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    Kreis NeuwiedWenn Fahrschüler zur Zielscheibe werden

    Dicht auffahren, lichthupen und beim Überholen schneiden: Möglichkeiten, beim Autofahren Frust abzulassen gibt es reichlich - gerade Fahrschüler bekommen das zu spüren. Fahrlehrer im Kreis Neuwied berichten von Mobbing im Straßenverkehr. Ob allerdings Kameras im Auto Abhilfe schaffen könnten, darüber herrscht eine geteilte Meinung.

    Den Rückspiegel im Blick: Fahrlehrer im Kreis Neuwied beklagen, dass ihre Fahrschüler immer häufiger Opfer von aggressivem Verhalten in Straßenverkehr werden. Daniel Schenk (Foto) befürwortet deswegen Dashcams im Auto.
    Den Rückspiegel im Blick: Fahrlehrer im Kreis Neuwied beklagen, dass ihre Fahrschüler immer häufiger Opfer von aggressivem Verhalten in Straßenverkehr werden. Daniel Schenk (Foto) befürwortet deswegen Dashcams im Auto.
    Foto: Jörg Niebergall

    Von Natalie Simon und Robin Brand

    Günter Graf, Bezirksvorsitzender Altenkirchen/Neuwied, arbeitet seit 42 Jahren als Fahrlehrer. Er hat in all dieser Zeit schon jede erdenkliche Situation erlebt. Doch seit 10 bis 15 Jahren, so der 66-Jährige, sei das Verhalten gegenüber Fahranfängern wesentlich schlimmer geworden. Tagtäglich erlebt er Rüpeleien wie Vogelzeigen oder Kopfschütteln, Hupen und Drängeln. Auslöser sind seiner Ansicht nach Zeitdruck, mangelnde Rücksichtnahme und fehlendes Verständnis. "Es wird schwieriger, je dichter der Verkehr wird", weiß Graf. Der Fahrschüler als schwächstes Glied im Straßenverkehr werde dabei unterdrückt, obwohl er sich ja nur an die allgemein gültigen Verkehrsregeln halte. "Es gibt viele schlechte Vorbilder für die Schüler. Die sind oft von solchem Verhalten schockiert", berichtet der Fachmann von den Reaktionen der Fahranfänger auf aggressives Verhalten und Mobbing.

    Graf sucht mit seinen Schülern mittlerweile verkehrsärmere Gebiete auf, um die Grundfahraufgaben zu üben. Der 66-Jährige ist sich dabei wohl bewusst, dass das Fahrschulauto ein Hindernis für den fließenden Verkehr darstellt. "Darum machen wir auch häufig Platz, aber diese Rücksichtnahme kommt von anderen eben nicht. Auch die Anwohner in Wohngebieten zeigen kein Verständnis, beschweren sich, warum wir ausgerechnet vor ihrem Haus üben. Dabei gehört die Straße allen", sagt Graf.

    Ein guter Bekannter von ihm habe sich wegen der Häufung an Vorkommnissen eine sogenannte Dashcam angeschafft, berichtet der Fahrlehrer. "Das halte ich für die falsche Lösung. Es ist besser, anzuhalten und zu reden", sagt Graf und vertritt damit eine andere Meinung als etwa sein Kollege im Fahrlehrerverband Jo Einig, zuständig für Mayen und Koblenz, der eine solche Kamera für sein Auto angeschafft hat.

    Fahrlehrer sieht auch Vorteile

    Der Neuwieder Fahrlehrer Daniel Schenk steht den Kameras auch aufgeschlossen gegenüber - wenn eine rechtliche Grundlage für deren Nutzung geschaffen ist. Ob er sich eine solche anschaffen würde? "Sofort", sagt Schenk ohne zu zögern und nennt gleich zwei Vorteile. So könne eine Kamera andere Verkehrsteilnehmer zu mehr Rücksichtnahme animieren. Überdies könnten die Aufnahmen dem Fahrschüler als Anschauungsmaterial im Unterricht dienen. Dass mehr Rücksicht genommen werden muss, darin ist sich Schenk mit seinen Kollegen im Kreis einig, gerade angesichts der Jahreszeit. Im Frühling machen wieder mehr Schüler den Motorradführerschein, dann komme es mitunter zu extrem gefährlichen Situationen, "wenn andere Autofahrer auf den letzten Metern vor einer Ampel einen Rollerfahrer noch überholen wollen", berichtet Schenk.

    Wie sein Raubacher Kollege Michael Rudolph sieht er aggressives Verhalten gegenüber Fahrschülern als gang und gäbe an. Dashcams beurteilt Rudolph aber dennoch kritisch: "Ich glaube nicht, dass es sinnvoll ist, im Voraus mit dem Finger auf andere Verkehrsteilnehmer zu zeigen." Sinnvoller seien da rigorose Kontrollen. Im ländlichen Raum sieht Rudolph da Nachholbedarf. In Hessen und Nordrhein-Westfalen sei man da weiter. "Mehr Blitzer könnten die Situation deutlich entschärfen", glaubt er.

    Dass (Zeit-)Druck und Stress wichtige Auslöser für aggressives oder mobbendes Verhalten im Straßenverkehr sind, findet Hartmut Kiry. Er betreibt unter anderem Fahrschulen in Oberlahr, Asbach und Buchholz und sieht auch im stark gestiegenen Verkehr einen Einflussfaktor. Dann werde der Fahrschulwagen von vielen als Hindernis gesehen. Kiry hält rücksichtsloses Verhalten gegenüber Fahrschülern aber nicht für ein Massenphänomen. "Es gibt vereinzelte Vorfälle alle paar Wochen; Hupen beim Abwürgen, Drängeln oder gefährliches Überholen gehören dazu", berichtet der Fahrlehrer von seiner Erfahrung. Unterschiede im Gefahren- und Aggressionspotenzial erkennt Kiry vor allem zwischen Stadt und Land. Seiner Einschätzung nach geht es auf dem Land noch weit entspannter zu. Dashcams hält der Fahrlehrer für den falschen Weg, der Zunahme an Mobbing im Straßenverkehr zu begegnen.

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