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    Arzt: Haiti braucht noch Jahre zur Erholung

    Haiti/Selzen- Der Selzener Arzt Gerhard Trabert hat in Haiti verletzte Erdbebenopfer behandelt.  Sein Team hat als eines der ersten die Hauptstadt Port-au-Prince verlassen und Menschen auf dem Land versorgt, deren Heimat näher am Epizentrum liegt. Mojane Katrin Steinert hat nach seiner Rückkehr nach Deutschland mit ihm gesprochen.

    Haiti/Selzen- Der Selzener Arzt Gerhard Trabert hat in Haiti verletzte Erdbebenopfer behandelt.  Sein Team hat als eines der ersten die Hauptstadt Port-au-Prince verlassen und Menschen auf dem Land versorgt, deren Heimat näher am Epizentrum liegt. Mojane Katrin Steinert hat nach seiner Rückkehr nach Deutschland mit ihm gesprochen. 

    Gerhard Trabert hat bei Auslandseinsätzen schon viel Elend und Verwüstung gesehen, doch das enorme Ausmaß der Zerstörung in Haiti hat den Professor und Obdachlosenarzt aus Selzen (Kreis Mainz-Bingen) sehr betroffen gestimmt. Drei Wochen lang hat er mit einem achtköpfigen Humedica-Team Wunden von Erdbebenopfern versorgt, gebrochene Knochen gerichtet und nicht zu rettende Körperteile amputiert.

    Sie haben täglich Dutzende Menschen behandelt. Gibt es einen Eindruck, der sie stark berührt hat?

    Wir hatten einen Notfall: ein fünfjähriges Kind. Es hatte einen Atemstillstand, und wir haben zu zweit versucht, es zu reanimieren. Das ist uns nicht gelungen. Das war für uns sehr belastend – vor allem auch, es dem Vater zu sagen. Aber was mich besonders betroffen gemacht hat: Es ist mit einer Liege rausgetragen worden. Und die Träger in der Klinik waren sehr unsensibel – würden wir sagen. Ich habe gesehen, wie das Kind von der Liege gefallen ist. Ich war sehr aufgebracht. Im Nachhinein habe ich mir gedacht, es sind vielleicht zu viele Tote. Diese Träger haben in den letzten Wochen Hunderte Tote weggetragen.

    Mehr als eine Million Menschen ist obdachlos, viele sind aufs Land geflohen. Was haben sie dort beobachtet?

    Viele haben versucht, bei Verwandten und Bekannten unterzukommen. Hunderttausende leben aber in Zeltstädten, die aus Holz und Plastikplanen gebaut wurden. Haitianer kamen zu uns, die auch Wochen nach dem Beben noch nicht versorgt waren. Sie hatten offene Wunden und Brüche. Einige hatten derart infizierte Wunden an Armen und Beinen, dass amputiert werden musste. In den Zeltstädten sind zudem die hygienischen Verhältnisse nicht gut. In der letzten Woche hat die Regenzeit begonnen, und bald werden Epidemien wie Typhus und Cholera ausbrechen. Bereits gegen Ende unseres Aufenthalts hat die Malaria zugenommen. Erkrankte Menschen müssen nachhaltig versorgt werden.

    Wo kann jetzt konkrete Hilfe ansetzen?

    Es ist wichtig, dass man Haiti jetzt nicht vergisst, wo es aus den Schlagzeilen ist. Es braucht Jahre, bis die Menschen sich erholt haben. Dazu muss die medizinische Grundversorgung auf Dauer gewährleistet werden. Die Wunden müssen gereinigt, teils chirurgisch von abgestorbenem Gewebe befreit werden. Es müssen Hauttransplantationen durchgeführt werden. Menschen mit Brüchen brauchen Physiotherapie, Amputierte Prothesen. Wer in diesem Land jetzt auch noch ein Handicap hat, der wird keine Zukunft haben. Parallel dazu müssen die Trinkwasser- und die Nahrungsmittelversorgung auf dem Land hergestellt werden, und der Schulbetrieb muss auch bald wieder aufgenommen werden.

    Sehen Sie überhaupt eine Chance für Haiti?

    Die Haitianer haben Großes geleistet nach diesen anderthalb Minuten, in denen alles kaputtging, in denen Tausende verschüttet und verletzt wurden. Die Ärzte und die Krankenschwestern, die vor Ort waren, haben am Fließband Tausende von Menschen versorgt. Die haben 72 Stunden ohne zu schlafen Wunden versorgt, haben vielleicht selbst jemanden verloren, aber waren für die anderen da. Sehr viele Haitianer haben Unglaubliches geleistet, und deshalb glaube ich, dass diese Menschen und dieses Land es wieder schaffen werden. Die haben Fähigkeiten und Kraft. Das sollten wir wertschätzen.

    Hat sich in den drei Wochen ihres Aufenthalts etwas verändert?

    Am Anfang habe ich sehr stark gespürt, dass die Menschen immer noch geschockt waren, dass sie in eine gewisse Lethargie verfallen sind. In der Begegnung hat man die Depression über das Geschehene gespürt. Gegen Ende des Aufenthalts hat man gespürt, dass jetzt wieder Aktionismus da ist.

    Das Gespräch führte Katrin Steinert

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