Koblenzer Stadtgeschichte
Koblenz - Genialer Feldherr und Vordenker des modernen Staatsaufbaus oder größenwahnsinniger Massenmörder? Je mehr man sich mit der „Ära Napoleon“ beschäftigt, desto schwieriger wird es, diese Frage zu beantworten. Zweifellos waren Soldaten für den Kaiser „Menschenmaterial“, das er jederzeit zu opfern bereit war. Denn seine „Grande Armée“ war multinational und nichts anderes als Instrument einer eiskalten Machtpolitik. Doch zeigt das Koblenzer Beispiel, dass es in dieser Zeit auch hoffnungsvolle Ansätze gab. mehr ...
Koblenz - Seit der Flucht des Adels und führender Kaufleute infolge der französischen Besetzung war in Koblenz ein Vakuum entstanden. Dazu kam die wirtschaftliche Not der Bürger. Zum einen mussten die Koblenzer hohe Abgaben leisten, zum anderen waren traditionelle Absatzgebiete westlich der neuen Rheingrenze weggebrochen. Es kam nicht von ungefähr, dass die Militärherrschaft als drückend, willkürlich und mitunter auch als chaotisch empfunden wurde. mehr ...
Koblenz - Koblenz am 23. Oktober 1794: Französische Truppen marschieren in die Stadt, die zuvor sang- und klanglos kapituliert hatte. Die Welt des alten Kurfürstentums Trier ist zerschlagen, das Zentrum französischer Royalisten ist Geschichte. Die Besetzung unter Befehl des Generals François Sévérin Marceau (1769–1796) leitet für die Residenzstadt eine Zeitenwende ein. mehr ...
Koblenz - In der Barockzeit trieben die Landesherren den systematischen Ausbau von Straßen und Plätzen voran. Ihre gestalterischen Ideen betrafen nicht selten die gesamte Stadt. Geradlinige Straßen und Plätze, die von monumentalen Kirchen und Palästen ausgingen, sollten vor allem in den Hauptstädten das Bild bestimmen. Individuelle Züge untergeordneter Gebäude waren jetzt nicht mehr gefragt. Auch wenn in Koblenz vieles an den finanziellen Realitäten scheiterte, ist dieses planerische Ideal noch heute im Grundriss der Innenstadt ablesbar. mehr ...
Koblenz - Auch wenn die Koblenzer Innenstadt im Zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört wurde, ist sie neben Ehrenbreitstein für viele ein Musterbeispiel für den Aufbauwillen der Barockzeit. Zwar ist das nur bedingt richtig, weil ein großer Teil der erhaltenen historischen Gebäude in Koblenz deutlich jünger ist, doch spiegeln gerade die Gebäude rund um den Jesuitenplatz den Wandel der Baukunst im 18. Jahrhundert wider. mehr ...
Koblenz - Die kriegerischen Auseinandersetzungen des 17. Jahrhunderts hatten gezeigt, dass die zersplitterten rheinischen Territorien den Großmächten nichts entgegenzusetzen hatten. Die Kurfürstentümer Mainz, Köln und Trier machten da keine Ausnahme. Sie wurden geduldet, hatten aber mit der Neuordnung der Landkarte im 18. Jahrhundert wenig zu tun. Ein Nachteil für Koblenz war das nicht. Ganz im Gegenteil. Mit der Verschiebung der politischen Schwerpunkte nach Osten wurde die Hauptstadt des Niedererzstiftes für die Kurfürsten immer wichtiger. mehr ...
Koblenz - Zwangen den Kurfürsten Johann Hugo von Orsbeck (1676–1711) wegen der Dauerbedrohung durch Frankreich zunächst militärische Gründe, den beschleunigten Wiederaufbau von Koblenz zu fordern, so war es später vor allem der Wunsch, möglichst schnell ein repräsentatives Stadtbild zu erhalten. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Nach der erfolgreichen Abwehr der Franzosen hatte sich der Schwerpunkt des Erzstiftes endgültig an den Rhein verlagert – auch wenn der Status von Trier als Landeshauptstadt nicht gefährdet war. Die Verschiebung war bereits mit der Erbauung der Philippsburg in Ehrenbreitstein nach Plänen des Architekten Georg Ridinger von 1623 bis 1629 als Residenz des Kurfürsten Philipp Christoph von Sötern eingeleitet worden.
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Koblenz. Der Pfälzische Erbfolgekrieg brachte auch für Koblenz Tod und Zerstörung, war aber auch ein Wendepunkt in der Stadtentwicklung. Denn erst im Zuge des Wiederaufbaus entwickelte sich der Kern dessen, was wir heute als Altstadt bezeichnen. Wie gravierend die im Herbst 1688 eingeleiteten Einschnitte jedoch waren, lässt sich mithilfe der Quellen nur schwer rekonstruieren. Denn die schriftliche Überlieferung hat ihre Tücken. Zum einen gingen wichtige Dokumente in den Kriegswirren verloren, zum anderen müssen Daten gründlich überprüft werden. mehr ...
Koblenz - Der Westfälische Frieden beendete zwar den Dreißigjährigen Krieg und beruhigte den konfessionellen Dauerkonflikt, doch machte er das Reichsgebiet endgültig zu einem Flickenteppich von kleinen und kleinsten Territorien, in denen die Landesherren machen konnten, was sie wollten. Habsburg war geschwächt, Frankreich und Schweden konnten als Garanten des Friedens fast nach Belieben schalten und walten. Dazu kam das Ausscheiden der Schweiz und der Niederlande aus dem Reichsgebiet. Das Alte Reich war zum todkranken Patienten geworden, dessen Siechtum sich allerdings noch bis 1806 hinziehen sollte. mehr ...
„Die Türme stehn in Glut, die Kirch ist umgekehret, das Rathaus liegt im Graus, die Starken sind zerhaun, die Jungfern sind geschändt, und wo wir hin nur schaun, ist Feuer, Pest und Tod, der Herz und Geist durchfähret“: Diese traurige Bilanz, die Andreas Gryphius (1616–1664) in seinem Gedicht „Tränen des Vaterlandes” zog, betrifft im besonderen Maße auch Koblenz. Denn im 17. Jahrhundert wurde die Stadt zum Spielball der großen Mächte.
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Koblenz - Große Entdeckungen, gravierende politische Umwälzungen, enorme Fortschritte in Kultur und Wissenschaft, aber auch religiös motivierte Verfolgungen, Folter und rauchende Scheiterhaufen: Das 16. Jahrhundert konnte widersprüchlicher nicht sein. Die konfessionellen Gegensätze erschütterten weite Teile Europas in den Grundfesten. mehr ...
Koblenz - Eigentlich war der Ablasshandel für alle Beteiligten eine praktische Sache. Der Sünder zahlte für die Vergebung, und die Kirche konnte ehrgeizige Projekte angehen – so zum Beispiel den Petersdom in Rom, dessen Grundstein am 18. April 1506 gelegt worden war. Doch der Handel mit diesen „Freifahrtscheinen“ sollte bizarre Dimensionen annehmen und die Welt der Kirche in ihren Grundfesten erschüttern. Und das sollte auch im Kurfürstentum Trier deutlich zu spüren sein.
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Koblenz - Ein Kaiser zwischen allen Stühlen, ein kriegslüsterner König und ein kluger Erzbischof: Das sind die Hauptakteure einer großen Zusammenkunft, die im September 1338 in Koblenz über die Bühne gehen sollte. Rund 17 000 Menschen sollen sich damals in der eher kleinen Stadt an Rhein und Mosel zusammengefunden haben, die neben einer strategisch günstigen Lage genau die baulichen Rahmenbedingungen zu bieten hatte, die für die Durchführung eines Hoftages erforderlich waren.
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Koblenz - An die Preußen erinnert man sich ungern, während über die Jahrhunderte unter trierischer Herrschaft heute schon fast ehrfürchtig gesprochen wird. Historische Argumente für eine solche Verklärung gibt es nicht. Denn die Trierer Erzbischöfe waren knallharte Machtmenschen, denen es vor allem darum ging, ihr Herrschaftsgebiet zu festigen. Platz für bürgerliche Freiheitswünsche war da wenig. Das bekamen die Koblenzer spätestens seit dem 13. Jahrhundert zu spüren.
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Koblenz - Im späten 13. Jahrhundert war Koblenz eine voll funktionsfähige Stadt. Auch wenn Bauhandwerker die mittelalterliche Mauer noch nicht vollständig fertiggestellt hatten, präsentierte sich das von ihr umschlossene, insgesamt 42 Hektar große Areal im Bereich der heutigen Alt- und Innenstadt relativ gut geschützt. Dazu kam, dass sich das Zentrum an Rhein und Mosel zu einer zweiten Hauptstadt der Trierer Erzbischöfe entwickelte. mehr ...
Koblenz - Am Rhein wurde gerade im Mittelalter deutsche und europäische Geschichte geschrieben. Das lag vor allem daran, dass der Strom schon damals eine der zentralen Adern Europas war. Dort pulsierte das wirtschaftliche Leben. Weil die Straßen meist schlecht waren, wichen Händler auf das Wasser aus. Die Folge: Der Fluss wurde weit intensiver befahren, als es heute der Fall ist. Darauf hat der Historiker Prof. Dr. Stefan Weinfurter hingewiesen.
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Koblenz - Seit wann ist Koblenz Stadt? Trotz intensiver Forschungen kann diese Frage nicht eindeutig beantwortet werden. Denn eine förmliche urkundliche Stadtrechtsverleihung hat es für die Siedlung an Rhein und Mosel nie gegeben. Der seit 1018 erzbischöfliche Ort macht allerdings keine Ausnahme. In den früheren römischen Kastellorten sind die Übergänge fließend. Die Stadtwerdung kann selten auf Jahr und Tag datiert werden. Deswegen können Entwicklungen nur im großen gesamteuropäischen Zusammenhang betrachtet werden.
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Koblenz - Zeitenwende an Rhein und Mosel: Im Dezember 1018 gehört das Krongut Koblenz der Vergangenheit an. Fortan haben die Trierer Erzbischöfe das Sagen. Daran wird sich bis zum Ende des 18. Jahrhunderts nichts mehr ändern.
Die Weichen für diese Entwicklung waren früh gestellt worden. Bereits in der Regierungszeit Ludwig des Frommen war der Einfluss des Klerus gewachsen. Schon die komplizierte Gründungsgeschichte des Stifts St. Kastor zeigt: Bereits Erzbischof Hetti hatte ein großes Machtbewusstsein und drängte darauf, den Einfluss Triers am Rhein auszubauen und zu festigen. Allerdings sollte sich gerade am Beispiel von Koblenz zeigen, dass sich der Klerus im 9. und 10. Jahrhundert nicht gegen die ostfränkischen Könige stellte. Ganz im Gegenteil: Er trug dazu bei, deren Macht zu festigen. Denn die nach dem Aussterben der ostfränkischen Karolinger auf den Thron gehobenen Herrscher hatten keinen leichten Stand. mehr ...
Koblenz - 1. Juni 860. Koblenz, das spätestens seit dem Vertrag von Verdun als grenznahe Stadt wieder eine große strategische Bedeutung hat, wird Schauplatz eines denkwürdigen Schauspiels: Die Könige Ludwig der Deutsche, Karl der Kahle und Lothar II. treffen sich, um für die drei seit 17 Jahren bestehenden Teilreiche vernünftige Rahmenbedingungen zu schaffen. Gesprächsstoff haben die drei Herrscher genug. Denn spätestens seit der Zeit Ludwigs des Frommen, der von 817 bis 840 regierte, dürfen die familiären Verhältnisse mit Fug und Recht als zerrüttet bezeichnet werden.
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Koblenz - Für die Erforschung des Königsguts Koblenz im frühen Mittelalter lohnt es sich vor diesem Hintergrund, einen Blick nach Ingelheim zu werfen: Dort hatte bereits 787 Karl der Große sein Winterquartier aufgeschlagen. Eine karolingische Pfalz ist für die Zeit nach 814 überliefert. Es war also Kaiser Ludwig der Fromme, der den Standort am Rhein aufwertete. Und vielleicht hatte er am Zusammenfluss von Rhein und Mosel Ähnliches im Sinn. mehr ...
Koblenz - Für die Franken spielte Koblenz zunächst nur eine untergeordnete Rolle. Im heutigen Stadtgebiet entstanden mehrere kleine, aber voneinander unabhängige Siedlungen. Der Bereich des spätantiken Kastells war ungewohnt. An dieser Situation sollte sich lange nichts ändern. Erst im Laufe der Zeit gewann der einstige Kastellort an Rhein und Mosel. Dieser Wandel ist eng mit den frühen Kirchen verbunden.
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Koblenz - Koblenz im Jahre 585: Auf einer ihrer Reisen durch die fränkischen Herrschaftsgebiete besuchen die Merowingerkönige Childebert II. von Austrien und Guntram von Neustrien auch das „castrum Confluentis“. So schreibt es Gregor von Tours in seiner „Geschichte der Franken“, einer christlichen Universalhistorie, in deren Mittelpunkt das Geschlecht der Merowinger steht. Wo die Herrscher weilten, lässt der wohl bekannteste Autor des 6. Jahrhunderts jedoch offen. mehr ...
Koblenz - In der Florinspfaffengasse liegt ein Schlüssel zum Tor zur späten Römerzeit. Das Vorhaben der Barmherzigen Brüder, an ihrem Gründungsort ein neues spirituelles Zentrum zu errichten, eröffnet Wissenschaftlern neue Möglichkeiten, die letzten Rätsel der frühen Stadtgeschichte zu lösen. In den vergangenen Wochen haben Mitarbeiter der Direktion Landesarchäologie Fundamente eine großen Gebäudes freigelegt, das offenbar vom späten 3. bis in die Mitte des 5. Jahrhunderts nach Christus bewohnt wurde. Keramikfunde machen diese Einordnung möglich.
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Koblenz - Kaiser Augustus war am Boden zerstört: Drei Legionen aufgerieben, die meisten der rund 20 000 Soldaten tot. „Quintili Vare, legiones redde – Quintilus Varus, gib die Legionen zurück“, soll der Imperator gerufen haben, der einmal mehr durch seinen Frieden als durch seine Feldzüge bekannt werden sollte. So steht es zumindest in der achtbändigen Kaiserbiografie des Sueton.
Wie dem auch sei: Der Aufstand germanischer Stämme unter Führung des Cheruskers Arminius, der in der berühmten vernichtenden Niederlage der Römer an einem herbstlichen Tag des Jahres 9 nach Christus gipfelte, sollte auch direkte Auswirkungen auf Koblenz haben. mehr ...
Koblenz - Obwohl die Römer nach wie vor als Gründer von Koblenz gelten, beflügeln die jahrtausendealten neuen archäologischen Funde aus dem Stadtgebiet die Fantasie. Ist das heutige Oberzentrum im Kern noch viel älter als gedacht? Die Frage liegt in der Tat auf der Hand – auch wenn man nicht so vermessen sein sollte, den Menschen der Jungsteinzeit die Gründung einer größeren Siedlung zuzuschreiben. Beim Blick in die Eisenzeit wird das ganz anders. Denn jetzt meldet sich ein Volk zu Wort, das wie kein anderes die Urgeschichte Westeuropas geprägt hat: die Kelten.
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Koblenz - Wie alt ist unsere Stadt? Als 1992 ein ganz besonderes Jubiläum gefeiert wurde, schien die Antwort auf diese Frage klar auf der Hand zu liegen: Es waren die Römer, die vor 2000 Jahren den günstigen strategischen Ausgangspunkt am Zusammenfluss von Rhein und Mosel für sich zu nutzen wussten. Erst eine Holzbefestigung, dann eine Siedlung und schließlich ein steinernes Kastell, aus dem schließlich die mittelalterliche Stadt entstand: Dieser Entwicklungsstrang wurde immer wieder gern ins Spiel gebracht. Als Beweis dienten die spärlich fließenden schriftlichen Quellen der Antike. Dieser scheinbar fest gefügte Dreiklang bedarf jetzt dringend einer Korrektur. Koblenz ist nämlich deutlich älter als lange angenommen.
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