garantie, dass sich dieser Anblick nicht wiederholt.
    Foto: dpa/Frey

    Viele Koblenzer werden sich noch gut an den 23. Dezember 1993 erinnern. Damals wurde mit 9,49 Metern der höchste Wasserstand seit 200 Jahren gemessen. Wären die Fluten weiter gestiegen, hätte das auch dramatische Folgen für die Trinkwasserversorgung und die Abwasserreinigung gehabt. Und als am 30. Januar 1995 stolze 9,22 Meter gemessen wurden, mussten auch die größten Optimisten zugeben, dass es nicht nur alle 75 bis 100 Jahre zu solchen Extremen kommt.

    Um auf Ausnahmesituationen besser vorbereitet zu sein, wollen die Kommunen im Land intensiver zusammenarbeiten. Wie das künftig funktionieren soll, erklärten Vertreter des Informations- und Beratungszentrums Hochwasservorsorge Rheinland-Pfalz (IBH) am Mittwoch in Koblenz am Beispiel der Hochwasser-gebeutelten Stadt.

    Was geschieht, wenn in Koblenz Pegelstände von zehn, elf oder gar zwölf Metern gemessen werden? Experten im Mainzer Umweltministerium spielen schon lange solche Szenarien durch. Eine Konsequenz war die Gründung des IBH, das organisatorisch an den Gemeinde- und Städtebund Rheinland-Pfalz angedockt ist. Die Mitarbeiter beraten Kommunen und wollen die Bürgermeister an einen Tisch bringen. Instrument sind auch die Hochwasser-Patenschaften Nord und Süd. Den Vorsitz über den nördlichen Abschnitt, der von Koblenz bis zur nordrhein-westfälischen Landesgrenze reicht, hat die Stadtverwaltung Koblenz übernommen.

    Fakt ist aber auch, dass nicht alle Kommunen mitmachen – und das, obwohl es konkrete Maßnahmen gibt.

    Dazu gehört zum Beispiel die exakte Kartierung von möglichen Auswirkungen der Extrempegelstände. Diese wiederum beeinflussen die Bauleitplanung. Das heißt: In gefährdeten Gebieten darf nicht ohne Weiteres gebaut werden.

    Ein anderer Punkt ist die Planung von Hochwasserschutzmaßnahmen, wobei Martin Prümm auf einen Vorteil der heimischen Kommunen hinwies: Für sie übernimmt das Land mindestens 90 Prozent der Kosten.

    „Allerdings würde das Hochwasserschutzsystem für Ehrenbreitstein heute so nicht mehr genehmigt“, schränkte der Koblenzer Baudezernent ein. Denn zum einen werden Aufwand und Nutzen heute strenger bewertet, zum anderen gibt es da noch das Problem für die Ausgleichsflächen.

    In der Praxis heißt das: Ist der Ehrenbreitsteiner Schutz noch für ein 100-jähriges Hochwasser (10,17 Meter) ausgelegt, sind die Lützeler, Neuendorfer und Wallersheimer nur bis 8,75 Meter geschützt. Alles andere wäre weder finanziell noch ästhetisch sinnvoll gewesen. Das bedeutet auch, dass sich die Bürger zu Unrecht in völliger Sicherheit wiegen. „Die Bevölkerung vergisst, dass permanente Gefahr da ist“, mahnten Ralf Schernikau vom Umweltministerium und Barbara Manthe-Romberg (IBH).

    Und nicht nur das. Rechtlich ist es so, dass jeder Betroffene seine Schäden selbst bezahlen muss. Ein Anspruch auf staatliche Leistungen besteht nicht. Auch diejenigen, die eine Versicherung gegen Elementarschäden haben, erhalten kein Geld, wenn sie fahrlässig gehandelt haben.

    Information ist deshalb Trumpf – zum Beispiel darüber, wie Ölheizungen vor den Fluten geschützt werden können. Aufklärung funktioniert aber nicht aus der Entfernung, sondern direkt in den Stadtteilen. Daher sollen die neuen Netzwerke auch die Amtsleiter einbeziehen.

    Reinhard Kallenbach

    Rückblick in Bildern und Infos: das letzte Hochwasser in Koblenz
    Rheinland-Pfalz
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