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    LimburgBischof Tebartz-van Elst: Umstrittener Oberhirte agiert mit Salamitaktik

    Der Sitz des Bischofs von Limburg hat etwa sechmal mehr gekostet als geplant - Nun will er selbst davon überrascht sein.

    Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst
    Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst steht wegen der Kostenexplosion in der Kritik. Rufe nach seinem Rücktritt werden immer lauter.
    Foto: dpa

    Der umstrittene Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst soll angeblich selbst erschrocken sein, als er erfuhr, wie viel seine Residenz kosten wird: 31 Millionen Euro. Seit Jahren muss er sich gegen Vorwürfe der Prunksucht und Verschwendung wehren. Kirchenpolitisch ist der edle Bischofssitz am Limburger Dom völlig aus der Zeit gefallen, seit in Rom der neue Papst Franziskus herrscht, in einem Gästehaus lebt und eine Kirche an der Seite der Armen predigt.

    Eine Kommission der Deutschen Bischofskonferenz muss nun prüfen, ob Tebartz-van Elst so viel Geld ausgeben durfte und wer im Detail noch verantwortlich war. Wenn es bei den derzeit gehandelten Zahlen bleibt, hat die Residenz etwa sechsmal mehr gekostet als geplant. Noch unter Bischof Franz Kamphaus, der schlicht in einer Zweizimmerwohnung lebte, wurde 2004 in Limburg im Grundsatz beschlossen, neu zu bauen. In der Sedisvakanz, der bischofslosen Zeit von Februar 2007 bis Januar 2008, bekräftigte das Domkapitel den Plan.

    Doch erst der neue Oberhirte Tebartz-van Elst konnte die Entscheidung treffen - sie geht also nicht, wie der Bischof oft behauptet, auf seinen Vorgänger zurück. Etwa 5,5 Millionen Euro sollte der Bau kosten. Davon standen 2,5 Millionen Euro aus Kirchensteuern seit 2004 im Haushalt - mehr ist auch nicht verwendet worden, wie Bistumssprecher Martin Wind beteuert. Den Rest sollte der Bischöfliche Stuhl tragen, ein Kirchenvermögen, über das der Bischof entscheidet. Überwacht wird er nur von einem Verwaltungsrat, der ihn nun angesichts der Riesensumme von 31 Millionen Euro der Täuschung bezichtigt. Die etwa 1000 Quadratmeter Freifläche auf dem Domberg waren schwieriger Baugrund. Die neue Residenz ist ein Ensemble aus alten und neuen Gebäuden, und bei jedem einzelnen Teil dürften die Kosten aus unterschiedlichen Gründen davongelaufen sein.

    Das Diözesane Zentrum St. Nikolaus gegenüber dem Dom ist wegen der hohen Kosten ein Punkt, an dem sich die Kritik am Bischof entzündet.
    Das Diözesane Zentrum St. Nikolaus gegenüber dem Dom ist wegen der hohen Kosten ein Punkt, an dem sich die Kritik am Bischof entzündet.
    Foto: Sascha Ditscher

    Das Kernstück, der Neubau mit Bischofswohnung und Konferenzräumen, durfte nicht zu hoch werden. Also wurde nach unten gebaut, in einen felsigen Untergrund mit mittelalterlichen Mauerresten und archäologischen Funden bis hin zur Keltenzeit. In diesem Tiefgeschoss wird wohl ein Großteil der Summe im Wortsinn vergraben worden sein. Hoch hinaus ragt die mit schwarzem Stein verkleidete Privatkapelle des Bischofs, in Limburg als "Schwarze Kaaba" verspottet. Sie soll wie geplant 300.000 Euro gekostet haben. Aber auch hier schränkt Bistumssprecher Wind ein: "nach meinem jetzigen Kenntnisstand".

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    Kostenexplosion in der Bischofsresidenz von Limburg

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    Wer so viel Geld verschwendet, hat die falsche Position.
    71%
    Einfach aussitzen - in drei Wochen denkt keiner mehr daran.
    3%
    Die Residenz ist doch toll!
    4%
    Der Bischof soll die Mehrkosten aus eigener Tasche tragen.
    16%
    Lasst den armen Mann doch in Ruhe.
    6%
    Stimmen gesamt: 1520

    Die verwendeten Steine und Hölzer der Neubauten wirken schlicht und edel. Natürlich baut die Kirche mit Blick auf die Ewigkeit und deckt sich nicht im nächsten Baumarkt ein: Das Material dürfte teuer gewesen sein. Medienberichten zufolge wurden die Pläne immer wieder abgeändert. Dann mussten selbst fertige Betonflächen wieder abgebrochen werden, wie Handwerker erzählten. Der wachsenden Kritik an den Kosten begegnete Tebartz-Van Elst 2012 mit einer Umbenennung: Aus dem Bischofshaus wurde das "Diözesane Zentrum St. Nikolaus", um den Charakter einer Begegnungsstätte für viele Gläubige zu betonen.

    Doch allzu viel sollten Neugierige nicht sehen. Die Baustelle war durch dicke Planen geschützt. Fotografen berichten, dass sie von Sicherheitsleuten abgedrängt wurden. Diözesanbaumeister Tilmann Staudt nannte im Juli auch die Sicherheitsmaßnahmen als Kostenfaktor. Teurer als geplant wurde die Sanierung eines Teils der Stadtmauer und zweier historischer Gebäude. Das Bistum macht Vorgaben des Denkmalschutzes dafür verantwortlich - auch wenn das Landesamt für Denkmalpflege verneint, Auflagen gemacht zu haben.

    Im ehemaligen Küsterhaus, errichtet im Jugendstil, leben nun die Nonnen, die dem Bischof den Haushalt führen. Als Büro des Bischofs wurde die Alte Vikarie hergerichtet, ein Fachwerkhaus. Dem mehr als 500 Jahre alten Gebäude drohte nach zahlreichen Umbauten der Einsturz. Morsche Balken wurden durch Bauholz aus jener fernen Zeit ersetzt. Deshalb soll allein die Vikarie etwa 2,5 Millionen Euro gekostet haben.

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