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  • Die Sendung von dem Mauss: CDU erhielt insgesamt 82.000 Euro

    Rheinland-Pfalz. Dubiose Spenden an die CDU? Diese Steilvorlage lässt sich die SPD natürlich nicht entgehen. "Julia Klöckner zeigt derzeit ein untypisch gering ausgeprägtes Mitteilungsbedürfnis", meinte der sozialdemokratische Fraktionschef Alexander Schweitzer im Mainzer Abgeordnetenhaus.

    Hauptverhandlung gegen Ex-Agent Werner Mauss
    Ex-Agent Werner Mauss (l) steht zum Prozessauftakt im Verhandlungssaal des Bochumer Landgerichts.
    Foto: Ina Fassbender - dpa

    Von unserem Redakteur Dietmar Brück

    Eine gewisse Genugtuung über die fragwürdigen Vorgänge um den ehemaligen Geheimagenten Werner Mauss konnte er nicht verhehlen. Schließlich befand sich die SPD wochenlang aufgrund der Verkaufspleite am Flughafen Hahn in der Defensive. Jetzt wittert sie Morgenluft. Alle Ampelfraktionen verlangen Aufklärung, auch von Klöckner selbst.

    Zwischen 2008 und 2014 hat die CDU in neun Fällen Geld aus dubioser Quelle erhalten. Zweimal war der Landesverband betroffen, siebenmal der Kreisverband Cochem-Zell. Insgesamt ging es um 82.000 Euro. Erkenntnisse der "Allgemeinen Zeitung" decken sich hier weitgehend mit Recherchen unserer Zeitung. Ins Rollen hatte die "Süddeutsche Zeitung" den Fall gebracht. Interessant ist, wie das Geld die CDU erreichte.

    Denn in vier bis fünf von neun Fällen taucht der Name "Nolilane" bei den Überweisungen auf. Was nach einer Hauptfigur eines Fantasyromans klingt, soll in Wirklichkeit eine Stiftung des Ex-Superermittlers Mauss sein, man könnte auch von einer Briefkastenfirma sprechen. Registriert ist das Unternehmen in Panama. All diese Erkenntnisse stammen aus den Enthüllungen der "Panama-Papers", die im April 2016 bekannt wurden. Als Tarnnamen für Mauss werden in diesem Kontext Klaus (oder Claus) Möllner, Werner Möller, Richard Nelson, Alexander Nelson, Horst Faber, Jacques, Dr. Lampe, Otto John, Marlowe und Herbert Rick genannt.

    Mannigfaltige Beziehungen

    Veranlasst wurden die neun Zahlungen offenbar von einer Eisenacher Kanzlei, zu der Franz Otto Hansen gehört. Der Jurist stammt eigentlich aus dem Hunsrück - und ist mit Mauss gut bekannt. Es soll mannigfaltige Beziehungen zwischen beiden Seiten geben. Zum Teil sind diese in der Anklageschrift in dem Verfahren wegen Steuerhinterziehung dokumentiert, dem sich der einstige Meisteragent vor dem Bochumer Landgericht stellen muss. Das jüngste Bild des 76-Jährigen, der sich eine dunkle Kapuze tief in die Stirn zieht, ist fast schon ein Klassiker. Mauss inszeniert sich gern als Mysterium. Er hat aber auch Gründe, sich zu schützen. Zu viele Verbrecher, denen er das Handwerk legte, haben noch eine Rechnung mit ihm offen.

    Zurück zur rheinland-pfälzischen CDU: Offenbar hat der Kreisverband Cochem-Zell sieben Überweisungen erhalten, die möglicherweise aus jener fragwürdigen Quelle stammen: 8000 Euro 2008 (Spender: Birgit Varwig und Franz Otto Hansen), 9000 Euro im Jahr 2009 (gleiche Kennung), 9000 Euro am 12. Oktober 2011 (Spende Nolilane, Spender Varwig/Hansen Rechtsanwaltskanzlei). Am 23. April 2012 flossen dann 9000 Euro (Spende Nolilane, Spender Varwig/Hansen), am 15. Juli 2013 waren es 9500 Euro (Spende Nolilane-Bleser oder Wahlkampf Peter Bleser, Spender wieder Varwig/Hansen). Der CDU-Bundesagrarstaatssekretär kandidierte bei der Bundestagswahl am 22. September. Der Wahlkreis des CDU-Landesschatzmeisters liegt in der Region.

    Immer wieder Nolilane

    Schließlich gingen am 24. Februar 2014 bei der CDU Cochem-Zell 9500 Euro ein (Spende Mandant, Spender Varwig/Hansen). Am 13. März 2015 wurden 9500 Euro verzeichnet (wieder Spende Nolilane, Spender hier: Jörg Hansen). Hinzu kommen die zwei Spenden an den CDU-Landesverband 2010, Gesamtsumme: 18.500 Euro.

    CDU-Kreischefin Anke Beilstein bat Anwalt Franz Otto Hansen in einem Brief am späten Nachmittag die Zahlungen öffentlich machen zu dürfen. Da sie jeweils unter 10.000 Euro liegen, herrscht Zustimmungspflicht des Spenders.

    Hansen soll übrigens 2004 dokumentiert haben, dass ein Unterkonto (Nummer 06096396) für die Nolilane N. V. bei der Dresdner Bank in Koblenz eingerichtet wurde. Besagter Anwalt muss schon viele Jahre mit der Causa Mauss vertraut sein. Ex-Kanzleramtsminister Bernd Schmidbauer (CDU) soll ihm etwa im November 1999 mitgeteilt haben, dass der Ex-Agent aufgrund seines Engagements im kolumbianischen Friedensprozess "nach wie vor gefährdet ist". Mauss lebt gut gesichert in einem kleinen Ort im Hunsrück.

    An Fragen bleibt, ob eine Hunsrück-Verbandsgemeinde Tarnidentitäten für Mauss ausstellte. Laut NDR geschah dies noch im Mai 2014 (Deckname Claus Möllner), als die Geheimdienstlegende längst nicht mehr in offizieller Mission unterwegs war. Und die SPD will wissen, was einst im Reitstall von Werner Mauss zwischen ihm, Bleser und Klöckner besprochen wurde.

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