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  • Früherer Kamphaus-Referent Schüller: Tebartz' Stellvertreter Kaspar ist Schlüsselfigur der Affäre

    Steinefrenz/Limburg - Bischof Tebartz-van Elst verkündete das Ausscheiden seines Stellvertreters Generalvikar Franz Josef Kaspar: Diese Nachricht war fast untergegangen. Dabei ist Kaspar die Schlüsselfigur in der Affäre um den Limburger Bischof, sagt Thomas Schüller, früherer persönlicher Referent von Tebartz' Vorgänger Franz Kamphaus. Der Vorwurf des Kirchenrechtlers aus Steinefrenz: Der Vermögensverwaltungsrat mit Kaspar-Vertrauten ist seinen Aufgaben nicht nachgekommen. Das Interview im Wortlaut.

    In Limburg haben die von der Deutschen Bischofskonferenz eingesetzten "Kassenprüfer" ihre Arbeit aufgenommen. Für den renommierten Kirchenrechtler Thomas Schüller ist nicht ausgeschlossen, dass die Kommission weitere. bislang unbekannte, Sachverhalte aufdeckt.  Foto: Sascha Ditscher
    In Limburg haben die von der Deutschen Bischofskonferenz eingesetzten "Kassenprüfer" ihre Arbeit aufgenommen. Für den renommierten Kirchenrechtler Thomas Schüller ist nicht ausgeschlossen, dass die Kommission weitere. bislang unbekannte, Sachverhalte aufdeckt.
    Foto: Sascha Ditscher - Sascha Ditscher

    Was erwarten Sie von der Arbeit der "Kassenprüfer", die vor wenigen Tagen im Bistum Limburg ihre Arbeit aufgenommen haben?

    Ich erwarte eine Antwort auf die Frage, aus welchen Finanztöpfen des Bistums in wessen Verantwortung die Finanzierung des Bischofshauses mit angeschlossenen Diensträumen erfolgt ist und wer wann und wie davon gewusst hat. Rechtlich wird zu prüfen sein, ob die Zustimmungs- und Kontrollrechte der verschiedenen Organe der Finanzaufsicht im Bistum Limburg beachtet wurden oder nicht.

    Müssen wir uns auf noch schockierendere Erkenntnisse einstellen?

    In dieser die gesamte katholische Kirche belastenden Affäre haben wir schon so manche überraschende Wendung erlebt. Von daher ist nicht auszuschließen, dass die Kommission der Deutschen Bischofskonferenz auch bisher noch nicht bekannte Sachverhalte ans Tageslicht bringt. Dies ist ja auch ihre Aufgabe.

    Wie transparent sollte die Finanzsituation in den einzelnen Bistümern gemacht werden?

    Größtmögliche Transparenz aller Haushalte der verschiedenen Rechtsträger auf Ebene der Bistümer ist nun das Gebot der Stunde. Dies schafft Klarheit bei den Gläubigen, entmystifiziert die Spekulationen der Kirchenkritiker, die Kirche gehe mit ihrem Vermögen unseriös um und sei noch viel reicher als allgemein angenommen.

    Sind Sie sicher, dass sich ein solcher "Fall" künftig anderswo nicht mehr wiederholen kann?

    Einen "Fall" in dieser Dimension, der in direkter Verantwortung von Bischof und Generalvikar liegt, kann ich mir auf absehbare Zeit nicht vorstellen. Der erfahrene ehemalige Kölner Generalvikar Norbert Feldhoff hat aktuell bezogen auf Limburg zutreffend angemerkt, dass die Frauen und Männer, die in der Kirche in den Organen der Vermögenskontrolle und damit in der Aufsicht sitzen, so wörtlich keine "Weicheier" sein dürften, sondern unerschrockene sachkundige Gläubige, die ihren Bischöfen/Generalvikaren und Pfarrern auch mal ein kräftiges Nein sagen müssen, wenn diese überzogene Ausgabeansprüche artikulieren sollten. Darauf kommt es an: beim Umgang mit dem Geld der Gläubigen braucht es Rückgrat!

    Wie sehen Sie die Rolle des Vermögensverwaltungsrates des Bischöflichen Stuhls in dieser Affäre?

    Nach allem was wir wissen und was diese Herren geäußert haben, sind sie ihren Aufgaben nicht nachgekommen. Ohne einen beschlossenen Haushalt zum Beispiel Ausgaben zu genehmigen, dies darf einem Wirtschaftsprüfer, einem ehemaligen Leiter der Staatskanzlei und einem Topmanager eines katholischen Sozialimperiums nicht passieren. Sie tragen somit Mitverantwortung, weil sie ihrem "Spiritus Rector" und Freund, Generalvikar Franz Josef Kaspar, zu sehr vertraut haben.

    Was meinen Sie mit dem Begriff Schlüsselfigur?

    Dies ergibt sich schon aus seiner Funktion als Generalvikar, das heißt Chef der kirchlichen Verwaltung. Zweitens: noch bevor Kaspar Generalvikar wurde und Mitglied im Domkapitel hat ihn der Bischof zum Beauftragten für den Bischofsbau ernannt. Drittens: nach dem Weggang von Hans-Peter Althausen als erfahrenem Finanzdezernenten hat Generalvikar Kaspar über längere Zeit kommissarisch das Amt des Finanzdezernenten in Personalunion ausgeübt und damit direkt die Ausgaben des Bistums gesteuert. Viertens: die drei Mitglieder des Verwaltungsrates des Bischöflichen Stuhls hat Kaspar ausgesucht als enge Weggefährten aus seiner Zeit als Leiter des Kommissariats in Wiesbaden und Direktor des Stiftes in Aulhausen. Diese und noch weitere Aspekte verdeutlichen, dass ohne Kaspar in den letzten fünf Jahren diese Affäre nicht möglich geworden wäre. Er wird sich seiner Verantwortung auch in seinem hohen Alter in beiden Rechtskreisen nach Abschluss der Untersuchungen der Deutschen Bischofskonferenz stellen müssen.

    Franz Kaspar wurde in Dernbach im Westerwald geboren und war später auch als Seelsorger in der Region tätig - unter anderem als Schulpfarrer in Bad Ems. Wann und wie haben Sie ihn kennengelernt und wie würden Sie ihn charakterisieren?

    Ich habe als Leiter der Abteilung Kirchliches Recht und Persönlicher Referent von Bischof Kamphaus Kaspar als Leiter des Kommissariats der Hessischen Bischöfe bei der Landesregierung in Wiesbaden kennengelernt. Später nach seinem Umzug nach Limburg wurde er Bischofsvikar für die Orden und in dieser Funktion habe ich zum Beispiel meine letzte Dienstreise mit ihm nach Rom unternommen, um bei der Ordenskongregation vorzusprechen. Kaspar ist ein zurückhaltender, verschwiegener und eher distanziert im Umgang mit Menschen auftretender Mensch. Was vielen bei Kaspar in den langen Jahren seines Dienstes aufgefallen ist, war seine Dünnhäutigkeit bei sachlicher Kritik, mit der er nicht gut umgehen kann. Sie werden wahrscheinlich wenig Menschen finden, die Kaspar wirklich kennen, vielleicht der Bischof von Fulda, der ein enger Freund von ihm ist.

    In der Affäre wird stets Bezug genommen auf das Vermögen des Bischöflichen Stuhls. Wofür soll das Geld in der Regel verwendet werden?

    In der Regel für die Ausübung des bischöflichen Dienstes, sofern diese nicht bereits durch die Kirchensteuer abgedeckt ist. Allerdings sind die einzelnen Bestandteile eines Bischöflichen Stuhls durchaus heterogen. Nicht selten finden wir dort Vermögen, dass von Gläubigen mit der Maßgabe an den Bischof gegeben wurde, damit die Armen zu unterstützen. Die Erträge aus diesem Vermögen darf dann der Bischof nicht für seinen Dienst, sondern nur für die Notleidenden einsetzen, da der Stifterwille heilig ist. Man darf gespannt sein, was hier der Prüfbericht der Kommission der Deutschen Bischofskonferenz ermitteln wird.

    Kommen wir zu Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst: Wenn Sie ihn mit seinem Vorgänger vergleichen: Wie würden Sie die Unterschiede beschreiben?

    Eine heikle Frage, bei der es mir auch nicht ganz fair erscheint, eine so markante Persönlichkeit wie Bischof Kamphaus mit seinem Nachfolger zu vergleichen. Bischof Franz Kamphaus nimmt man ab, dass er so lebt, wie er predigt. Er ist authentisch und ein überzeugender Verkündiger des Wortes Gottes. Authentisch, wahrhaftig und glaubwürdig zu sein, dass sind die wichtigsten Pfunde eines Bischofs. Ohne diese drei Grundeigenschaften nützt einem geistlichen Amtsträger keine noch so große kirchenrechtlich abgesicherte Machtfülle.

    Welche Organisationen haben im Speziellen unter dem Führungsstil des aktuellen Bischofs zu leiden?

    Ich denke, dass aufgrund der Empörung im Bistum Limburg über das Finanzgebaren des Bischofs vor allem die Caritas zu leiden hat, die auf das ehrenamtliche Engagement der Gläubigen und Spenden angewiesen ist. Nach Aussage vieler Priester und hauptamtlicher pastoraler Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben diese natürlich vor Ort mit den Folgen dieser Krise zu kämpfen. Und nicht zuletzt erzählen viele engagierte Ehrenamtliche, dass sie sich kaum noch trauen, von ihrer Verbundenheit mit ihrer Kirche zu erzählen, weil sie hierfür verlacht und verspottet werden.

    Warum haben Sie kurz nach Amtsantritt des derzeitigen Bischofs die Arbeit für das Bistum Limburg aufgegeben?

    Diese Entscheidung fiel bereits 2007 in der Zeit der Vakanz, als ich den Ruf der Universität Münster auf den Lehrstuhl für Kirchenrecht an der Katholisch-Theologischen Fakultät angenommen habe. Mein Wechsel hat also nichts mit Bischof Tebartz-van Elst zu tun, der zu diesem Zeitpunkt noch nicht gewählt war.

    Was sagen Sie wütenden Katholiken aus dem Bistum, die ernsthaft über einen Kirchenaustritt nachdenken?

    Ich verstehe Eure Wut, aber verlasst bitte nicht unsere Gemeinschaft. Von außen kann man keine sündige Kirche reformieren. Bleibt und setzt Euch ein, dass so etwas nie wieder vorkommt.

    Das Interview führten Markus Kratzer, Thorsten Ferdinand und Susanne Willke

    Zur Person: Kirchenrechtler Thomas Schüller
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