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  • Nach Testfahrer-Crash: Beginnt am Nürburgring der Wilde Westen?

    Nürburgring/Boos - Ist die Eifel rund um den Nürburgring der wilde Westen für die Autohersteller? Dürfen hier Testfahrer nach Lust und Laune rasen, gilt hier die Straßenverkehrsordnung nur für Otto Normalverbraucher? Der tödliche Verkehrsunfall am Mittwoch auf einer Zufahrtsstraße zum Ring, an dem gleich zwei Testwagenteams beteiligt waren, wirft Fragen auf.

    Nürburgring/Boos - Ist die Eifel rund um den Nürburgring der wilde Westen für die Autohersteller? Dürfen hier Testfahrer nach Lust und Laune rasen, gilt hier die Straßenverkehrsordnung nur für Otto Normalverbraucher? Der tödliche Verkehrsunfall am Mittwoch auf einer Zufahrtsstraße zum Ring, an dem gleich zwei Testwagenteams beteiligt waren, wirft Fragen auf.

    Alle Autohersteller erproben ihre neuen Produkte auf der Nordschleife und auch auf den Straßen drumherum sieht man viele "Erlkönige". Aber: Besondere Regeln gelten für die Test-Fahrzeuge nicht und Unfälle wie der vom Mittwoch sind für die Polizei absolut kein Alltag.
    Alle Autohersteller erproben ihre neuen Produkte auf der Nordschleife und auch auf den Straßen drumherum sieht man viele "Erlkönige". Aber: Besondere Regeln gelten für die Test-Fahrzeuge nicht und Unfälle wie der vom Mittwoch sind für die Polizei absolut kein Alltag.

    Für die Polizeidienststellen in Adenau und Mayen, die fast täglich mit Unfällen rund um den Ring zu tun haben, ist die Antwort klar: Nein, Testfahrer und Testfahrzeuge stellen kein besonderes Problem dar.

    Tragisch: Der Chef-Testfahrer kennt die Strecke in- und auswendig. Er verunglückte mit dem Prototypen Lexus LFA kurz vor der Testwerkstatt. Trug er einen Helm - was gegen die Straßenverkehrsordnung verstoßen hätte?
    Tragisch: Der Chef-Testfahrer kennt die Strecke in- und auswendig. Er verunglückte mit dem Prototypen Lexus LFA kurz vor der Testwerkstatt. Trug er einen Helm - was gegen die Straßenverkehrsordnung verstoßen hätte?
    Foto: Katrin Steinert

    Weder bei Radarkontrollen noch bei Unfällen gebe es eine statistisch belegbare Auffälligkeit. Es gebe auch keine Klagen aus der Bevölkerung. „Und so einen Unfall hat es meines Wissens auch noch nicht gegeben“, sagt Thomas Emmerichs von der Polizeiinspektion Mayen, der am Mittwoch an der Unfallstelle in Boos war. Er widerspricht auch der Darstellung, dass die Insassen der beiden Fahrzeuge Helme trugen. Was auch nicht erlaubt gewesen wäre. Nur Zweiradfahrer dürfen im öffentlichen Straßenverkehr Helme tragen.

    Autofans kommt der Super-Lexus auf diesem Bild vielleicht bekannt vor: Beim ADAC-24-Stunden-Rennen 2009 auf dem Nürburgring hatte der Prototyp seinen ersten Auftritt in Europa.
    Autofans kommt der Super-Lexus auf diesem Bild vielleicht bekannt vor: Beim ADAC-24-Stunden-Rennen 2009 auf dem Nürburgring hatte der Prototyp seinen ersten Auftritt in Europa.
    Foto: Jens Weber

    Auch für Testfahrten gilt die Straßenverkehrsordnung

    Gleichwohl weiß auch er, dass die Straßen rund um den Ring auch für Testfahrten genutzt werden. Dann gebe es aber auch für diese Fahrzeuge keine Ausnahmen: „Es gilt die Straßenverkehrsordnung, die Autos müssen ordnungsgemäß angemeldet sein.“

    Weitaus mehr Arbeit haben die Polizeibeamten Woche für Woche mit sogenannten Touristenfahrern, die glauben, dass die Nordschleife des Nürburgrings sich über die gesamte Region ausdehnt, wie die Kollegen der Dienststelle in Adenau berichten. Tote und Schwerverletzte sind jedes Jahr auf den Zufahrtsstraßen zur Rennstrecke zu beklagen.

    Nicht ungefährlich: „wedelnde“ Testfahrer entlang der Nordschleife

    Lammfromm sind aber auch die Testfahrer nicht, wie Hans-Joachim Retterath von der Tankstelle Döttinger Höhe aus eigener Erfahrung weiß. Schon mehrfach seien ihm „wedelnde“ Testfahrer auf der Bundesstraße entlang der Nordschleife entgegengekommen.

    „Wer nicht weiß, dass es sich hier um einen Piloten handelt, die Schlangenlinien fährt, um was auch immer auszuprobieren und erst spät auf den Gegenverkehr reagiert, dem stockt der Atem.“ Retti, wie der bekannte Hotelier und Tankstellenbetreiber am Ring genannt wird, ärgert das. „Die Jungs wissen, dass sie das nicht dürfen und sollen es lassen. Dafür haben sie doch die Nordschleife.“

     

    Nordschleife am Nürburgring ist fester Bestandteil jedes Auto-Entwicklungsprojekts

     Die ist dank der Testfahrer für die Nürburgring GmbH seit Jahrzehnten eine wahre Goldgrube. Es gibt keinen Hersteller, der auf dem 20,8 Kilometer langen Rundkurs rund um die Nürburgring nicht seine neuen Autos vor der Markteinführung auf Herz und Nieren prüft. Die legendäre Strecke ist Stammplatz der Entwickler. Jahre bevor neue Modelle in Serie gehen, legen die Prototypen und Erlkönige hier in der „Grünen Hölle“ ihre Reifeprüfung ab.

    Egal ob Kleinwagen oder Sportmodell - der Nürburgring ist fester Bestandteil jedes Entwicklungsprojekts. Nirgendwo auf der Welt findet man solch unterschiedliche Fahrsituationen auf einer Strecke. Und nirgendwo sonst werden die Prototypen so stark belastet, wie auf dieser Buckelpiste mit ihren 74 Links- und 73 Rechtskurven. Eine Runde auf der Nordschleife entspricht 200 Kilometer in der Wirklichkeit, wissen die Entwicklungsingenieure: Ein Auto, das sich hier bewährt, dem kann auch keine andere Straße etwas anhaben.

    An der Döttinger Höhe stehen bisweilen mehr Prototypen als Serienfahrzeuge

    Und weil die Vorzüge des Rundkurses weltweit bekannt sind, profitieren die Dörfer ringsherum von der Autoindustrie. In vielen Gewerbegebieten stehen mal mit Flaggen gekennzeichnet und mal dezent getarnt Entwicklungswerkstätten und Testcenter. An Tankstellen wie der Döttinger Höhe sieht man bisweilen mehr Prototypen als Serienfahrzeuge.

    Und sogar die Abschleppdienste haben sich auf die spezielle Kundschaft eingestellt: Falls mal ein Erlkönig schlappmacht, rücken sie mit Spezialtransportern an, die das Inkognito der Prototypen wahren. Bisweilen sieht man deshalb bei einem Ausflug in die Eifel mehr Neuheiten als beim Besuch einer Automesse.

    Branche macht um ihre Arbeit am Ring ein großes Geheimnis

    Dennoch macht die Branche um ihre Arbeit am Ring ein großes Geheimnis. Damit sich Profis und Amateure nicht in die Quere geraten, haben Hersteller und Zulieferer den sogenannten Industriepool gegründet, für den die Strecke oft tage- oder wochenweise gesperrt wird. Schlagzeilen wie vom Mittwoch, als der Toyota-Testfahrerchef tödlich verunglückte, liest man deshalb in den Konzernzentralen höchst ungern.

    Uli Adams/Thomas Geiger

     

     

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