40.000
  • Startseite
  • » Region
  • » Hilfe für Obdachlose: Städte stellen mehr Schlafplätze bereit
  • Aus unserem Archiv

    MainzHilfe für Obdachlose: Städte stellen mehr Schlafplätze bereit

    Wer kein Dach über dem Kopf hat, für den sind frostige Winternächte eine Herausforderung. Viele Städte in Rheinland-Pfalz stocken deswegen in der kalten Jahreszeit ihre Hilfen für Wohnungslose auf.

    Thaddäusheim Mainz
    Wegen der Kälte bereitgestellte Betten.
    Foto: Fredrik von Erichsen/Archiv - DPA

    In Koblenz und Mainz verteilt ein «Kältebus» Decken und warme Getränke, in Bingen öffnet ein Tagescafé auch an Weihnachten die Tür. Oft bieten kirchliche Einrichtungen kostenlose Betten an. Die meisten Unterkünfte sind zwar ausgelastet, der Platz reicht in der Regel aber für alle.

    Dennoch kritisiert der Sozialpädagoge und Mediziner Gerhard Trabert, es fehle ein Konzept zwischen Land und Kommunen. Flüchteten die einen vor Verantwortung, müssten die anderen die Betreuung stemmen. Trabert versorgt mit einem Arztmobil Wohnungslose in Mainz und Bingen. «In der Kälte kann schon ein banaler Infekt gefährlich werden», sagt er. Wer zudem Alkohol trinke, fühle sich zwar wärmer, die Gefahr von Erfrierungen steige aber. In diesem Jahr hat Trabert bereits Schlafsäcke und Iso-Matten verteilt, in der kommenden Woche wolle er auch nachts wieder unterwegs sein.

    Der Mediziner fordert außerdem mehr Übernachtungsmöglichkeiten, in denen Hunde erlaubt sind. Viele Menschen wollten sich von ihren Begleitern nicht trennen und blieben den Einrichtungen stattdessen lieber fern. Zudem fehlten Unterkünfte für wohnungslose Frauen. Helfen könnten auch Bürger: Wer einen obdachlosen Menschen sieht, solle ihn ansprechen, wünscht sich Trabert. Im Notfall seien dann der Rettungsdienst oder die Polizei zuständig, um zu helfen.

    In Koblenz achteten Ordnungsamt und Polizei im Winter besonders auf Wohnungslose und wiesen sie gegebenenfalls auf Hilfsangebote hin, teilt Stadtsprecher Thomas Knaak mit. Die ohnehin schwierige Situation der Obdachlosen verschärfe sich mit dem kalten Wetter.

    Übernachtungsmöglichkeiten gibt es in der Rhein-Mosel-Stadt etwa beim Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt. Die Beratungsstelle für Menschen ohne Wohnung des Caritasverbandes bietet ein Café, eine Kleiderkammer und Sanitärräume. Der Obdachlosen-Hilfsverein «Die Schachtel» hält Aufenthaltsräume offen und nimmt auf den Straßen gezielt Kontakt zu wohnungslosen Menschen auf. Bei frostigen Temperaturen ist zudem ein Kältebus mit warmen Getränken, Decken und Kleidung unterwegs.

    Die Übernachtungsplätze seien in dieser Jahreszeit begehrter als sonst, sagt Knaak. «Allerdings ist es lange her, dass es zu einer Überbelegung kam und ein beheizbares Zelt aufstellt worden ist.» Nach Angaben des Vereins «Die Schachtel» gibt es in Koblenz rund 180 bekannte Obdachlose, die Dunkelziffer sei aber viel höher.

    Auch in Neuwied sind im Winter mehr Bedürftige auf Hilfe angewiesen. In den vergangenen Jahren sei dabei die Obdachlosenzahl in etwa gleichgeblieben, sagt der Stadtsprecher Erhard Jung. Sparzwänge der Kommunen machten sich zwar bemerkbar, es sei aber eine Pflicht, Obdachlose unterzubringen, betont er. Deswegen stelle die stadteigene Siedlungsgesellschaft Wohnraum zur Verfügung.

    Die Stadt Mainz bot Obdachlosen im vergangenen Jahr insgesamt rund 220 Plätze in mindestens drei Häusern. An dieser Situation habe sich «so gut wie nichts geändert», sagt Sprecher Markus Biagioni. In den vergangenen Jahren habe es keine Engpässe bei der Unterbringung gegeben. Dafür sorgten vor allem Caritas und Evangelische Wohnungslosenhilfe mit ihren Einrichtungen, in denen Obdachlose stationär wie auch ambulant betreut werden.

    Es bleibe aber abzuwarten, ob der Winter ähnlich mild wie der vergangene werde, gibt Biagioni zu Bedenken. Wie jeden Winter wurden auch diesmal mobile Schlafcontainer aufgestellt. Unterschlupf suchende Obdachlose würden in Mainz auch in Parkhäusern geduldet, solange sich niemand belästigt fühle.

    In Bingen bietet der Caritas-Verband in einer Herberge Platz für 15 bis 18 Obdachlose. Die Unterkunft sei im Winter zwar oft ausgelastet, die Plätze reichten aber aus, sagt Bernhard Habig von der Stadtverwaltung. «Wenn Not am Mann wäre, würde die Unterkunft noch ein paar Betten aufstellen.» Die Herberge sei rund um die Uhr besetzt, in einem Tagescafé könnten sich die Menschen aufwärmen. Zudem böten Sozialpädagogen Hilfe an, wenn jemand nicht weiter auf der Straße leben will.

    Mit der Hilfe vieler Ehrenamtlicher sei das Tagescafé in den vergangenen Jahren sogar an den Weihnachtstagen offen gewesen, sagt Habig. Die Obdachlosen dürften maximal eine Woche in dem Caritas-Haus bleiben. Sie seien aber ohnehin oft auf Wanderschaft und wollten nicht länger unterkommen.

    Habig kritisiert, dass es zwischen Bingen und Koblenz keine weitere Unterkunft mehr gebe: «Wenn alle Kommunen geschlossen zusammenarbeiten würden, könnten alle Obdachlosen unterkommen».

    Das Caritas-Förderzentrum St. Christophorus in KAISERSLAUTERN ist das ganze Jahr über voll belegt, egal ob Sommer oder Winter, wie die Sozialpädagogin Ursula Jörg mitteilt. «Die Anzahl der Bedürftigen steigt seit Jahren und in der Zukunft sicher noch mehr.» Das Haus ist die einzige Einrichtung der stationären Wohnungslosenhilfe der Stadt.

    In Ludwigshafen hat sich das Angebot im Vergleich zu den vergangenen Jahren nicht verändert, erklärt eine Sprecherin der Stadt. Unfreiwillig Obdachlose würden in städtische Notunterkünfte eingewiesen, dies betreffe etwa Menschen, die nach einer Räumungsklage auf der Straße ständen. Wer freiwillig auf der Straße lebe, der käme im Caritas-Übernachtungsheim St. Martin unter.

    Die Stadt Ingelheim zählt täglich zwischen drei und fünf Obdachlose, wie Edgar Daudistel von der Stadtverwaltung mitteilt. Die Zahl habe in den vergangenen Jahren abgenommen. «Ehrenamtlich wird einmal in der Woche im Winter eine Unterkunft zur Verfügung gestellt zum Aufwärmen.» Dort würden Spenden wie Decken und Schlafsäcke verteilt. Eine Übernachtungsmöglichkeit gebe es nicht.

    Rheinland-Pfalz
    Meistgelesene Artikel
    epaper-startseite
    Anzeige
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Das Wetter in der Region
    Freitag

    14°C - 25°C
    Samstag

    12°C - 21°C
    Sonntag

    12°C - 21°C
    Montag

    15°C - 24°C

    Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

    Anzeige
    Anzeige
    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!