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    Der RZ-Gerüchtecheck: 35 Gerüchte aus der Region – und was davon stimmt

    Tag für Tag sammeln sich in der Region Gerüchte, meist über angebliche Vorfälle mit Flüchtlingen. Die Rhein-Zeitung macht den Gerüchtecheck – und hat in den vergangenen Wochen 35 angebliche und vermeintliche Vorfälle überprüft. Was wird kolportiert, was stimmt? Eine Übersicht. 

    Flüchtlinge ziehen durch Supermärkte in der Hunsrückgemeinde Büchenbeuren und pinkeln einfach in die Obstauslage. Im Westerwald reißen Flüchtlingsfrauen im Drogeriemarkt Kosmetikpackungen auf und probieren Schminke aus. Und im Kreis Birkenfeld sind Flüchtlinge für den Ausbruch der Schweinegrippe verantwortlich. Seit einiger Zeit verbreiten sich Geschichten wie diese explosionsartig vor allem im Internet. Wahr sind sie in den allermeisten Fällen nicht. Es sind Gerüchte.

    Damit Menschen sie glauben und weiterverbreiten, braucht es wenig, sagt Matthias Kohring, Professor für Medien- und Kommunikationswissenschaften an der Universität Mannheim. Er erforscht Gerüchte. „Nötig ist lediglich eine gewisse Anfangsplausibilität, also die Geschichte muss grundsätzlich vorstellbar sein“, erläutert der Wissenschaftler. Insbesondere in Krisenzeiten verbreiteten sich Gerüchte dann sehr schnell. Und als eine Krise empfänden viele Menschen die aktuelle Situation in Deutschland, sagt Kohring: „Gerüchte haben die soziale Funktion, dass sie Gemeinschaft herstellen.“

    Vor allem dann, wenn sie von vielen geteilt werden. Das heißt: Wenn Menschen ihre Lebenssituation als unüberschaubar und sehr verunsichernd empfinden, suchen sie nach Wegen, für sich wieder Klarheit herzustellen. Erscheint ihnen eine Situation zu kompliziert und überfordernd, deuten Menschen sie um, damit sie wieder zwischen „richtig“ und „falsch“, zwischen „wir“ und „den anderen“ unterscheiden können.

    Fatale Vereinfachung

    Langlebige Gerüchte sind so vage formuliert, dass sie nicht oder nur sehr schwer überprüfbar sind – und immer wieder in neuen Varianten erzählt werden können. „Diese fatale Vereinfachung einer komplizierten Situation gibt vielen Menschen Sicherheit, und so sind sie bereit, unbewiesene Behauptungen weiterzuverbreiten“, erklärt Kohring. Jeder Fall, der sich als wahr herausstellt, wird zur Legitimation auch aller anderen gestreuten Gerüchte.

    Matthias Kohring, Professor für Medien- und Kommunikationswissenschaften an der Universität MannheimMatthias Kohring, Professor für Medien- und Kommunikationswissenschaften an der Universität Mannheim

    Soziale Medien wie etwa Facebook haben dabei nicht das Wesen der Gerüchte verändert, hält der Medienwissenschaftler fest. „Die Funktion ist dieselbe wie vor einigen hundert Jahren.“ Aber Gerüchte und nicht überprüfte Meldungen verbreiten sich heute sehr viel schneller – und ausmerzen, sagt Kohring, kann man sie nicht. Die Medien können sie deshalb auch nicht einfach ignorieren. „Wer schweigt, erzeugt erst recht den Eindruck, dass etwas nicht stimmt“, sagt Kohring. Journalisten sollten deshalb über solche Meldungen berichten – und zeigen, wie Gerüchte funktionieren und welche fatale Wirkung sie haben können.

    Auch unsere Redaktion erreichen wöchentlich immer neue Gerüchte. Wir haben sie in den vergangenen Wochen und Monaten überprüft. Das Ergebnis präsentieren wir Ihnen in der Grafik oben.

    ank/epd/ili/msc/RZ

     

    Wie Polizei und Staatsanwaltschaft mit Gerüchten umgehen

    Gerüchte machen Arbeit. Nicht nur Journalisten, wenn sie ihnen auf den Grund gehen wollen. Sondern auch der Polizei und den Staatsanwaltschaften. Sie müssen Hinweisen nachgehen, wenn zureichende tatsächliche Anhaltspunkte für eine Straftat vorliegen. Wir haben darüber mit Claudia Müller, Sprecherin des Polizeipräsidiums Koblenz, gesprochen: 

    Die Fragen stellte Angela Kauer

    Mitschnitt RPR 1 GerüchtecheckRZ-Gerüchtecheck: Radio-Interview mit unserer Nachrichtenchefin
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