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  • Urteil Geistig Behinderter (59) begrapschte Mädchen vor ihrem Haus

    Siebenjährige missbraucht: Gericht spricht Täter frei

    Westerwaldkreis/Koblenz. Freispruch im Prozess um sexuellen Missbrauch im Westerwaldkreis: Er verging sich an einem Kind und wirkte vor Gericht selbst wie ein Junge auf der Schulbank. Der geistig behinderte Mann (59) begrapschte und missbrauchte ein siebenjähriges Mädchen auf offener Straße. Und doch hat ihn das Landgericht Koblenz jetzt freigesprochen. Der 59-Jährige muss weder ins Gefängnis noch in eine gefängnisähnliche Psychiatrie. Er konnte das Gericht als freier Mann verlassen.

    Symbolbild: dpa​
    Symbolbild: dpa​

    Der Vorsitzende Richter Martin Schlepphorst sagte: „Es war für uns auch nicht ganz einfach.“ Aber: „Wir gehen alle davon aus, dass sich ein Sexualdelikt nicht mehr wiederholt.“ Demnach missbrauchte der Mann das Mädchen im Zustand verminderter Schuldfähigkeit. Psychiater Dr. Thomas Meyer resümierte in seinem Gutachten vor Gericht: „Am helllichten Tag, in der Öffentlichkeit, unter Anwesenheit von Zeugen – so verhält sich kein Sexualstraftäter. Der wusste nicht, was er tut.“

    Das geschah laut Urteil am 14. August 2015 in einem Dorf im Westerwaldkreis: Es ist ein schöner Sommertag, als sich die Wege des 59-Jährigen und der Siebenjährigen kreuzen. Er will zu seiner Tante. Sie spielt mit anderen Kindern vor ihrem Haus. Er spricht sie an, packt sie am Arm, zieht ihren Rock hoch – und missbraucht sie mit einem Gegenstand. Jedoch gelingt es dem Mädchen, sich loszureißen.

    Der Mann ist seit seiner Geburt geistig behindert, kann weder lesen, noch schreiben, spricht in unvollständigen Sätzen – und habe die Siebenjährige laut Psychiater als Partner auf gleichem Niveau empfunden. Denn auch er sei auf dem geistigen Stand eines Kindes zur Einschulung. Anhaltspunkte für eine pädophile Neigung gäbe es demnach nicht.

    Das bestätigte auch die Familie des 59-Jährigen. Seine Mutter sagte: „Wir verstehen uns sehr gut. Es gab nie Probleme.“ Sein Bruder: „Er hat an dem Abend geweint und gesagt, dass er nichts gemacht hat. Ich glaube ihm!“ Sein Cousin: „Es ist nie etwas gewesen. Klar kann er mal tapsig werden. Aber dass er ein Mädchen anfasst – das kann ich mir nicht vorstellen.“

    Kritischer äußerte sich ein Mitarbeiter des Wohnheims, in dem der geistig behinderte Mann seit 40 Jahren lebt. Der 59-Jährige habe immer öfter Wutausbrüche, greife das Personal an, einer Pflegerin fügte er eine Kopfverletzung zu. Das Fazit des Mitarbeiters: „Die Einrichtung kommt mit ihm an ihre Grenzen.“

    Doch das Gericht stellte im Urteil klar: Der Mann dürfe nicht in eine Psychiatrie eingeliefert werden, nur weil seine derzeitige Einrichtung personelle Probleme hat. Ja, es habe Impulsausbrüche gegeben. Ja, es wird auch zukünftig welche geben – denn der Mann ist unheilbar krank. Aber: Man könne nicht jeden Kranken wegsperren. Deshalb dürfe der Mann auch nicht in einer gefängnisähnlichen Psychiatrie untergebracht werden. „Diese Maßnahme kommt oft einer lebenslangen Freiheitsstrafe gleich“, betonte Richter Schlepphorst.

    Das Urteil ist noch nicht rechtkräftig.

    Von unserem Reporter Eugen Lambrecht

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