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    Kemmenau/WelschneudorfEnergiepolitik: Windkraft zieht tiefen Graben

    Das Thema Windkraft treibt die Kemmenauer im Rhein-Lahn-Kreis um, das war weder zu übersehen noch zu überhören. Schätzungsweise rund 100 Bürger kamen zu der Einwohnerversammlung, zu der Verbands- und Ortsgemeinde gemeinsam eingeladen hatten. Erklärtes Ziel der Veranstaltung war es, über den Status quo in Sachen örtliches Windkraftvorhaben zu informieren. Falls man als Nebeneffekt darauf gehofft hatte, die seit einigen Wochen in Kemmenau beim Thema Windenergie brandenden Wogen zu glätten, so war diese Hoffnung wohl vergebens.

    Von unserer Mitarbeiterin Ulrike Bletzer

    Die Verbandsgemeinde stehe in der Pflicht, die auf Bundesebene beschlossene Energiewende vor Ort umzusetzen, warb VG-Bürgermeister Josef Oster, der als Referent in den Abend einstieg, um Verständnis. 2011 habe sich der VG-Rat entschieden, bei der Fortschreibung des Flächennutzungsplans Gelände für den Bau von Windkraftanlagen auszuweisen: "Damit wollten wir die Entwicklung steuern und verhindern, dass in unserer landschaftlich reizvollen Verbandsgemeinde mehr oder weniger wahllos überall Windräder gebaut werden können." Nach dem üblichen Ausschlussverfahren blieb nur eine Fläche übrig, die sich linker Hand am Ortsausgang von Kemmenau Richtung Welschneudorf befindet und wo nun drei Windkraftanlagen geplant sind. "Das ist aber nur ein Zwischenstand", betonte Oster. Die Würfel seien erst gefallen, wenn die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord in Koblenz voraussichtlich Ende September Stellung zu dem vorgelegten Flächennutzungsplan genommen und damit die Weichen für die Entscheidung der Kreisverwaltung gestellt hat.

    Scheitern könnte die Genehmigung des Flächennutzungsplans an der Tatsache, dass Kemmenau in der Kernzone des Naturparks Nassau liegt. Im April habe die SGD zwar signalisiert, dass auch dort eine Genehmigung möglich sei, bei einem zweiten Gespräch in der vorvergangenen Woche dann aber doch erhebliche Bedenken geäußert, berichtete Oster: "Wie die Sache ausgeht, ist völlig offen."

    Wer soll den geplanten Windpark überhaupt bauen und betreiben? Detailliert schilderte Hans-Jürgen Rossbach, Mitarbeiter der Kommunalberatung Rheinland-Pfalz, das im Auftrag der Kommune durchgeführte Interessenbekundungsverfahren, das in einer Empfehlung für den Energiekonzern EnBW als günstigstem Anbieter mündete, bevor die EnBW selbst zum Zug kam: Während Projektleiter Jesús Poyo Terrero zum einen den Konzern als solchen, zum anderen diverse Möglichkeiten der Beteiligung am Windpark vorstellte, ging seine Kollegin Madeleine Unger auf die konkrete Situation in Kemmenau inklusive Windgeschwindigkeiten, zu erstellende Gutachten und zeitlichen Rahmen ein: Wenn alles nach Plan läuft, könnten die Windkraftanlagen 2018 in Betrieb gehen - vorausgesetzt, wie gesagt, die SGD Nord gibt überhaupt grünes Licht für den Flächennutzungsplan.

    War es bis zu diesem Zeitpunkt, von einigen Unmutsäußerungen abgesehen, noch relativ ruhig zugegangen, so zeigte sich in der anschließenden Frage- und Diskussionsrunde, wie negativ das Thema Windkraft für manche Bürger besetzt ist. Nicht nur der Naturpark, auch der nahe gelegene Limes und das Wasserschutzgebiet stehen in ihren Augen dem Bau von Windrädern entgegen. "Können Sie uns gewährleisten, dass wir in Zukunft unser Trinkwasser noch werden trinken können?", wollte eine besorgte Dame wissen. Ein weiterer Kritikpunkt: Auf Kosten der Einwohner und der Umwelt gehe es vorrangig um die Sanierung des maroden Gemeindehaushalts. Dass der Windpark nicht zuletzt Geld in die Gemeindekasse spülen soll, bestritten noch nicht einmal seine Befürworter.

    Mit 20 000 bis 40 000 Euro pro Anlage und Jahr sei üblicherweise zu rechnen, erläuterte Josef Oster: "Haushaltstechnisch wäre das für Kemmenau ein Quantensprung." Genau hier sei ein Windpark aber wohl nicht effizient und rentabel genug, hielt ein Diskussionsteilnehmer dagegen: "Warum sonst haben nur drei von fünf Unternehmen, die von der Kommunalberatung dazu aufgefordert wurden, Angebote abgegeben?" Ob es denn definitiv bei den drei Windrädern bleibe, wollte jemand anderes wissen. Das könne man nicht mit Sicherheit sagen, erwiderte EnBW-Vertreter Poyo Terrero: "Aber es wäre das erste Mal in meiner beruflichen Laufbahn, dass weitere Anlagen dazukommen." Was die Skeptiker im Saal allerdings nicht überzeugen konnte: "Es kommen auf jeden Fall noch die Windräder in Welschneudorf dazu. Da wird uns doch etwas vorgegaukelt."

    Verschandelung der Landschaft, Lärmbelästigung, Verlust der Immobilienwerte - kaum ein Anti-Windkraft-Argument, das während der rund dreistündigen Veranstaltung nicht zu hören war. Aber auch das eine oder andere Pro-Argument kam zum Zug: Die Windenergie biete unter allen Energiearten die beste ökologische Bilanz, betonte ein Teilnehmer, während ein anderer auf die drohenden Folgen des Klimawandels hinwies: "Ich kann nur sagen: Das ist dramatisch, was da auf uns zukommt. Da spielen die sinkenden Immobilienwerte, im Verhältnis gesehen, gar keine Rolle mehr." Eines wurde im Laufe des Abends immer deutlicher: Zwischen dem Kemmenauer Ortsgemeinderat, der einstimmig pro Windkraft gestimmt hatte, und den Windkraftgegnern klafft derzeit ein ziemlich tiefer Graben. Man unterstelle den Ratsmitgliedern, dass sie in die eigenen Taschen wirtschafteten, beklagte Ortsbürgermeister Norbert Jachtenfuchs: "Aber unser Ziel war es von Anfang an, auf gemeindeeigenen Flächen zu bauen." Mehrfach wurde die Forderung nach einem Bürgerentscheid laut.

    "Es wäre unsinnig, eine Wahlkampfsituation zu schaffen, bevor dann möglicherweise ein paar Tage später das Nein von der SGD Nord kommt. Nach der Stellungnahme der SGD lässt sich darüber reden", argumentierte Josef Oster - was prompt zu der Vermutung führte, man wolle die Bürger so lange hinhalten, bis ohnehin nichts mehr zu ändern sei. Man komme an diesem Abend wohl nicht mehr weiter, räumte Oster gegen Ende der Auseinandersetzung ein, die in puncto Sachlichkeit streckenweise deutlich Luft nach oben ließ: "Aber es dürfte vermutlich nicht das letzte Treffen gewesen sein."

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