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  • Das Mitmach-Internet fordert Traditionsmedien heraus

    Rheinland-Pfalz - Was ist journalistische Qualität im Web 2.0? Die Enquete-Kommission des Landtags diskutierte mit Experten. Zum Frühstück die Zeitung, tagsüber die neuesten Nachrichten aus dem Internet, und abends wird jeder sein eigener Online-Publizist. "Twitter"-Botschaften flattern zur Fangemeinde, man trifft sich in "Facebook" virtuell mit Freunden oder sucht mit langen Texten ("Blogs") seine Leser im weltweiten Netz. Das "Web 2.0" oder auch Mitmach-Internet wälzt unsere Medienlandschaft um - und wirft die Frage auf: Was bedeutet hier Qualität?

    Rheinland-Pfalz - Was ist journalistische Qualität im Web 2.0? Die Enquete-Kommission des Landtags diskutierte mit Experten.

     

    Zum Frühstück die Zeitung, tagsüber die neuesten Nachrichten aus dem Internet, und abends wird jeder sein eigener Online-Publizist. "Twitter"-Botschaften flattern zur Fangemeinde, man trifft sich in "Facebook" virtuell mit Freunden oder sucht mit langen Texten ("Blogs") seine Leser im weltweiten Netz. Das "Web 2.0" oder auch Mitmach-Internet wälzt unsere Medienlandschaft um - und wirft die Frage auf: Was bedeutet hier Qualität? Die Enquete-Kommission des Landtags zur "Verantwortung in der medialen Welt" lud Experten ein und bekam unterschiedliche Antworten.

    Mit Lust an der Provokation bürstet Thomas Knüwer, nach 14 Jahren beim "Handelsblatt" heute Unternehmensberater und Online-Journalist, Vorurteile gegen den Strich: Das Internet sei kein Sumpf aus Raubkopien und Killerspielen, die leichtere Verteilbarkeit von Kinderpornos habe auch nicht zu mehr Straftaten an Kindern geführt. Und was die journalistische Qualität im Netz betrifft: Schon in den herkömmlichen Medien "hat 80 bis 90 Prozent nichts mit dem zu tun, was wir unter Qualitätsjournalismus verstehen".

    So sei es auch im Internet. Nur mit dem Unterschied, dass dort auch publizistische Laien mit Fachwissen glänzen und so "von den Rändern her" neue Themen setzen können. Web 2.0 fordere die traditionellen Medien he-raus, überhole sie mitunter gar: "Ohne Twitter und

    Facebook hätten wir von der Opposition im Iran viel weniger erfahren."

    Deutlich skeptischer ist Michael Konken, der Vorsitzende des Deutschen Journalistenverbandes: Im Netz tummeln sich viele Hobbyjournalisten und Öffentlichkeitsarbeiter, die ohne Bindung an Qualitätsmerkmale - wie Gründlichkeit in der Recherche, Wahrheitstreue und Objektivität - weniger informieren als beeinflussen wollen. "Durch Web 2.0 hat der Journalist seine Stellung als bewertende Instanz verloren", sorgt sich Konken. Zudem hätten sich in den Medienhäusern aufgrund des wirtschaftlichen Drucks die Rahmenbedingungen für Qualitätsjournalismus verschlechtert. Nachholbedarf sieht Konken in der Medienbildung: Die Schule müsse vermitteln, wie "seriöse von unseriösen" Informationen zu unterscheiden sind.

    "Es gibt Medienhäuser, die sich der Herausforderung des Web 2.0 stellen", betont Christian Lindner, Chefredakteur unserer Zeitung. Dass heute jeder am Computer oder mit dem internetfähigen Handy zum Sender von Informationen werden kann, "ist eine hoch spannende, weltweit beginnende Revolution." Die klassischen Medien und ihre tradierten Geschäftsmodelle stehen infrage. Sie müssten bereit sein, sich neu zu erfinden und via Internet mit ihren Lesern in einen Dialog auf Augenhöhe zu treten. Eine Absage an journalistische Qualität sei das keineswegs, im Gegenteil: "Der Inhalt ist König" - ob gedruckt, gebloggt oder gesendet.

    Für das Problem, wie Qualitätsinhalte in der "Gratiskultur" im Internet profitabel werden, hat aber (noch) kein Experte ein Patentrezept. Selbst Online-Profi Knüwer räumt ein: Leben könnte er nicht von seinen Blogs. Doch seine Beratungsfirma laufe ganz gut.   Claudia Renner

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