Mit laufender Kettensäge Geld erpresst?
Westerburg - Mit vorgehaltener, laufender Kettensäge soll ein 35 Jahre alter Mann eine Frau in einem Ort in der Verbandsgemeinde Hachenburg zur Zahlung einer noch offenen Geldforderung von 20 000 Euro genötigt haben. Laut Staatsanwaltschaft sollte er das Geld, das offenbar aus Drogengeschäften stammte, für eine Gläubigerin eintreiben (die WZ berichtete).
Der 35-Jährige steht unter laufender Bewährung und ist bereits mehrfach wegen Körperverletzung vorbestraft. Das Amtsgericht in Westerburg, wo dem Mann der Prozess gemacht werden sollte, sah sich als sachlich nicht zuständig, der Sachverhalt sei entweder vor einem Schöffengericht oder am Landgericht zu verhandeln, hieß es.
Nach rechtlicher Bewertung werde ein Verbrechen mit deutlich erhöhter Mindeststrafe angeklagt. Im vorliegenden Fall sei nicht von einer versuchten Nötigung, wie zunächst angeklagt, sondern von einer versuchten räuberischen Erpressung auszugehen.
Es ist ein Baum von einem Kerl, der den Sitzungssaal in Westerburg betritt, ein Zwei-Meter-Mann, der sich bücken muss, wenn er durch die Tür geht. Während der kurzen formal-juristischen Erörterung bittet er den Richter immer wieder darum, aufstehen zu dürfen, erzählt von einem Unfall und verzieht schmerzerfüllt das Gesicht. Sollte es sich bei dem 35-Jährigen, der sich bislang zu den Vorwürfen nicht äußerte und der per Gerichtsbeschluss in eine Psychiatrie eingewiesen wurde, tatsächlich um den Täter handeln, dann dürfte allein schon dessen Erscheinungsbild bei der Angeklagten einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen haben.
Der Tag, an dem sich der Vorfall ereignet haben soll, ist nicht näher benannt. Mitte März vergangenen Jahres soll sich der 35-Jährige, der zuletzt wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt worden war, auf den Weg zur Schuldnerin begeben haben. Eine „Gläubigerin“, gegen die in einem gesonderten Verfahren ermittelt wird, soll den 35 Jahre alten gelernten Straßenbauer damit beauftragt haben, die 20 000 Euro für sie einzutreiben.
Über "Wer-kennt-wen" fand die Frau den Mann wieder
Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft öffnete die Frau dem Geldeintreiber die Tür. Der 35-Jährige ging nach dem bisherigen Ermittlungsergebnis mit der Kettensäge in der Hand schnurstracks Richtung Küche, warf das Gerät an, fuchtelte mit der laufenden Maschine in der Luft herum und deutete an, dass er alles kurz und klein schneiden werde. Sodann, so die Staatsanwaltschaft, soll er die 20.000 Euro verlangt haben, zahlbar innerhalb von sechs Tagen. „Sollten die Bullen hier auf mich warten, dann bekomme ich 40.000 Euro von Dir. Wenn ich wegen der Sache im Knast lande, dann habe ich genug Kontakte und sorge dafür, dass Du abgeknallt wirst“, soll er der verängstigten Frau gedroht haben. Die Frau ging zur Polizei und erstattete Anzeige. Sie hatte den ihr unbekannten Mann im Internetforum „Wer-kennt-wen“ ausfindig gemacht und identifizieren können.













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