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  • Bistum in Aufruhr: Kritik am Bischof von Limburg wird immer lauter

    Rhein-Lahn/Limburg - Der Widerstand gegen den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst tritt immer stärker zutage. Geistliche kritisieren offen seine Amtsführung.

    Der Limburger Oberhirte Franz-Peter Tebartz-van Elst. Foto: Sascha Ditscher
    Der Limburger Oberhirte Franz-Peter Tebartz-van Elst.
    Foto: Sascha Ditscher

    Von Hans Georg Egenolf, Alexander Hoffmann und Dieter Fluck

    Im Bistum Limburg gärt es. Der Führungsstil des Limburger Oberhirten Franz-Peter Tebartz-van Elst, mutmaßliche Falschaussagen im Zusammenhang mit einem Luxusflug nach Indien und explodierende Baukosten für den neuen Bischofssitz am Dom rufen in der Diözese mittlerweile offenen Widerstand hervor. In der Mainmetropole wendet sich die Stadtversammlung der Frankfurter Katholiken in einem offenen Brief an Tebartz-van Elst und äußert darin, "dass die Zukunft unseres Bistums in hohem Maße gefährdet ist". Im proppenvollen Limburger Dom soll nach einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) der demnächst als Pfarrer nach Flörsheim wechselnde Kaplan Sascha Jung bei seiner Verabschiedung eine Predigt gehalten haben, für die er am Ende Applaus erhielt. Mit den Luther-Worten "Tritt frisch auf, tu's Maul auf, hör bald auf!" hat Jung demnach bei der Ansprache aus seinem Herzen keine Mördergrube gemacht. Über seine eigene Zeit am Dom sagte der junge Priester laut dem Zeitungsbericht, diese drei Jahre seien bei ihm und anderen dadurch bestimmt gewesen, wie man verhindern könne, dass aus dem Dom "ein Hort klerikaler Eitelkeiten und eine Spielwiese pontifikaler Prachtentfaltung" gemacht werde.

    Das Diözesane Zentrum St. Nikolaus gegenüber dem Dom ist wegen der hohen Kosten ein Punkt, an dem sich die Kritik am Bischof entzündet.
    Das Diözesane Zentrum St. Nikolaus gegenüber dem Dom ist wegen der hohen Kosten ein Punkt, an dem sich die Kritik am Bischof entzündet.
    Foto: Sascha Ditscher

    Auch der im Ruhestand lebende Pfarrer Hubertus Janssen, früher Gefängnisseelsorger in der JVA Diez, befasste sich am Sonntag in seiner Predigt in der Gemeinde St. Lambertus in Runkel-Arfurt mit der Limburger Bistumsleitung. Leider sei es in der katholischen Kirche und besonders auch im Bistum Limburg immer noch so, dass der sogenannte Gehorsam und die sogenannte Loyalität den ersten Platz vor allen anderen Bestimmungen einnähmen, sagte Janssen. Es sei nicht seine Aufgabe, jemanden zum Rücktritt aufzufordern, sagte Janssen. In Abwandlung des berühmten Gorbatschow-Zitats lasse ihn aber das Wort "Wer zu spät geht, den bestraft das Leben" keine Ruhe, und so müsse er zwangsläufig an Papst Benedikt XVI. denken. Der habe verstanden und gezeigt, wie es geht, erklärte Janssen im Blick auf Tebartz-van Elst. Die Gottesdienstbesucher bedankten sich bei Hubertus Janssen mit Applaus.

    Bischof Tebartz-van Elst in seinem neuen Domizil. 
    Bischof Tebartz-van Elst in seinem neuen Domizil. 
    Foto: dpa

    Hintergrund: In einem ZDF-Interview hatte auch Frankfurts Stadtdekan Johannes zu Eltz zum Thema Krisenmanagement Papst Benedikt als Vorbild genannt. Wörtlich sagte zu Eltz: "Benedikt will ich da einmal nennen, als fast unglaubliches Beispiel. Ein Befreiungsschlag. Und wenn im Handeln, auch im Umgang mit dem eigenen Amt, der eigenen Autorität, Freiheit spürbar wird, das ist großartig." Der Bischof habe das als Aufforderung zum Rücktritt verstanden. Laut "Sonntags-FAZ" soll der Stadtdekan Franz-Peter Tebartz-van Elst zudem in einem Vieraugengespräch vorgeschlagen haben, eine siebenjährige Zeit der Besinnung als einfacher Pfarrer einzulegen, um anschließend geläutert auf den Bischofsstuhl zurückzukehren.

    In einer Plenarkonferenz, so interpretiert es Johannes zu Eltz, kam dann die Retourkutsche des Bischofs. Der Frankfurter Stadtdekan seinerseits fühlte sich nun durch Äußerungen des Bischofs zum Rücktritt gedrängt. In einem E-Mail-Verkehr mit Generalvikar Dr. Franz Kaspar, dem auch die Verantwortung für den Bau des umstrittenen Bischofssitzes am Domberg übertragen wurde, schreibt zu Eltz, er habe die Erklärung des Bischofs so verstanden, "dass ich für das Interview am 9. August scharf getadelt und mir der Rücktritt von meinen Ämtern nahegelegt wurde". Das Bistum bestreitet das. In einer Stellungnahme heißt es: "Der Herr Bischof hat im Rahmen der Plenarkonferenz die Frage gestellt, ob jemand, der von ihm in eine besondere Vertrauensposition berufen wurde, diese weiter wahrnehmen kann, wenn er öffentlich die Loyalität, wie sie auch im politischen und gesellschaftlichen Bereich sonst gilt, verletzt."

    Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst entzündet in der Hartenfelser Kirche die Visitationskerze.
    Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst entzündet in der Hartenfelser Kirche die Visitationskerze.

    Auch wenn es nur eine Frage war - man kann die Interpretation des Stadtdekans schon nachvollziehen. An Rücktritt denkt der wackere zu Eltz allerdings nicht, und seine Frankfurter Gemeinde stellt sich hinter ihn. 500 Menschen sollen den offenen Brief bereits am Sonntag nach dem Gottesdienst in der Frankfurter Stadtkirche unterschrieben haben. Nach Angaben von Pressesprecherin Doris Wiese-Gutheil wurde das Schreiben zudem an die anderen Pfarrbüros in Frankfurt, aber auch an weitere Gemeinden im Bistum weitergeleitet. Der Protest gegen die umstrittene Amtsführung des Bischofs droht zum Flächenbrand zu werden.

    Auch Uwe Michler, Pfarrer des Pastoralen Raumes Diez, teilt die Sorge der Frankfurter Stadtversammlung und sieht ebenso, "dass sich die Vertrauenskrise im Bistum immer weiter zuspitzt und die pastorale Arbeit erschwert". Manches in der Medienberichterstattung mag laut Michler auch persönliche Abrechnung mit dem Bischof sein, aber viele Fragen seien durchaus auch berechtigt, ebenso wie manche Kritik. Michler sagt: "Und es ist ja nicht nur die kirchenkritische ,linke Presse' wie der ,Spiegel', sondern es sind zunehmend bürgerlich-konservative Blätter, die den Limburger Leitungs- und Lebensstil kritisieren. Und auch in den Gemeinden engagierte Katholiken beobachten die Situation nach Einschätzung Michlers zunehmend mit Unverständnis und sehen sich immer mehr Rechtfertigungsdruck von außen ausgesetzt. Das sei sehr bedauerlich.

    Aber es gibt auch gemäßigte Stimmen. Pater Peter Egenolf hat im Pastoralen Raum Bad Ems keine große Aufregung wahrgenommen. "Bei uns ist alles relativ ruhig, aber es gibt auch keinen Auslöser wie in Frankfurt", sagt Egenolf. Es gebe im Kreis sicherlich Gläubige, die dem Bischof gegenüber kritischer eingestellt sind, schätzt Egenolf. "Aber Tebartz-van Elst hat auch Befürworter hier", meint er.

    Heinz-Walter Barthenheier, Bezirksdekan aus Montabaur, sieht das Bistum zurzeit in einer schwierigen Situation. "Wir kommen aus dieser Krise meines Erachtens nur heraus, wenn vertrauensbildende Maßnahmen eingeleitet werden, wenn der Bischof auf allen Ebenen einen intensiven und offenen Dialog führt, der auch Folgen hat und eine Vertrauensbasis schafft, die Grundlage sein kann für den weiteren Weg", sagte Barthenheier auf Anfrage unserer Zeitung. Bischof Tebartz-van Elst begegne den Menschen bei Visitationen und anderen Gelegenheiten sehr offen und bemühe sich, Verständnis für Veränderungen und eine neue Struktur der Kirche zu wecken. "Andere seiner Standpunkte und Entscheidungen werden nicht geteilt oder kommen missverständlich an. Auch ich habe in einzelnen Punkten meine Fragen und meine Kritik. Aber sollte es unter Christen nicht möglich sein, sich gegenseitig wieder eine Chance zu geben und einen gemeinsamen Weg zu suchen?", fragt Barthenheier. Der Bischof selbst sieht sich, was den Dialog mit den Gläubigen angeht, auf einem guten Weg, den er weiter verfolgen möchte (siehe Stellungnahme des Bistums).

    Allerdings droht schon neuer Ärger: Nach Recherchen der "FAZ" hätte der Bischof für den Bau des Bischofssitzes eine Genehmigung des Vatikans gebraucht. So habe die Deutsche Bischofskonferenz im Jahr 2002 festgelegt, dass jede Ausgabe von mehr als 5 Millionen Euro dem Genehmigungsvorbehalt Roms unterliegt - andernfalls wäre das entsprechende Rechtsgeschäft nichtig, schreibt das Frankfurter Blatt. Wie mehrfach berichtet, werden die Kosten für das Diözesane Zentrum St. Nikolaus die Summe von gar 10 Millionen Euro weit überschreiten. Es wird nicht einfach werden, das den Katholiken im Bistum Limburg nachvollziehbar zu erklären.

     

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