Teil 1: Wie alt ist unsere Stadt wirklich?
Von Reinhard Kallenbach
Koblenz - Wie alt ist unsere Stadt? Als 1992 ein ganz besonderes Jubiläum gefeiert wurde, schien die Antwort auf diese Frage klar auf der Hand zu liegen:
Es waren die Römer, die vor 2000 Jahren den günstigen strategischen Ausgangspunkt am Zusammenfluss von Rhein und Mosel für sich zu nutzen wussten. Erst eine Holzbefestigung, dann eine Siedlung und schließlich ein steinernes Kastell, aus dem schließlich die mittelalterliche Stadt entstand: Dieser Entwicklungsstrang wurde immer wieder gern ins Spiel gebracht. Als Beweis dienten die spärlich fließenden schriftlichen Quellen der Antike. Dieser scheinbar fest gefügte Dreiklang bedarf jetzt dringend einer Korrektur. Koblenz ist nämlich deutlich älter als lange angenommen.
Quellen fließen spärlich
Aus den bekannten Fakten über Caesars Gallien-Feldzug (57 bis 53 vor Christus) wird gern eine Präsenz der Römer im späteren Kastellstandort abgeleitet. Der Brückenbau des römischen Konsuls und Feldherren zwischen Koblenz und Andernach lässt sich durchaus in einem Zusammenhang mit einer frührömischen Besiedlung des westlichen Rheinufers sehen. In den Quellen lässt sich Koblenz jedoch erst im frühen zweiten Jahrhundert nach Christus nachweisen. Aus dieser Zeit ist der erste spärliche Hinweis auf den frührömischen Siedlungsnamen überliefert – und zwar im Werk von Sueton. Der römische Schriftsteller veröffentlichte um 120 nach Christus seine Kaiserbiografien „De vita Caesarum“ in acht Bänden. Im Teil über Caligula wird „Confluentes“ (die Zusammenfließenden) als Geburtsort des grausamen Imperators genannt. Was dort lag und wie es aussah, bleibt allerdings im Dunkeln. Auch die wenigen Keramikfunde aus frührömischer Zeit helfen bei der Datierung nicht weiter. Und: Das in der Literatur immer wieder gern genannte Kastell auf dem Münzplatz, das angeblich im Jahr 8 vor Christus errichtet worden war, hat es nie gegeben.
Das Koblenzer Beispiel zeigt: Wenn es um die Suche nach den Wurzeln antiker Städte geht, sind Historiker mit ihrem Latein am Ende. Sie brauchen die Erkenntnisse aus der Archäologie. Aber was sich in der Theorie so einfach anhört, ist in der Praxis oft schwerer als gedacht. Archäologen arbeiten meistens unter großem Zeitdruck, weil sie in der Regel baubegleitend forschen. Demzufolge können meistens nur punktuelle Erkenntnisse gewonnen werden, die später in mühevoller Kleinarbeit in den großen regionalen und europäischen Kontext einzuordnen sind.















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