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    WeltersburgWindrad Weltersburg dreht sich seit 100 Jahren

    Weithin sichtbar dreht sich das Windrad in Weltersburg, das am 6. Dezember 1912 eingeweiht wurde. Das Jubiläum nimmt die Ortsgemeinde zum Anlass, ein "Windradfest" zu feiern. Dabei wird auch an die interessante Geschichte dieser Anlage informiert, die einst zur Wasserversorgung der Ortsgemeinde diente.

    Für die Weltersburger war die Einweihung der Windturbine am 6. Dezember 1912 ein epochales Ereignis, denn die tägliche Arbeit des Wasserholens war  nun endlich vorbei.
    Für die Weltersburger war die Einweihung der Windturbine am 6. Dezember 1912 ein epochales Ereignis, denn die tägliche Arbeit des Wasserholens war nun endlich vorbei.

    Weltersburg - Weithin sichtbar dreht sich das Windrad in Weltersburg, das am 6. Dezember 1912 eingeweiht wurde. Das Jubiläum nimmt die Ortsgemeinde zum Anlass, ein "Windradfest" zu feiern. Dabei wird auch an die interessante Geschichte dieser Anlage informiert, die einst zur Wasserversorgung der Ortsgemeinde diente. 

    Bedingt durch die besondere Lage an einem nach allen Seiten hin abfallenden Burgberg, hatten die Weltersburger zu früheren Zeiten Probleme mit der Wasserversorgung. Es gab zwar einige Zieh- und Schöpfbrunnen, die jedoch in den heißen Sommermonaten schnell austrockneten. Die Dorfbewohner mussten dann bis „Ottenstein“ oder zu den „Elbbachwiesen“ laufen, um Wasser zu holen.

    Im Jahr 1864 entschloss sich die Gemeinde, an der Stelle, wo sich das Windrad heute dreht, einen neuen Brunnen zu graben. Aber auch nach einer 100 Fuß tiefen Grabung konnte keine ausreichende Wassermenge gefunden werden. Nur eine Quellbohrung im Bereich des Watzenhahn brachte den gewünschten Erfolg.

    Bereits 1891 fuhren einige Weltersburger Bürger nach Solingen, um sich dort eine Windturbine anzusehen. Daraufhin stand der Entschluss fest, ein Windrad zu errichten, welches das Wasser aus der Quelle am Watzenhahn ins Dorf pumpen sollte. Aus Kostengründen wurde das Vorhaben allerdings zurückgestellt, denn es stand wohl zuerst der Neubau der „alten Schule“ (1900) an. Es vergingen viele Jahre bis durch den Verkauf einer größeren Menge Holz aus dem Gemeindewald die finanziellen Mittel bereitstanden und das Projekt „Windrad“ in Angriff genommen werden konnte.

    1907 wurden die ersten Entwürfe für den Bau einer Hochdruckwasserleitung einem „Meliorationsbaubeamten“ in Dillenburg vorgelegt, die Genehmigung des Ministeriums für Landwirtschaft, Domänen und Forsten in Berlin erfolgte im April 1911. Zunächst waren eine Quellbohrung und die Sicherung der Quelle im Gemeindewald erforderlich. Ein zwei Kilometer langer Graben musste ausgehoben werden, um die Wasserleitung bis zum Dorf zu verlegen. An der Stelle, wo man 1864 eine neue Brunnengrabung vornahm, wurde 1912 eine quadratische Grube ausgeschachtet und zu einem Wasserbassin (Tiefsammelbecken mit einem Inhalt von 40 Kubikmeter) ausgemauert. Dieses gemauerte Gehäuse diente als Sockel der Windturbine.

    Die „Sächsische Stahl-Wind-Motorenfabrik G. R. Herzog“ aus Dresden errichtete im gleichen Jahr eine „Wasserförderanlage mittels Athlet-Stahlwindmotor mit Reserve-Göpel-Antrieb“, einen 24 Meter hoher Eisenturm mit einem fünf Meter Rad im Durchmesser obenauf. Aufgrund des natürlichen Gefälles zwischen Quelle und Tiefsammelbecken konnte das Quellwasser frei in das Wasserbassin laufen. Von dort wurde das Wasser durch die windkraftangetriebene Pumpstation in den am Burgberg neu errichteten Hochbehälter (75 Kubikmeter Inhalt) gepumpt. Das Becken lag höher als jedes Wohnhaus, sodass das Wasser nun durch Eigendruck in die Haushalte fließen konnte. Vorraussetzung war allerdings, dass die Haushalte Wasserleitungen legen ließen.

    Am 6. Dezember 1912 wurde die Windturbine eingeweiht. Das war für die Weltersburger  ein epochales Ereignis, denn die tägliche Arbeit des Wasserholens war endlich vorbei. Sieben Jahre nach der Einweihung wurde Weltersburg 1920 an das Stromnetz angeschlossen und bald konnte eine elektrische Pumpe das Wasser wetterunabhängig in die Haushalte pumpen. Es war jedoch weiterhin möglich, die Pumpe durch Windkraft in Bewegung zu setzen und dadurch Strom sparen.

    Mitte der 1920er-Jahre wurden einige Blätter des Windrades durch einen Sturm herausgerissen. Vorsichtshalber wurden daraufhin sechs Blätter entfernt. Mit den verbleibenden 12 Blättern präsentiert sich das Rad noch heute. Eine neue Elektropumpe wurde 1953 installiert.

    Als Girkenroth Anfang 1960 einen neuen Hochbehälter errichten wollte, schloss sich die Gemeinde Weltersburg dem Vorhaben an und konnte damit die eigene Versorgung zukunftssicher machen. Beide Gemeinden gründeten einen Wasserzweckverband und 1966 wurde in Girkenroth der neue Hochbehälter seiner Bestimmung übergeben. Weltersburg ist heute nach dem Bau einer Verbundleitung an die Wasserversorgungsanlagen Girkenroth und Obersayn angeschlossen. Probleme mit der Wasserversorgung gehören längst der Vergangenheit an. Geblieben ist das weithin sichtbare Windrad - ein Oldtimer der Windnutzung-Wahrzeichen und Industriedenkmal der Gemeinde Weltersburg.

    100 Jahre Windrad und Mostfest der Freizeitmannschaft

    Das Fest beginnt am Sonntag, 21. Oktober, um 11 Uhr im Gemeindehaus. Die Musikalische Gestaltung erfolgt durch den MGV Liederkranz und den Musikverein der Freiwilligen Feuerwehr Weltersburg. Eine Ausstellung zeigt die alten Originalbaupläne des Windrades, der Wasserleitung sowie die Pläne moderner Versorgungsleitungen (VG-Werke). Zudem gibt es einen Film über die letzte Reparatur im Jahr 2011/2012 zu sehen. Auch für die Verköstigung der Besucher ist mit Gegrilltem, Festbier, Kaffee, Kuchen und Waffeln bestens gesorgt. Aufgestellt ist eine Apfelsaftpresse, und die Kinder können sich beim Apfeldruck vergnügen. Von unserer Reporterin Angela Baumeier

    Quelle: Chronik der Weltersburger Ortsgeschichte, Band 4.

     

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