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  • Nadel und Faden haben Weltmeister in Form gebracht

    Langenhahn/Westerburg. Dass Winfried Abresch (72) einmal Schneidermeister werden sollte, war ihm eigentlich in die Wiege gelegt. Schließlich betrieb sein Vater Willi (Wilhelm) schon eine Nähstube in Langenhahn. Doch lange Zeit zielte sein Berufswunsch in eine ganz andere Richtung: Koch wollte er werden.

    Winfried Abresch hat durch seine Arbeit als Schneidermeister viele berühmte Fußballer kennengelernt. Noch heute sitzt er gerne an seiner Nähmaschine. Wer ihn in seiner Werkstatt in Langenhahn besucht, bekommt einen Witz gratis erzählt - ebenso wie Fußballergeschichten. Foto: Röder-Moldenhauer
    Winfried Abresch hat durch seine Arbeit als Schneidermeister viele berühmte Fußballer kennengelernt. Noch heute sitzt er gerne an seiner Nähmaschine. Wer ihn in seiner Werkstatt in Langenhahn besucht, bekommt einen Witz gratis erzählt - ebenso wie Fußballergeschichten.
    Foto: Röder-Moldenhauer

    Auch wenn er sich nebenbei bereits als Junge sein Taschengeld damit verdiente, Kunden die Hosen zu kürzen. "In sieben Monaten hatte ich das Geld für ein Drei-Gang-Vaterlandfahrrad zusammen. 174 DM. Das war damals der Mercedes unter den Fahrrädern", erzählt er schmunzelnd.

    Und eigentlich, ja eigentlich war das alles auch schon abgemachte Sache. Schließlich kannte der Herr Papa einen Koch in München, der den jungen Winfried in die Lehre nehmen wollte. Doch als dieser 1958 verunglückte, fällte der damals 14-Jährige eine Entscheidung fürs Leben: Vorübergehend wollte er dann doch die Schneiderlehre aufnehmen, um vor allem in der Region bleiben zu können. "Wegen der Freunde. Ich bin immer Wäller geblieben", sagt er. Aus dem "vorübergehend" wurde schnell die Gewissheit, mit Nähnadel und Schere auf dem richtigen Weg zu sein. Ein Entschluss, den der heute 72-Jährige nie bereut hat - brachte der Beruf ihm doch nicht nur das täglich Brot ein, sondern vor allem auch unzählige Begegnungen mit Menschen - und die Gelegenheit für den begeisterten Hobbyfußballer, hautnah Kicker wie Michael Ballack kennenzulernen.

    Voraussetzung dafür war, dass Winfried Abresch mit 22 Jahren im April 1966 seinen Meister machte. Nun war er berechtigt, den Titel "Schneidermeister" zu führen, sich selbstständig machen zu können und nach der Vollendung des 24. Lebensjahres auch Lehrlinge auszubilden. Insgesamt 12 junge Leute bildete er dann im Laufe der Jahre aus.

    Bis 1970 führte er mit seinem Vater Willi die "Schneiderei Abresch" in Langenhahn, dann zog er nach Westerburg. Zunächst in die Neustraße 30, dann in die Neustraße 18, wo er seinen legendären "Hosenshop" führte. Die Tür stand ständig offen, der Laden wurde zum Kommunikationszentrum, wo Winfried Abresch nicht nur Jeans verkaufte, sondern quasi alles zu nähen verstand, was sich Kunden wünschten - vom exklusiven Sakko bis hin zur Notoperation an einer verletzten Taube, die ihm deren Eigentümer verzweifelt entgegenstreckte. Wer zu Winfried Abresch kam, konnte gewiss sein, einen Witz erzählt zu bekommen, perfekt sitzende Kleidung zu erhalten - und in punkto Fußball auf den neuesten Stand gebracht zu werden.

    Es war 1994, als Winfried Abresch angefragt wurde, ob er beim Einkleiden der Fußball-National-Elf behilflich sein könne, also nötige Änderungen an den Anzügen vornehmen würde. "Die A-Mannschaft habe ich bis 2004 begleitet, die U 17-Mannschaft bis vor vier Jahren", berichtet er, und dass er auch für die Damennationalmannschaft unter Steffi Jones aktiv wurde. Mit Garnen aller Sorten, Scheren, Nähmaschine, Bügeleisen und Bügelbock im Gepäck reiste er bei Bedarf los, wenn er vom DFB gerufen wurde. Er lernte dabei Trainer und Fußballer wie Berti Vogts, Rudi Völler, Oliver Bierhoff, Oliver Kahn, Miroslav Klose … kennen. "Das hat mir Riesenspaß gemacht. Ich war so happy! Hab nachts ganz wenig geschlafen und am nächsten Tag weiter gemacht", erinnert er sich. Freundschaften entstanden, noch heute hat der Schneidermeister die Handynummer von Miroslav Klose.

    Viele Fotos dokumentieren die Begegnungen mit den Stars, und noch heute bekommt der "Mister Hosenshop" Grüße vom DFB, erzählt seine Frau Ellen. Wenn Winfried Abresch, der seit 2010 in Langenhahn eine Änderungsschneiderei betreibt, dort an seiner "berühmten" Nähmaschine sitzt, werden angesichts der aufgehängten Fotos Erinnerungen an seine Fußballerbegegnungen wach. Nicht nur diese Bilder schmücken die Wände, auch sein Meisterbrief hat dort einen Ehrenplatz - sowie sicher bald der Goldene Meisterbrief, den er in wenigen Tagen erhalten wird.

    Apropos Berufstraum: So ganz hat der Mann mit den "goldenen Händen" und dem genauen Blick für Konfektionsgrößen seinen ursprünglichen Berufswunsch doch nicht aufgegeben: Noch heute kocht er gern. Vor allem spezielle Westerwälder Gerichte wie Deppekuchen.

    Von unserer Reporterin Angela Baumeier

    Winfried Abresch schneiderte für viele Fußballstars
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