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Ein Konzertprogramm zum schwindelig werden im Birkenfelder Schloss

Birkenfeld - Einen fulminanten Auftakt zur Saisoneröffnung der diesjährigen Reihe "Weltklassik am Klavier" im Schloss Birkenfeld bot die Pianistin Sarah Soyeon Kim. Schon bei näherer Betrachtung des Konzertprogramms konnte einem schwindelig werden: Mit Ravels "Gaspard de la Nuit", Brahms Paganini-Variationen op. 35 und Liszts Dante-Sonate hatte sich die preisgekrönte Pianistin gleich drei hochvirtuose Stücke ausgesucht, die der Titel "Romantik pur" nicht unbedingt hätte erwarten lassen.

Sie setzte Maßstäbe im Birkenfelder Schloss: Die südkoreanische Pianistin Sarah Soyeon Kim spielte einige der größten Herausforderungen der Klavierliteratur mit Bravour und herausragender Technik.
Reiner Drumm

Die 29-jährige gebürtige Südkoreanerin begann noch verhalten mit Franz Schuberts Impromptu op. 142 Nr. 3, auch bekannt als "Rosamunde-Variationen". Mit der Liszt‘schen Transkription des Schubert-Liedes "Auf dem Wasser zu singen" gewährte sie einen ersten Einblick in ihre virtuose Spieltechnik, wenngleich der geschulte Hörer wie schon im Impromptu eine prononciertere Darstellung einiger interessanter harmonischer Verbindungen vermisste.

Höhepunkt des ersten Teils war Maurice Ravels "Gaspard de la Nuit", das unter Pianisten als eine der größten Herausforderungen der Klavierliteratur gilt. Ravel hat mit der Komposition insbesondere des dritten Satzes "Scarbo" erklärtermaßen das schwierigste Solostück der Klaviermusik überhaupt schaffen wollen. Den ersten Satz "Ondine", benannt nach der mythologischen Nixe, prägt vor allem die Darstellung des in der Dämmerung glitzernden Wassers mit seinen schnellen unregelmäßigen Akkordtremoli, die nicht leise genug sein können. Sarah Soyeon Kim schaffte es, hier eine gespannte erwartungsvolle Atmosphäre im Saal zu erzeugen, die leider durch einen deplatzierten Applaus am Ende des Satzes etwas verloren ging. So dauerte es bis zur Mitte des "Le Gibet" - dem Galgen -, bis sie diese Stimmung wieder aufbauen konnte. Dem Publikum ist hier kein Vorwurf zu machen, denn das äußerst spärliche Programmheft ließ sowohl jeden erklärenden Hinweis auf die gespielten Werke als auch die Satzfolge des "Gaspard" vermissen.

In diesem zweiten Satz, der den Blick auf einen Erhängten im roten Sonnenuntergang eröffnet, wusste die Pianistin einen runden, typisch impressionistischen Sfumato-Klang zu erzeugen. "Scarbo", der gefürchtete dritte Satz, gelang ihr dank herausragender Technik bravourös, auch wenn man sich diesen umtriebigen, schlaflose Nächte bereitenden Kobold noch grotesker und unheimlicher hätte wünschen können.

Brahms‘ Paganini-Variationen op. 35, die von Clara Schumann auch als die "Hexen-Variationen" bezeichnet wurden, standen nach der Pause auf dem Programm. Die 2 mal 15 wahrlich teuflisch schweren Veränderungen der letzten Paganini-Caprice meisterte Kim mit technischer Brillanz und Leidenschaft und machte sie damit uneingeschränkt zum Höhepunkt des Abends. Das Publikum war zu Recht hingerissen, hätte aber danach eine kleine akustische Verschnaufpause gebraucht.

Kim hingegen war der direkt im Anschluss an dieses Hammer-Werk noch gespielten Fantasia quasi Sonata "Après une Lecture de Dante" von Franz Liszt - die sich auf Dante Alighieris "Divinia Commedia" bezieht - konditionell durchaus gewachsen. Auch hier konnte sie (abgesehen von der Einleitung, wo der bezeichnende Tritonus als Intervall des Teufels noch mehr Gewichtung verdient gehabt hätte) ebenso wie in der Zugabe - die Paganini-Etüde "La Campanella" von Franz Liszt - ihre überragende Virtuosität unter Beweis stellen. Das war ein Maßstäbe setzender Auftakt dieser anspruchsvollen Konzertreihe.   Kathrin Isabelle Klein

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