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    HachenburgHachenburg geht in der Altersmedizin neue Wege

    Die Zahlen sind alarmierend: Jährlich stürzen deutschlandweit rund 30 Prozent der über 60-Jährigen und 40 Prozent der über 80-Jährigen. Osteoporose und altersbedingte Funktionsstörungen führen hier nicht selten zu Oberschenkelhalsfrakturen.

    Von unserem Chefreporter Markus Kratzer

    Seit geraumer Zeit befasst man sich am DRK-Krankenhaus in Hachenburg intensiv mit neuen Wegen in der Altersmedizin. Ziel: am Schnittpunkt zwischen stationärem Aufenthalt und der weiteren ambulanten Behandlung zu Hause oder im Pflegeheim gemeinschaftlich die richtigen Weichen zu stellen. Oberarzt Klaus Peter Weber, der zusammen mit Dr. Karl-Wilhelm Christian das Projekt angestoßen hat, hat inzwischen weit über Hachenburg hinaus Interesse an dem interdisziplinären Ansatz in der Traumatologie (Unfallheilkunde) wecken können, von Hausärzten über Pflegeeinrichtungen und Krankenkassen bis hin zum Mainzer Gesundheitsministerium.

    Der Unfallchirurg und der Anästhesist sehen das Projekt „Neue medizinische Versorgungsstrukturen im Alter (Nevestia) auf drei Säulen: Unter dem Schlagwort „Spezifikation“ fassen sie den Aufbau einer Abteilung für Alterstraumatolgie und Geriatrie am Krankenhausstandort zusammen. Bei der „Visitation“ (etwa in einer Pflegeeinrichtung) sitzen Unfallchirurg, Pflegefachkraft, Wundmanager, Physiotherapeut und Pharmazeut an einem Tisch, um über die bestmögliche individuelle Behandlung eines Patienten zu beraten. Der Bereich „Qualifikation“ beschreibt eine umfassende altersmedizinische Weiterbildung von Pflegekräften aus Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen. Hier kooperiert man inzwischen mit dem Gesundheitsministerium, der Landeszentrale für Gesundheitsförderung (LZG) und der pflegewissenschaftlichen Fakultät der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar.

    Für Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler wird das geriatrische Co-Management von hoch spezialisierten Fachkompetenzen bei der verbesserten Behandlung des Alterstraumas künftig unerlässlich sein. Dabei will man sich die Erfahrungen aus dem Westerwald zunutze machen. „Ziel ist es, aus der Initiative in Hachenburg ein Projekt zu entwickeln, um die Behandlungskette in der Alterstraumatologie exemplarisch nahtlos zu gestalten und damit die medizinische Versorgung von Hochbetagten zu verbessern“, so die Ministerin im Gespräch mit unserer Zeitung. Das Projekt stecke zwar noch in den Kinderschuhen, werde aber mit viel Engagement von den beteiligten Professionen vor Ort umgesetzt, erläutert Bätzing-Lichtenthäler. „Wir werden das Projekt so gestalten müssen, dass es gut in die Regelversorgung überführbar sein wird. Wenn sich tatsächlich Kosteneinsparungen ergeben, ist das gut so, denn wir sind auch gefordert, die Wirtschaftlichkeit der medizinischen Versorgung im Blick zu haben“, unterstreicht die Ministerin.

    Vom Grundgedanken begrüßt auch Thomas Stahl von der AOK Rheinland-Pfalz/Saarland in Montabaur den in Hachenburg praktizierten interdisziplinären Einsatz. „Ich habe selbst an einer Visitation teilgenommen und war beeindruckt, wie dort alle in die Betreuung eines älteren Menschen involvierten Personen zusammenwirken“, erklärt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Grundsätzlich stehe die Gesundheitskasse, die mit rund 1,2 Millionen Versicherten in beiden Bundesländern der größte Krankenversicherer in dieser Region ist, diesem Ansatz „nicht ablehnend“ gegenüber. Stahl verweist aber auf die gesetzlichen Rahmenbedingungen, die es noch anzupassen gelte. In diesem Zusammenhang nannte er neben formal-juristischen Punkten auch die Frage der ärztlichen Haftung, die noch geklärt werden müsste. „Es liegt in unserem Interesse, einen Projektstatus zu entwickeln, und da werden wir uns auch im gesetzlichen Rahmen einbringen“, so der Versicherungsexperte. Er geht davon aus, dass nach zwei bis drei Jahren eine Bewertung vorgenommen und auch die Frage beantwortet werden kann, ob sich Kosten senken lassen. „Wichtig ist, dass das Wohl des Patienten im Vordergrund steht und dass nicht zu viele parallel nebeneinander arbeiten“, streicht er noch einmal seine positiven Eindrücke bei der Visitation heraus. Auf gutem Weg sieht Stahl schon die Schulung und Ausbildung in der Pflege, die in Hachenburg um den Aspekt der Altersmedizin erweitert wurde.

    Auch Bürgermeister Peter Klöckner räumt ein, dass es noch eine Reihe dicker Bretter zu bohren gilt, bis das Hachenburger Projekt in Serie gehen kann. Doch die bundesweite Anerkennung, die die Initiative in Fachkreisen erfährt, stimmt ihn optimistisch: „Ich muss hier allen Beteiligten ein großes Kompliment für ihre Steherqualitäten machen“, so Klöckner.

    Klaus Peter Weber ist sich sicher, dass das „Leuchtturmprojekt für den Standort Hachenburg“ auch ein Lösungsansatz über den Westerwald hinaus sein kann. „Unser Anspruch muss es sein, die finanziellen Mittel im Gesundheitswesen sozial gerechter zu verteilen“, will Dr. Karl-Wilhelm Christian aber auch den monetären Aspekt nicht kleinreden.

    Für Fragen rund um das Thema Alterstraumatologie hat das DRK-Krankenhaus am Standort Hachenburg eine Hotline für Pflegeeinrichtungen, Hausärzte und Patienten eingerichtet. Diese ist von montags bis freitags von 7.15 Uhr bis 13.30 Uhr unter der Nummer 02662/852 121 zu erreichen. E-Mail an susanne.langenbach @drk-kh-hachenburg.de

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