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  • Schäden Landwirte kämpfen mit Fackeln, Hubschraubern und mehr gegen Eiseskälte

    Frost bringt Frust: Bauern eiskalt erwischt

    Rheinland-Pfalz. Kälteschock für Bauern und Winzer in Rheinland-Pfalz: Nachtfrost mit Werten von bis zu minus zehn Grad hat den blühenden Kulturen stellenweise schwer zugesetzt. „Dass es Schäden gegeben hat, ist sicher“, sagt der Sprecher des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd, Andreas Köhr. Das Ausmaß lässt sich aber erst in ein bis zwei Tagen abschätzen. „Erst dann erkennt man alle Triebe, die geschädigt sind“. Erste Rückmeldungen zu braunen Obstblüten und Austrieben an Reben gibt es bereits.

    Sieht schlimm aus, ist es aber nicht. Viele Obstbauern haben, wie hier im Kreis Ahrweiler, die Blüten ihrer Apfelbäume mit Wasser besprüht: Das Eismäntelchen schützt die empfindlichen Blüten vorm Erfrieren. Foto: Horst Bach
    Sieht schlimm aus, ist es aber nicht. Viele Obstbauern haben, wie hier im Kreis Ahrweiler, die Blüten ihrer Apfelbäume mit Wasser besprüht: Das Eismäntelchen schützt die empfindlichen Blüten vorm Erfrieren.
    Foto: Horst Bach

    Auch im Norden des Landes wird mit Ausfällen gerechnet. „Alle Fakten sprechen dafür, dass es enorme Schäden gegeben hat“, sagte der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Obstbau des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau, Norbert Schäfer. Problematisch war laut ihm vor allem, dass der Frost über viele Stunden – von Mitternacht bis acht Uhr morgens – angehalten hat.

    Die Temperaturen lagen überwiegend zwischen minus einem und minus fünf Grad. Es ging aber noch kälter: So wurden in Blankenrath (Kreis Cochem-Zell) minus sechs Grad gemessen, in Idar-Oberstein (Kreis Birkenfeld), Wahlbach (Rhein-Hunsrück-Kreis) und im saarländischen Perl-Nennig fünf Zentimeter über dem Boden gar minus zehn Grad.

    Der nächtliche Frost trifft die Bauern zur Unzeit. Denn wegen des warmen Märzwetters blüht es bereits vielerorts, und das birgt Risiken: Wenn die Blüten erfrieren, gibt es keine Früchte. Doch die Bauern können auf Tricks zurückgreifen, um ihr kostbares Gut zu schützen. „Profis wissen das und haben mit Sicherheit Maßnahmen ergriffen“, sagt der Sprecher des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau in Koblenz, Herbert Netter. Viele Obstbauern beregnen ihre Bäume, damit ein Eispanzer die Blüten schützt. Für eine gewisse Abhilfe können auch Folien oder Vliese sorgen, die sonst als Schutz vor Hagel oder zur Regulation der Wärme eingesetzt würden. Mitunter hilft auch die Natur selbst – etwa wenn Wolken aufziehen und es wärmer wird. Bitter wird es für diejenigen werden, die nicht vorgesorgt haben. „Wer das nicht gemacht hat, hat Schäden – definitiv“, sagte Netter. Dort werde es Ertragseinbußen geben.

    Auch die Winzer wissen sich gegen die Eiseskälte zu helfen. Nach Köhrs Angaben flogen am Donnerstagmorgen stellenweise Hubschrauber über die Weinberge, um die Luftschichten zu „verwirbeln“ und die aufgestiegene warme Luft nach unten zu bringen. In Duttweiler in der Pfalz übernehmen stationäre Windräder diese Aufgabe. Mancherorts setzen Winzer auch auf sogenannte Frostschutzfackeln. Das hatte unter anderem zwischen Norheim und Traisen (Kreis Bad Kreuznach) kuriose Folgen: Hier wurde die Feuerwehr am frühen Donnerstagmorgen zwischen 2 und 4.15 Uhr zu einem vermeintlichen Flächenbrand gerufen – in Wirklichkeit loderten dort allerdings nur die wärmenden Fackeln.

    Den in der Frostnacht entstandenen Schaden zu beziffern, ist aller Wahrscheinlichkeit nach nicht möglich, sagt Köhr. Denn wie sich der Frost auswirkt, ist regional unterschiedlich. Ausschlaggebend ist beispielsweise, wie weit ein Weinberg in der Entwicklung ist oder ob ein Obstbaum schon verblüht ist. Vor allem im Norden des Landes kann es nach Einschätzung des Obstexperten Schäfer problematisch für alles werden, was in Bodennähe ist, zum Beispiel Gemüse, aber auch Erdbeeren oder Kartoffeln. In Dieblich (Kreis Mayen-Koblenz) an der Mosel sei es 20 Zentimeter über dem Boden minus sieben Grad kalt gewesen, in zwei Metern Höhe seien noch minus 4,7 Grad gemessen worden. Er gab zu bedenken, dass viele Obstbäume heute nur noch bis zu 2,50 Meter groß sind. Gedanken machen sich manche Bauern auch um den Grünspargel. Die Pflanze, die im Gegensatz zum weißen Spargel über der Erde wächst, verträgt keine Minusgrade.

    Ein weiteres Problem der kalten Witterung: Bienen schwirren erst ab einer Außentemperatur von etwa 10 Grad. Da es den nützlichen Insekten also derzeit zu kalt ist, wird unter Umständen nicht ausreichend bestäubt. Die Arbeit übernehmen derzeit, wenn überhaupt, die kälteresistenteren Hummeln.

    Die einzig gute Nachricht für die Bauern: Es soll milder werden. Für die Nacht zum Samstag rechnet der Deutsche Wetterdienst mit sieben bis drei Grad. Bis zu den Eisheiligen im Mai besteht aber weiterhin die Gefahr von Nachtfrösten, sagt Köhr. „Die Landwirte sind jetzt in erhöhter Alarmbereitschaft. Manche finden nur wenig Schlaf.“

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