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  • Infoabend: Keine Wohncontainer auf dem Stegskopf

    Daaden. Die Veranstaltung in Daaden ist weit vorangeschritten, die meisten sind Reden gehalten, da spricht eine Frau aus, was in diesem Moment viele im Saal denken. "Ich hatte eigentlich eine Zahl erwartet", sagt Luise Kölzer, eine Flüchtlingshelferin im Ehrenamt.

    Standen auf dem Podium im evangelischen Gemeindehaus in Daaden Rede und Antwort (von links): Günter Knautz (Ehrenamtliche Flüchtlingshilfe Heller-Daadetal), Ise Thomas, Detlef Placzek (beide Integrationsministerium Rheinland-Pfalz), Landrat Michael Lieber, Dr. Christine Binz (Institut für Sozialpädagogische Forschung Mainz), Holger Rittinger (Kommissarischer Leiter AfA Stegskopf) und Daadens Ortsbürgermeister Walter Strunk.  Foto: Daniel Weber
    Standen auf dem Podium im evangelischen Gemeindehaus in Daaden Rede und Antwort (von links): Günter Knautz (Ehrenamtliche Flüchtlingshilfe Heller-Daadetal), Ise Thomas, Detlef Placzek (beide Integrationsministerium Rheinland-Pfalz), Landrat Michael Lieber, Dr. Christine Binz (Institut für Sozialpädagogische Forschung Mainz), Holger Rittinger (Kommissarischer Leiter AfA Stegskopf) und Daadens Ortsbürgermeister Walter Strunk.
    Foto: Daniel Weber - daw

    Von unserem Redakteur Daniel Weber

    Doch wer an diesem Abend gehofft hatte, dass die Landesvertreter im evangelischen Gemeindehaus eine konkrete Aussage darüber treffen, wie viele Flüchtlinge jetzt und in Zukunft maximal in der Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende (AfA) Stegskopf untergebracht werden dürfen, wird enttäuscht.

    Immerhin: Eine wichtige Zusage kann Ise Thomas vom rheinland-pfälzischen Integrationsministerium machen. In der AfA sollen auch künftig Flüchtlinge nur in den vorhandenen Gebäuden einquartiert werden. Dies, so Thomas, sei eine zentrale Erkenntnis aus der Verträglichkeitsstudie für den Stegskopf, deren Ergebnisse am Freitagabend erstmals öffentlich vorgestellt wurden (siehe Text rechts). Demnach werden weder Wohncontainer noch Zelte aufgebaut, wodurch sich indirekt faktisch eine Belegungsobergrenze bei circa 2200 Personen ergibt. Die Kommunen rund um den Stegskopf indes fordern bekanntlich seit Monaten eine Deckelung bei 1500.

    Rund 60 Interessierte waren der Einladung des Wäller Bündnisses für Menschlichkeit und Toleranz zu diesem Infoabend gefolgt, darunter zahlreiche Aktive der Ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe Heller-Daadetal (EFH), aber auch politisch Verantwortliche wie Wolfgang Schneider (Bürgermeister VG Herdorf-Daaden), Sabine Willwacher (Stadtbürgermeisterin Bad Marienberg), Heinz Dücker (Ortsbürgermeister Emmerzhausen) oder die beiden Landtagskandidatinnen Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) und Anna Neuhof (Bündnis 90/Grüne). Auf dem Podium stellten sich neben Ise Thomas Detlef Placzek (Flüchtlingskoordinator Rheinland-Pfalz), Landrat Michael Lieber, Holger Rittinger (Kommissarischer Leiter der AfA Stegskopf), Daadens Ortsbürgermeister Walter Strunk sowie Günter Knautz (Gesamtkoordinator der EFH) den Fragen der Zuhörer.

    Placzek: "Neuer Zustrom erwartet"

    Nun erscheint eine Diskussion darüber ob der Stegskopf 1500, 2200 oder mehr Menschen "verträgt" mit Blick auf die aktuellen Zahlen zunächst müßig. Denn Stand Freitagmorgen befanden sich laut Flüchtlingskoordinator Placzek gerade mal 263 Bewohner in der Einrichtung - deutlich weniger also als noch vor Jahreswechsel, als zeitweilig mal rund 1300 Flüchtlinge in der AfA einquartiert waren. Aber Placzek betont zugleich, der Flüchtlingsstrom könne angesichts der Lage an der griechisch-mazedonischen bald wieder zunehmen. "Dort warten 21 000 Menschen, die nicht weiterkommen. Dort muss etwas geschehen, sonst droht eine humanitäre Katastrophe." Der Stegskopf, ist sich Placzek sicher, werde daher weiterhin gebraucht, zumal anderswo im Land die Menschen nach wie vor notdürftig in Gewerbehallen einquartiert sind. Weil das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) entgegen anfänglicher Pläne auf dem Stegskopf keine Außenstelle einrichtet, werde das Land die AfA durch eigenes Personal (circa 20 Mitarbeiter) aufstocken, wodurch sie den Status einer "großen Landeseinrichtung" erhält. Als solche bekommt sie laut Placzek eine eigene, ständig präsente Ermittlungsgruppe der Polizei. Als "ausbaufähig" sieht er die Bereiche Gesundheitsversorgung und Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt an.

    Landrat Michael Lieber als Chef der Ausländerbehörde und des Gesundheitsamts sowie als Vorsitzender des Kreis-DRK dankt "allen, die geholfen haben, dass die Einrichtung ans Laufen gekommen ist". Die Sozialstation laufe gut, und die ehrenamtlichen Helfer seien mit Engagement und Empathie bei der Sache. "Wir haben aber kurzzeitig schon erfahren, dass es Grenzen der Belastbarkeit gibt", betont Lieber, und dass man noch immer hier und da mit Anlaufschwierigkeiten zu kämpfen habe. Er warnt deshalb davor, die Region durch eine zu hohe Belegung auf dem Stegskopf zu überfordern.

    Knautz: "Mühlen mahlen langsam"

    Daadens Ortschef Walter Strunk zollt der ehrenamtlichen Begleitung der Flüchtlinge im Daadetal großen Respekt: "Hier bewegt sich sehr viel." Damit sei die Grundvoraussetzung für eine schnelle Integration vorhanden. Voraussichtlich ab 1. März, so Strunk, werden die Pendelbusse vom Stegskopf auch Daaden anfahren. Bislang seien im Ort keine negativen Vorkommnisse im Zusammenhang mit Flüchtlingen zu Ohren gekommen.

    Dass der Stegskopf aktuell nur spärlich belegt ist, kommt der AfA-Verwaltung gelegen, schließlich, so ihr Leiter Holger Rittinger, befinde man sich nach dem Schnellstart im Herbst in einer "Konsolidierungsphase", Büros und Infrastruktur könnten nun mit mehr Ruhe eingerichtet werden. "Wir beginnen immer mehr wie eine richtige Behörde zu arbeiten, was aber auch bedeutet, dass die Dinge etwas länger dauern." So seien bei der Vergabe von Gewerken Fristen und Vorschriften einzuhalten.

    Gerade die überbordende Bürokratie stößt aber bei Günter Knautz von der Flüchtlingshilfe auf Kritik. Die 18 Arbeitsgruppen mit insgesamt 400 Helfern seien sehr engagiert, noch immer aber warte man darauf, auf dem Stegskopf ein Begegnungscafé einrichten zu können. "Die Mühlen mahlen sehr langsam." Damit es bei den Helfern nicht zu Frust kommt, fordert Knautz vom Land Strukturverbesserungen ein. Auch der frühere Daadener Schulleiter Walter Ecker findet, statt "Kompetenzgerangel" seien pragmatische Lösungen gefragt. Ähnlich denkt Robert Lindenbeck. Der Beigeordnete aus Emmerzhausen will wissen, warum es keine engere Zusammenarbeit mit der Einrichtung im nahe gelegenen Burbach gibt. Doch das ist, so Placzek, ein "heikles Thema", die Hürden durch die Landesgrenze seien sehr hoch.

    Bürokratische Hemmnisse bestehen offenbar auch bei der Verteilung der AfA-Bewohner auf die umliegenden Gemeinden. Aus der Flüchtlingshilfe seien bereits viele freundschaftliche Beziehungen entstanden, betont Ralf Henrich aus Daaden. Folglich sei es doch wünschenswert, jene Menschen, die hierbleiben wollten, auch in der Region zu behalten. Auch dies sei "kompliziert", entgegnet Placzek daraufhin. Bei der Verteilung auf die Kommunen spielten viele Faktoren wie vorhandener Wohnraum und Aspekte der Familienzusammenführung mit rein. Seine Antwort daher: "Gehen Sie bis auf Weiteres nicht davon aus, dass diejenigen, um die Sie sich kümmern, auch hierbleiben."

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