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    Westerwald60-Jähriger bedrohte Angestellte einer Tankstelle

    Wie ein Lehrstück gegen Alkoholmissbrauch gestaltete sich die Gerichtsverhandlung gegen zwei Deutsch-Russen, die sich wegen räuberischer Erpressung, Diebstahl und Bedrohung vor dem Amtsgericht Montabaur verantworten mussten.

    Von unserer Redakteurin


    Susanne Willke

    Eine Schulklasse schaute zu, wie der Vorsitzende Richter Ludger Griesar und die Schöffen mit dem Fall umgingen, der sich um zwei Männer (48 und 60 Jahre) drehte, die beide vor mehr als 20 Jahren nach Deutschland gekommen waren, einen deutschen Pass haben, aber einen Dolmetscher brauchten.

    Zunächst ging es nur schleppend vorwärts. Einer der vier vorgeladenen Zeugen war nicht erschienen, ein anderer rollte die Augen, weil er schon zum zweiten Mal nach Montabaur kommen musste. Ihn wies der Richter zurecht, mit dem Hinweis auf seine Bürgerpflicht. Noch aus dem Gerichtssaal heraus telefonierte Griesar mit der Polizei, um den vermissten Zeuge per Staatsmacht nach Montabaur bringen zu lassen. Kaum war das in die Wege geleitet, schien einer der beiden Angeklagten gesundheitliche Probleme zu bekommen. Griesar verständigte den Notarzt. Die Verhandlung wurde unterbrochen, die Schulklasse musste den Saal verlassen, der Angeklagte ins Krankenhaus gebracht werden. Das Verfahren des Erkrankten wurde verschoben.

    Nachdem alle wieder an ihren Plätzen angekommen waren, arbeitete der Richter die Anklagepunkte der Staatsanwaltschaft ab, die lauteten: Der Russlanddeutsche soll einen Mann, der vor einem Café saß, mit den Worten „Besorg das Geld, sonst lebst Du nur noch zwei Tage“ bedroht haben, was den Straftatbestand der räuberischen Erpressung erfüllt hätte. Doch daran konnte sich der 60-jährige Angeklagte nicht mehr erinnern. Kurioserweise konnte sich auch der Betroffene selber daran nicht mehr erinnern. Die Polizei hatte ihn zwischenzeitlich gefunden und zur Verhandlung gebracht. Der Mann, der seinen mutmaßlichen Peiniger fast freudig begrüßte, sei Verlautbarungen zufolge früher sogar sehr viel mit ihm unterwegs gewesen. Ohne ernstzunehmenden Zeugen gab es für diesen Anklagepunkt einen Freispruch.

    Nicht frei von Schuld war der 60-Jährige aber im Hinblick auf den Diebstahl einer Flasche Wodka und der Bedrohung einer Tankstellenangestellten. Wegen der gestohlenen Flasche Wodka, der Diebstahl war von einer Videokamera aufgezeichnet worden, hatte er Hausverbot bekommen, von dem er aber angeblich nichts wusste. So betrat er später erneut die Tankstelle, wurde aber von der Angestellten mehrfach gebeten, zu gehen. Ein Zeuge sagt aus, der Angeklagte habe darauf mit „Scheißdeutsche“ und mit erhobener Faust gedroht: „Du lebst nur noch zwei Tage.“ Der Mann, so der Zeuge weiter, habe einen angetrunkenen Eindruck gemacht.

    Obwohl sich der 60-Jährige nicht im Detail an die Vorfälle erinnern konnte, entschuldigte sich bei den Beteiligten und zahlte vor den Augen der Zuhörer das Geld für den Wodka zurück. Seit November befände er sich in einer Therapieeinrichtung für Alkoholsüchtige und habe sich gefangen, sagte die Betreuerin aus. Das wollte ihm der Richter nicht nehmen und verurteilte ihn zu sechs Monaten Haft, ausgesetzt auf drei Jahre Bewährung. Nun muss er sich mit einem Bewährungshelfer auseinandersetzen und darf die Therapie nicht ohne Genehmigung verlassen.

    Nach 23 Vorstrafen und mehreren Gefängnisaufenthalten sei das ungewöhnlich, sagte der Richter, jedoch habe er den Eindruck, dass der Angeklagte versuche, Fuß zu fassen. Immerhin lebe er seit Frühjahr des vergangenen Jahres nachweislich abstinent und übernehme Gruppenleiteraufgaben in der sozial-therapeutischen Einrichtung.

    Montabaur Hachenburg
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