Teil 10: Wie Koblenz sich zur Stadt entwickelt
Koblenz - Seit wann ist Koblenz Stadt? Trotz intensiver Forschungen kann diese Frage nicht eindeutig beantwortet werden. Denn eine förmliche urkundliche Stadtrechtsverleihung hat es für die Siedlung an Rhein und Mosel nie gegeben. Der seit 1018 erzbischöfliche Ort macht allerdings keine Ausnahme. In den früheren römischen Kastellorten sind die Übergänge fließend. Die Stadtwerdung kann selten auf Jahr und Tag datiert werden. Deswegen können Entwicklungen nur im großen gesamteuropäischen Zusammenhang betrachtet werden.
Generationen von Historikern haben sich bereits mit der sogenannten Urbanisierung im 10. und 11. Jahrhundert auseinandergesetzt. Und besonders die Trierer Gelehrten haben sich in der Forschung einen Namen gemacht: Ihr Ergebnisse sind im – von den Historikern Dr. Monika Escher-Apsner und Dr. Frank G. Hirschmann herausgegebenen – dreibändigen Monumentalwerk „Die urbanen Zentren des hohen und späten Mittelalters“ zusammengefasst. Die Trilogie ist seit 2005 erhältlich und behandelt sage und schreibe 461 Städte im östlichen Frankreich und im Westen Deutschlands. Daraus wird klar ersichtlich: Die Entwicklung zur Stadt hat die unterschiedlichsten Hintergründe: Es gibt politische, rechtliche, kirchliche, kulturelle, wirtschaftliche, fiskalische, soziale, städtebauliche, militärische und demografische Prozesse, die den Prozess der Stadtwerdung forcieren. Und die Vorgänge im Koblenz des beginnenden Hochmittelalters passen sehr gut in das europäische Puzzle. Denn in den Jahren ab 1000 gibt es gravierende Veränderungen.
Europa verändert sich
Wird die Bevölkerung im Europa der Frankenzeit auf rund 24 Millionen Menschen geschätzt, sollte sich die Bevölkerung bis zum 14. Jahrhundert mehr als verdoppeln. Am Ende des Spätmittelalters lebten wohl 54 Millionen Menschen in Europa. Eine Hauptursache hierfür dürfte eine Verbesserung der Versorgungslage gewesen sein. Die Landwirtschaft wurde durch Rodungen ausgebaut, die um das Jahr 1100 eingeführte Dreifelderwirtschaft ermöglichte eine effiziente Nutzung der Böden. Außerdem meldeten Bergbau und Metallurgie deutliche Fortschritte. Und dank der Übersetzung von Schriften aus dem Arabischen gab es eine neue kulturelle Blüte. Erste Erfolge wurden bereits im 11. Jahrhundert spürbar. Die Rolle der Städte als Handelszentren wuchs. Und das Handwerk siedelte sich bevorzugt dort an, wo die wichtigsten Stränge des mittelalterlichen Lebens zusammenliefen. Und Koblenz hatte schon allein aufgrund seiner verkehrsgünstigen Lage gute Startbedingungen. Mit Recht geht der Historiker Dr. Dietmar Flach davon aus, dass Koblenz bereits zur Zeit des Übergangs des Königsgutes an die Trierer Erzbischöfe ein bedeutender Marktort war, der auch auf die umliegenden Dörfer ausstrahlte. Dazu gehörte auch das heutige Lützel, dessen frühes Aussehen allerdings nicht mehr rekonstruierbar ist. Fest steht: Das kleine Dorf am nördlichen Moselufer, das schon früh rechtlich und wirtschaftlich auf Koblenz zugeschnitten war, ist auch als Treffpunkt der Großen jener Zeit überliefert. So verhandelten 1105 Heinrich IV. und sein Sohn Heinrich V. an einem unbekannten Ort im heutigen Stadtteil, wobei das Familientreffen wohl nicht allzu herzlich verlief. Nur ein Jahr später musste der Vater abdanken, während der Sohn Fürsten und Klerus hinter sich wusste.















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