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  • E-Auto-Alltagstest: Begeisterung reicht über die Reichweite hinaus

    Koblenz. Vielleicht sollten die Autohersteller mehr Testfahrten im hügeligen RZ-Land einplanen. Diese Empfehlung sprachen die Testfahrer unseres Elektroauto-Versuchs aus, als sie am Montag ihre Fahrzeuge im Volkswagen-Zentrum zurückgaben. Ausnahmslos alle waren von den Fahreigenschaften der Testwagen begeistert - aber die Alltagstauglichkeit hat noch ihre Grenzen.

    Zwei Wochen lang waren die Tester elektrisch in unserer Region unterwegs. VW hatte dafür zwei E-Golf und drei E-Up zur Verfügung gestellt.
    Zwei Wochen lang waren die Tester elektrisch in unserer Region unterwegs. VW hatte dafür zwei E-Golf und drei E-Up zur Verfügung gestellt.
    Foto: Jochen Magnus

    Von unserem Redakteur Jochen Magnus

    Uwe Pfeifer aus Betzdorf brachte es auf den Punkt: "Super auf Kurzstrecken. Kam auch bei meinen Kindern (17 und 20) gut an. Aber für längere Strecken kann man gleich eine Übernachtung buchen", meinte er ironisch und spielte auf den 90-Kilometer-Familienausflug im E-Up nach Köln an. Wegen der uneinheitlichen Abrechnungssysteme an den Ladestationen musste der Wagen bei einem Kölner VW-Händler übernachten.

    Noch ein Stück weiter von Koblenz nach Hause hatte es Tester Harald Skär aus Bärweiler im Hunsrück. Ihn erinnert E-Autofahren ein bisschen an den Wilden Westen: "Da musste man nach der Tour auch erst mal sein Pferd füttern und tränken." Bereits am ersten Testtag musste Skär an einer normalen Tankstelle um Strom "betteln", nachdem eine Autobahn-Ladesäule seine Lade-Chipkarte nicht akzeptiert hatte. Skär ärgert sich über die vielen verschiedenen Abrechnungssysteme und darüber, dass es keinen Service für die Ladesäulen gibt.

    Stephan Allmeroth fragte, warum nicht die VW-Händler mit Schnellladestationen ausgerüstet würden. Motorjournalist Günter Weigel von der Agentur SP-X, die unsere Aktion mitorganisiert hatte, wies darauf hin, dass die deutschen Autohersteller BMW, Mercedes und die VW-Konzerngruppe sich im Rahmen des "Bundesförderprogramms Ladeinfrastruktur" an einem gemeinsamen Ladenetz beteiligen wollen. Aber das ist noch Zukunftsmusik.

    Lieber Gleich- als Wechselstrom

    "Noch sind wir in der Phase des Markthochlaufs", sagte Ruth Holling von der VW-Presseabteilung: "Die Infrastruktur ähnelt noch der von Gastankstellen." Die Fachfrau spricht die hohen Investitionskosten der Ladestationen an und die Schwierigkeiten für Anbieter, diese wirtschaftlich zu betreiben. Ein Problem, so Holling, ist dabei die lange Standzeit der Autos an den Stationen. Es wird dadurch verschärft, dass viele E-Autos, darunter auch die beiden getesteten VW-Modelle, an den verbreiteten Wechselstrom-Ladesäulen (AC) nur einen Teil der möglichen Leistung aufnehmen können. Denn VW setzt stattdessen auf die echten Expressladestationen, die Gleichstrom (DC) abgeben und den Einbau zusätzlicher, teurer Ladeelektrik in die Fahrzeuge vermeiden, erklärt die Fachfrau. "Mit DC-Laden können die E-Fahrzeuge in 30 Minuten zu 80 Prozent aufgeladen werden." Gemeinsam mit der deutschen Automobilindustrie unterstützt VW deswegen den Aufbau der Schnellladeinfrastruktur entlang wichtiger Verkehrsachsen seit Herbst 2015. Bisher sind die DC-Säulen rar, in unserer Region gibt es sie in Koblenz und Neuwied - unsere Tester hatten keine davon benutzt.

    Wie lange halten die Akkus?

    Testfahrer Michael Fein aus Niederahr würde den Test gern noch zweimal wiederholen: Im tiefsten Winter und in ein paar Jahren mit gealterten Akkus im Fahrzeug. Zumindest Letzteres sei kein Problem, versichert Fachmann Weigel: Zehn Jahre Haltbarkeit seien gegeben und anschließend noch eine jahrelange sinnvolle Weiterverwendung zum Beispiel als Strompuffer im Haushalt.

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    Falls 2030 keine Autos mit Verbrennungsmotoren mehr zugelassen werden sollen, wie es der Bundesrat plant, komme es zu einem "Riesen-Innovationsschub", mutmaßt Pfarrer Peter Stursberg aus Koblenz, der einen E-Up Probe fuhr. Kann man sich dann überhaupt ein Elektrofahrzeug kaufen, wenn die Fortentwicklung es rasch im Wert verfallen lässt? Immerhin gibt es einen neuen E-Golf mit 50 Prozent mehr Reichweite schon im kommenden Frühjahr, und das Elektrofahrzeug I.D. soll ab 2020 bis zu 600 Kilometer weit fahren können. Auch die Konkurrenz schläft nicht und bringt in Kürze reichweitenstarke Fahrzeuge auf den Markt wie zum Beispiel den neuen Opel Ampera-e oder den BMW i3.

    Mieten statt kaufen

    Leihen oder mieten statt kaufen, antwortet der Vertriebsleiter für Neuwagen des Volkswagenzentrums, Ralf Fondel. Er erwartet, dass es in Zukunft weniger Eigentum an den E-Autos geben wird, sondern dass Fahrleistungen gezielt gemietet werden. Ein Trend, der im gewerblichen Bereich schon Alltag geworden ist.

    China führt E-Quote ein und setzt Hersteller unter Druck

    In Chinas Großstädten kann man oft kaum atmen, so sehr ist die Luft von Abgasen verpestet. In einigen Metropolen werden Kfz-Zulassungen sogar verlost. China hat nun ein System vorgestellt, nach dem Autohersteller schon bald Kreditpunkte für E-Autos sammeln oder Strafen zahlen müssen, um weiter konventionelle Fahrzeuge verkaufen zu dürfen. Die Quote wird jährlich gesteigert. Für die deutschen Hersteller erhöht das den Druck, elektrische Modelle in China zu verkaufen: So wird jeder zweite VW in China verkauft. Nicht nur der Umweltschutz, sondern auch ein Hintergedanke treibt die Chinesen an: die eigene, bisher nur mäßig erfolgreiche Autoindustrie elektrisch - quasi "rechts" - überholen zu lassen. 

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