Dem Neuwieder Regenbogenhaus droht das Aus
Von unserem Redakteur Philipp Daum
Neuwied - Im Kalender ist der Tag mit einer dicken Träne versehen. Ruediger Herzog hat sie mit Bleistift dorthin gemalt. Sie markiert ein für das Regenbogenhaus in Neuwied sehr trauriges Datum. Mitte März wird der Erzieher Andreas Witzel die Einrichtung in der Heddesdorfer Straße verlassen, und Herzog wird seinen Kollegen verabschieden müssen.
Er wird das Regenbogenhaus dann ganz alleine leiten und die zahlreichen Angebote und Programme selbst planen müssen. "Es wird eine gebührende Abschiedsfeier für Andreas geben", sagt Herzog, doch nach einer Party ist ihm überhaupt nicht zumute. "Das ist bitter für uns alle. Wir verlieren nicht nur einen wunderbaren Mitarbeiter. Der Fortbestand des Regenbogenhauses ist dadurch massiv in Gefahr."
Das Regenbogenhaus ist ein offener Treff für alle Kinder im Alter von 6 bis 14 Jahren. Das Angebot ist vielschichtig. Im Werkraum können die Kinder mit Holz, Stein, Ton oder anderen Materialien bastelt und werkeln. In der Küche steht das gemeinsame Kochen und Backen ganz hoch im Kurs. Natürlich gibt es auch einen großen Raum im Erdgeschoss, wo Billard und Tischfußball gespielt werden kann. Einen Ort zum Zurückziehen und Lesen gibt es auch. Wenn Andreas Witzel hier die Schlüssel im März abgibt, wird er insgesamt zwei Jahre als Erzieher im Regenbogenhaus tätig gewesen sein. Noch arbeitet er hier auf einer Dreiviertelstelle, die größtenteils durch eine befristete Maßnahme der Bundesagentur für Arbeit finanziert wird. Die Stadt Neuwied schießt jährlich einen Betrag von 13 000 Euro dazu. Diese Regelung wurde Ende 2009 per Stadtratsbeschluss festgelegt und bezog sich auf einen Zeitraum von zwei Jahren - und der ist jetzt abgelaufen.
"Damals hatte der Kinderschutzbund, der heute immer noch Träger des Regenbogenhauses ist, eine Aufstockung des Personals in dieser Einrichtung gefordert. Diese sollte von der Stadt finanziert werden", betont der Jugendamtsleiter Wolfgang Hartmann. "Der Antrag wurde im Rat abgelehnt. Es wurde aber ein Kompromiss ausgearbeitet. Man einigte sich darauf, dass die Stadt Neuwied zwei Jahre lang den Restbetrag zu den durch die Arbeitsagentur finanzierten Personalkosten übernimmt." Gleichzeitig sei dem Kinderschutzbund deutlich gemacht worden, dass er nach den zwei Jahren die Personalkosten selbst tragen müsse. Im Übrigen zahle die Stadt die Miete für das Regenbogenhaus.












Diesen Artikel versenden