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    VielbachVor 100 Jahren: Fachklinik Vielbach war Erholungsheim

    Es ist 100 Jahre her, als das Hauptgebäude der heutigen Fachklinik Vielbach am Rand der Ortsgemeinde gebaut wurde. Das massive Mauerwerk hat sich über die Jahre kaum verändert. Noch immer weist eine große steinerne Treppe den Besuchern den Weg in das imposante Gebäude, das von hohen Eichen umrahmt wird.

    Frauen aus dem Dorf kümmerten sich um die Verpflegung der jungen Urlauber.
    Frauen aus dem Dorf kümmerten sich um die Verpflegung der jungen Urlauber.
    Foto: honorarfrei

    Von unserer Reporterin Verena Hallermann

    Was heute ein Krankenhaus für alkohol- und medikamentenabhängige Männer ist, war damals ein Erholungsheim für Kinder. Mitten im Ersten Weltkrieg, am 15. März 1916, ist das Heim entstanden. Der Frankfurter Architekt und Bauunternehmer Jakob Carl Junior, nach dem das Juniorische Erholungsheim auch benannt wurde, hatte das Projekt möglich gemacht.

    Bis in die 70er-Jahre haben hier Jungen und Mädchen, bevorzugt aus dem Mittel- und Beamtenstand der Stadt Frankfurt, Urlaub gemacht. "Die sollten sich vom Großstadtleben erholen", erklärt Ortshistoriker Bernd Schrupp. "Die kannten so eine idyllische Landschaft gar nicht." Schrupp ist heute als pensionierter Beamter im Stadtarchiv Montabaur beschäftigt. Er hat etliche Dokumente gesammelt, die Aufschluss über die Entstehungsgeschichte geben. Auch viele Fotos vom ehemaligen Heim sind dabei, die zeigen, unter welchen einfachen Bedingungen die Kinder damals Ferien gemacht haben. "Badezimmer gab es in der Zeit nicht", erzählt der 70-Jährige und deutet auf ein leicht vergilbtes Bild, das eines der Schlafzimmer zeigt. Ein Waschtisch steht in dem kleinen Raum, vier Betten sind an den Wänden aufgereiht und ein Junge blickt aus dem Fenster ins Grüne. "Die hatten damals natürlich noch nicht viel", sagt Schrupp. "Aber für die war das früher Urlaub."

    Das Hauptgebäude der Fachklinik Vielbach hat sich über die Jahre kaum verändert.  Foto: Verena Hallermann
    Das Hauptgebäude der Fachklinik Vielbach hat sich über die Jahre kaum verändert.
    Foto: Verena Hallermann

    Zunächst nur Mädchen im Heim

    Ab 1913 nahm das Projekt langsam Gestalt an. Nach einem Besuch im Westerwald war der Bauunternehmer Junior begeistert von der idyllischen Lage des Ortes, sodass er 50 000 Mark zur Verfügung stellte, um in Vielbach den Bau eines Erholungsheimes zu ermöglichen. Die großzügige Spende ging auf sein Firmenjubiläum zurück, das mit dem 25-jährigen Regierungsjubiläum von Kaiser Wilhelm II. zusammenfiel. Junior legte damals fest, dass das neue Feriendomizil schulpflichtigen Mädchen des Frankfurter Mittel- und Beamtenstandes vorbehalten sein soll. In der Stiftungsurkunde heißt es, dass dadurch die Gesundheit der Mädchen "zum Wohle des Vaterlands" gekräftigt werden soll. Außerdem sollten sie "zur Liebe zur Natur" erzogen werden. Als Grund, warum er nur die Mädchen des Mittel- und Beamtenstandes berücksichtigte, nannte er, dass für die Kinder des Arbeiterstandes "durch staatlichen Schutz, städtische Fürsorge und private Stiftungen weit mehr gesorgt sei". Als Peter Freiherr Marschall von Bieberstein Landrat für den Unterwesterwaldkreis und Karl Wilhelm Berger Bürgermeister der Gemeinde Vielbach war, wurde am 7. Juni 1914, also 54 Tage vor Beginn des Ersten Weltkrieges, der Grundstein gelegt. Fast zwei Jahre hat es gedauert, das massive Gebäude fertigzustellen.

    Schwierige Nachkriegszeit

    Mitten im Wald gelegen, für die damalige Zeit prächtig ausgestattet und mit allen neuzeitlichen Einrichtungen der Schulgesundheitspflege versehen, war das Juniorische Erholungsheim für den Sommer- und Winterbetrieb bestimmt. Nach dem Krieg wurden erstmals auch Kleinkinder zwischen drei und sechs Jahren aufgenommen. Das Heim bot in der Zeit vielen unterernährten und körperlich zurückgebliebenen Kindern die notwendige Pflege und Betreuung.

    Zwischen 1921 und 1922, als Koblenz von amerikanischen Truppen besetzt war, begann das Heim, Erholungskuren für Schulklassen anzubieten. In einem Beitrag, der anlässlich des 50. Jahrestages der Grundsteinlegung 1964 veröffentlicht wurde, heißt es, dass "zwischen der amerikanischen Besatzung und der deutschen Bevölkerung ein allgemein als gut zu bezeichnendes Verhältnis" herrschte. Das sei auch im Juniorischen Erholungsheim spürbar gewesen. Das Heim verkaufte Milch und Fleisch eigener Rinder an die amerikanischen Familien, während diese im Heim die Kinder beschenkten.

    Als die letzten amerikanischen Truppen Ende 1923 Koblenz verlassen hatten, begann für das Heim die schwerste Zeit. Die Franzosen besetzten die Unterwesterwaldbahn, sodass die An- und Abreise für die Kinder immer schwieriger wurde. Nun war das Heim vor allem auf den Verkauf von Milch und Fleisch angewiesen. Doch auch das konnte das Erholungsheim überstehen. Nur wenige Monate später war das Heim stolz, wieder knapp 250 Kinder in seinen Hallen begrüßen zu können. Mittlerweile machten auch einige Jungengruppen hier Urlaub. Außerdem kamen die Kinder nicht mehr nur aus Frankfurt.

    Fachklinik wurde gegründet

    Nachdem auch die Wirtschaftskrise 1932 keinen Schaden hinterließ, begann man in den 50er- und 60er-Jahren aufzurüsten. Die Belegungszahlen stiegen stetig, ein Erweiterungsbau wurde realisiert. Danach stand das Heim aber einige Zeit leer. "Es hätte einiges überholt werden müssen, wahrscheinlich war zu der Zeit einfach kein Geld da", mutmaßt Schrupp.

    Die Idee, Menschen in Vielbach einen Ort der Erholung zu geben, hat sich bis heute gehalten. Nun sind es alkohol- und medikamentenabhängige Männer, die die idyllische Landschaft rund um den Ort für ihre Gesundheit nutzen: Seit 1977 betreibt der Frankfurter Verein für soziale Heimstätten die Fachklinik. Die Immobilie ist weiterhin Eigentum der Stadt Frankfurt.

    Alles begann mit ein paar Betten in einer Turnhalle
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