40.000
  • Startseite
  • » Region
  • » Absage an Guerilla-Führer
  • Absage an Guerilla-Führer

    Mainz. Einer der ranghöchsten Kommandanten des kolumbianischen Befreiungs-Heeres ELN, Pablo Beltran, wollte einen Vortrag an einer rheinland-pfälzischen Schule über die Rolle der ELN beim Friedensprozess in Kolumbien halten. Doch das Mainzer Bildungsministerium sagte Nein.

    In der ELN-Hierarchie ist Pablo Beltran der dritte Mann, zuständig für Auslandskontakte und gleichzeitig militärischer Chef. Er leitete auch die ELN-Delegtion bei der Friedenskonferenz in Kloster Himmelspforten bei Würzburg, die im Juli 1998 auf Grund einer Vereinbarung zwischen dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Lehmann und dem Präsidenten der kolumbianischen Bischofskonferenz, Erzbischof Alberto Giraldo Jaramillo, zu Stande gekommen war. Ziel der Gespräche in Himmelspforten: Ende des Bürgerkrieges, dem etwa 35 000 Kolumbianer jährlich zum Opfer fallen, die Einleitung sozialer Reformen und freie Wahlen unter Überwachung durch die internationale Gemeinschaft, Beispiel Nicaragua.

    Doch das Morden ging und geht weiter. Erst in den jüngsten Monaten wurden neue Einzelheiten über Massaker im Kolumbien bekannt. Über 1000 Zivilisten wurden in diesem Jahr durch die Paramilitärs, die von der Drogenmafia und den Militärs gesteuert sind, auf brutalste Weise gefoltert und ermordet. Noch in diesem Jahr hat amnestie international und Human Right Watch den kolumbianischen Staat und das Militär deswegen angeklagt.

    Am Rande der Friedensgespräche auf deutschem Boden war auch der Gedanke erörtert worden, durch Vorträge an Schulen und Universitäten in Europa auf die Situation in Kolumbien aufmerksam zu machen, wobei das Kommando Central der ELN seine Organisation, deren Ziele und die Konfliktsituation in dem südamerikanischen Staat darstellen wollte. Ähnliche Vorträge gab es bereits in Spanien, Norwegen und Schweden.

    Deutschland bekanntester Geheimagent Werner Mauss unterstützt seit 1995 die Friedensbemühungen der Konfliktparteien in Kolumbien. Er hatte zusammen mit seiner Frau im Juni 1998 Beltran und seine Friedenskommission im aus dem kolumbianischen Urwald nach Mainz und Kloster Himmelspforten zu den Friedensgesprächen geführt. Zuvor war das Ehepaar - nach neunmonatiger Haft in Kolumbien - von allen gegen sie erhobenen Vorwürfen freigesprochen worden. Die Inhaftierung wurde für rechtswidrig erklärt.

    Der jahrelang als "deutscher James Bond" gehandelte Agent hat nach wie vor ein Mandat der Konfliktparteien im kolumbianischen Friedensprozess und leistete nach Aussage von Pablo Beltran "harte Arbeit für den Frieden".

    Offizielle Begründung des Ministeriums zur Absage des Vortrages: "Kein Thema für eine schulische Veranstaltung." Dass dabei politische Zwänge einerseits und Sicherheitsdenken andererseits eine Rolle gespielt haben, ist wahrscheinlich.

    Mauss gestern gegenüber unserer Zeitung zur Stellungnahme des Ministeriums: "Auf der Grundlage der in den letzten Wochen bekannt gewordenen Vorkommnisse in Bezug auf die Sicherheit halte ich die vom Bildungsministerium getroffene Entscheidung für richtig."

    Mauss-Spenden werden für die CDU richtig teuerMauss wegen Bargeld in der Bredouille: Bankmanager belastet den Ex-Agenten erheblichMauss-Prozess: Ex-Staatsminister bestätigt GeheimfondsKein Schuldeingeständnis: Ex-Geheimagent Mauss will Millionen ans Finanzamt zahlenFall Mauss: Regierung schmallippig zu Tarnungweitere Links
    epaper-startseite
    Anzeige
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Das Wetter in der Region
    Donnerstag

    13°C - 24°C
    Freitag

    13°C - 27°C
    Samstag

    16°C - 30°C
    Sonntag

    17°C - 30°C

    Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

    Anzeige
    Rhein-Zeitung bei Facebook
    Rhein-Zeitung bei Twitter
    Anzeige
    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!