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  • Streit eskaliert: Bürgermeister zeigt Flüchtlingshelfer an

    Meudt. Eine Anzeige wegen übler Nachrede und Verleumdung musste sich Flüchtlingshelfer Erhard Hermann aus Meudt gefallen lassen, nachdem er in eine Auseinandersetzung mit einem Mitarbeiter der Verbandsgemeinde Wallmerod geraten war, der ebenfalls für Flüchtlinge zuständig ist. Während dieses Streits soll Hermann den Mitarbeiter der Verbandsgemeinde beleidigt haben. Bürgermeister Klaus Lütkefedder erstattete als Dienstvorgesetzter des mutmaßlichen Opfers die Anzeige: "Ein Mitarbeiter der VG Wallmerod wurde in Ausübung seiner Tätigkeit öffentlich beleidigt." Ein Schlichtungsgespräch soll Lütkefedder nach drei Minuten abgebrochen haben. Doch die Staatsanwaltschaft Koblenz stellte die Ermittlungen gegen den Meudter wegen Geringfügigkeit ein.

    Von unserer Redakteurin Susanne Willke

    Die Staatsanwaltschaft legte ihrer Entscheidung folgenden Hergang zugrunde: Kurz vor Weihnachten hätten Erhard Hermann und der Mitarbeiter der VG an der Besichtigung einer Flüchtlingsunterkunft teilgenommen, bei der es unter anderem um die hygienischen Zustände ging. Darüber habe Hermann mehrfach seinen Unmut geäußert. Woraufhin es zu einem Wortgefecht zwischen dem Beschuldigten und dem VG-Mitarbeiter gekommen sein soll. Der Beschuldigte habe ihm wohl unterstellt, aus politischen Gründen nicht für bessere Verhältnisse der Flüchtlinge zu sorgen. Auf die Frage des Mitarbeiters, ob der Beschuldigte ihn damit als Rechtsradikalen oder Nazi bezeichnen wolle, soll Hermann geantwortet haben: "Wenn Sie das so sehen." Die Staatsanwaltschaft stellte das Ermittlungsverfahren in Abstimmung mit dem Amtsgericht Westerburg wegen "geringer Schuld des Beschuldigten und des fehlenden öffentlichen Interesses" ein.

    Das Ehepaar Hermann indes zog sich wegen der Auseinandersetzungen in beidseitigem Einvernehmen aus dem Team der Flüchtlingshilfe zurück und kümmert sich seither ausschließlich um die fünf "Jungs" aus Syrien und Jordanien. Die Beiden geben sich, wie viele andere Westerwälder, große Mühe mit den Flüchtlingen. Das Grundgesetz in arabischer Sprache, Benimmregeln für den nächsten Schwimmbadbesuch und hier und da eine Kochanleitung. All das lassen sie den fünf jungen Männern im Alter zwischen 13 und 20 Jahren angedeihen. Diese sind im vergangenen November ohne ihre Eltern im Westerwald angekommen und leben seither in Meudt. Zu Anfang entsprachen die hygienischen Verhältnisse in der Unterkunft nicht dem Standard, weshalb sich Erhard Herrmann mehrfach bei der Verbandsgemeinde Wallmerod beschwerte (die WZ berichtete). Als von dort nach seinem Ermessen kaum Reaktion kam, griff er zu anderen Methoden und machte seine Kritik öffentlich, mit der Folge, dass noch kurz vor Weihnachten die gravierendsten Schäden im Gebäude, wie zum Beispiel Salpeterausblühungen in der Küche, beseitigt wurden.

    Mittlerweile ist die Renovierung in der Wohnung der fünf jungen Leute weitgehend abgeschlossen und sie warten auf ihr Asylverfahren. Mohammad Yassin zum Beispiel läuft jeden Tag dem Postboten entgegen, in der Hoffnung, dass endlich die Einladung vom Bundesamt für Migration kommt. Sechs Monate warten die Fünf nun schon darauf, während zwei andere Hausbewohner, die nach ihnen angekommen sind, schon nach drei Monaten ins Asylverfahren aufgenommen wurden. "Es ist verständlich, dass die Ämter viel Arbeit haben und vielleicht etwas durcheinander gekommen ist, aber die Jungs hätten gern Klarheit", zeigt Hermann Verständnis für die wachsende Ungeduld. Über die Hilfe, die ihnen in Meudt zuteil wird, sind die jungen Männer sehr froh: "Wir sind sehr dankbar", sagen sie. Erhard Hermann nennen sie scherzhaft ihren Bürgermeister. Zwei der Jungs besuchen die Schule, ein weiterer hilft in der Schule bei Verständigungsschwierigkeiten und übersetzt vom Arabischen ins Englische, die anderen besuchen Sprachkurse. "Sie wollen sehr gerne lernen, wie wir funktionieren", lobt Hermann den Integrationswillen der fünf jungen Leute, die sich ganz allein, ohne ihre Eltern auf den Weg in eine andere Welt begeben haben.

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