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  • WesterburgEin Mann und sein Lebenstraum: Eisenbahn-Plakat-Museum ist einzigartig in Deutschland

    Mit leuchtenden Augen steht Wilfried Rink inmitten seiner Schätze. Zu fast jedem davon kann der 69-Jährige eine Geschichte erzählen. Und das tut er gern. 2015 hat er seine Schätze allen zugänglich gemacht, die seine Leidenschaft teilen: Er hat ein einzigartiges Museum geschaffen, und das an einem besonderen Ort. Wilfried Rink ist „der Herr“ des Eisenbahn-Plakat-Museums in den Räumen des Bahnhofs Westerburg.

    Es gehört zum Erlebnisbahnhof Westerwald und ist Deutschlands erstes Museum dieser Art. Wilfried Rink kann das Gebäude 2013 von der Deutschen Bahn erwerben. Mit Unterstützung der Westerwälder Eisenbahnfreunde 44.508 wird das sehenswerte Museum eingerichtet, das ein interessantes Stück Eisenbahngeschichte dokumentiert. Den Besuchern wird – bei freiem Eintritt – eine umfangreiche Sammlung neuerer und älterer Plakate nationaler und internationaler Eisenbahngesellschaften präsentiert.

    Was reizt Rink an seinen Ausstellungsobjekten? „Die Schönheit alter Plakate“, sagt er. „Und sie stellen ein gutes Stück Eisenbahngeschichte dar, die man sonst in Museen nur am Rande findet.“ Rink nutzt verschiedene Quellen, um seine Sammlung zu bestücken. Heute geht das vor allem übers Internet, früher fand er Exponate auch bei Veranstaltungen der Deutschen Bahn oder von Eisenbahnvereinen. Zu sammeln begonnen hat der Verwaltungsbeamte im Ruhestand bereits vor etwa 25 Jahren. Rund 500 Stück hat er mittlerweile zusammengetragen, 200 davon sind in dem Museum aufgehängt, weitere 84 können „durchgeblättert“ werden. Etwa 90 Prozent sind Originale, die anderen Nachdrucke.

    Die ersten seiner Plakate hingen jedoch nicht in Westerburg, sondern in einer Bonner Behörde. Wilfried Rink war Referatsleiter in der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht und verschönte seine Arbeitsstätte mit einigen Plakaten. Doch zu seinem Leidwesen hatte die Behörde keinen Publikumsverkehr, nur wenige Menschen konnten sich also an seinen Ausstellungsstücken erfreuen. „Das sollte nicht so bleiben. Denn das sind interessante Dokumente zur Eisenbahngeschichte“, begründet der gebürtige Rheinländer, warum er die Plakate öffentlich präsentieren wollte.

    Natürlich fährt er Zug

    Das Sammeln war das eine, einen geeigneten Ausstellungsort zu finden das andere. Die Räume im Westerburger Bahnhof bezeichnet Rink als Glückfall. Ja, seine Liebe zu dem Museum ist so groß, dass er dafür sogar weite Anfahrtswege in Kauf nimmt. Rund drei Stunden ist er von seinem Wohnort bis nach Westerburg unterwegs, um dort jeden Samstag das Museum zu öffnen. Natürlich, wie könnte es auch anders sein, fährt er selbst dabei immer mit dem Zug.

    Vor zwei Jahren, bei der Einweihung des Museums, erzählte der Vorsitzende der Eisenbahnfreunde, Stephan Keßler, wie alles begann: Er war beim Rasenmähen, als sein Handy klingelte. Wilfried Rink meldete sich: Er habe gehört, dass der Westerburger Bahnhof zum Verkauf anstehe, und er suche schon länger einen Platz für sein Eisenbahnplakatmuseum. „Ich gebe zu, ich war zunächst skeptisch, zumal sich ein halbes Jahr vorher ein potenzieller Investor für Erlebnisgastronomie gemeldet hatte. Aber ich konnte nicht widersprechen, da das eine schöne Ergänzung gewesen wäre“, erzählte Keßler damals. Die anfängliche Skepsis wich einer guten Nachbarschaft, von der beide Partner profitieren. Heute ist das Museum ein fester Bestandteil und eine Bereicherung des Erlebnisbahnhofs.

    Seit gut einem Vierteljahrhundert sammelt Wilfried Rink Eisenbahn-Plakate. Eines seiner Lieblingsstücke ist dieses.  Fotos: Röder-Moldenhauer
    Seit gut einem Vierteljahrhundert sammelt Wilfried Rink Eisenbahn-Plakate. Eines seiner Lieblingsstücke ist dieses. Fotos: Röder-Moldenhauer
    Foto: Röder-Moldenhau

    Die Dauerausstellung ist thematisch und räumlich gegliedert: Dort, wo früher einmal eine Bahnhofswirtschaft war, sind nun die „Klassiker“ zu sehen: besonders schöne und besonders bekannte Plakate wie „Alle reden vom Wetter“, die Schwarzfahrer-Karikatur „Haste mal 60 Mark, Alter?“, die „Steinzeitplakate“, „Etoile du Nord“ und „Nord-Express“ des Künstlers Cassandre. Ebenfalls auf dieser Etage befindet sich der Raum „Deutschland mit der Bahn“: Er präsentiert Werbung für Reisebüro-Sonderzüge (Touropa, Scharnow, Alpen-See-Express), Interzonenzüge und „Die schöne Eisenbahnreise“.

    Auch das Treppenhaus zur ersten Etage wird als Ausstellungsfläche genutzt. Hier hängt eines der Lieblingsstücke von Rink – das englische Werbeplakat „The Flying Scotsman“, ein Plakat der LNER (London and North Eastern Railway) von 1932. Leider sei es nur ein Plagiat, bedauert Rink und begründet, warum das so ist: „Bei einer Auktion vor 30 Jahren kostete das Original 6600 englische Pfund.“

    Im Raum "England" hängt sein Lieblingsplakat

    In der ersten Etage gibt es folgende Präsentationen: „Reisen nach Nordeuropa“ zeigt Plakate mit Motiven aus den Zielländern, dazu Werbung für die Eisenbahnfähren. In dem Raum „England“ hängt ein weiteres Lieblingsplakat von Rink: Zur Krönung von Königin Elisabeth II. gab British Rail 1953 ein Plakat „God save the Queen“ mit dem königlichen Wappen heraus. Außerdem gibt es Stücke mit Landschaftsmotiven und Bauwerken aus Süd- und Südwestengland zu bestaunen. Hinzu kommt die Werbung für die englische Senioren-Bahncard. Der dritte Raum dieser Etage widmet sich der „London Transport“, ein weiterer zeigt 14 Plakate rund um Skandinavien. „Wenn die Räume im zweiten Stock renoviert sind, kommen dann noch Plakate aus Frankreich, Belgien und den Niederlanden dazu“, verspricht Rink. „Wahrscheinlich wird das im nächsten Jahr sein“, hofft er und berichtet voller Dankbarkeit von der großartigen praktischen Unterstützung seitens der Eisenbahnfreunde.

    Plötzlich huscht ein Lächeln über das Gesicht des 69-Jährigen, als er genüsslich aus einer echten Mitropa-Tasse einen Kaffee trinkt und von der Entwicklung des Museums erzählt. Er zitiert einen Spruch, den er einmal im Museumsführer des Bressingham Steam Museums (Norfolk) fand: „Die Endphase des Aufbaus hat gerade begonnen. Aber wir würden unseren Besuchern einen schlechten Dienst erweisen, wenn sie jemals enden würde.“

    Das Museum ist am Internationalen Museumstag, 21. Mai, von 9 bis 17 Uhr geöffnet. Im Laufe des Jahres ist samstags von 9.45 bis 14.30 Uhr geöffnet, zudem ist es während der Veranstaltung der Eisenbahnfreunde zu besichtigen. Sondertermine können über den Verein vereinbart werden. Der Eintritt ist frei.

    Von unserer Reporterin Angela Baumeier

    Infos: www. erlebnisbahnhof-westerwald.de

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