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    NeuwiedSuchtprävention feiert 25-jähriges Bestehen

    Der Fachdienst der Caritas erhält Lob von Experten wegen seiner Kontinuität und seinen innovativen Ansätzen.

    Viele Lob für ihre Arbeit erhielten (von vorn) Fachteamleiterin Martina Wirges, Lisa Seibert-Atkins, Stephanie Fischer und Martina Knapp.
    Viele Lob für ihre Arbeit erhielten (von vorn) Fachteamleiterin Martina Wirges, Lisa Seibert-Atkins, Stephanie Fischer und Martina Knapp.
    Foto: xy

    Von unserem Redakteur
    Frank Blum

    Mit einer Fachtagung zum Thema „Jugend und Resilienz“ feierte der Caritas-Fachdienst Suchtprävention gestern sein 25-jähriges Bestehen. Resümee, Theateraufführung und Vortrag standen dabei auf der Tagesordnung. Vor voll besetzten Stuhlreihen begrüßte Caritas-Direktor Eberhard Köhler die Gäste im Friedrich-Spee-Haus. Und das nicht ohne Stolz: Denn einerseits hat er selbst vor 30 Jahren seine Diplomarbeit über das damals brandneue Thema Suchtprävention geschrieben, anderseits steht die Suchtprävention bei der Caritas anders als bei anderen Organisationen heute noch im Fokus. Dass die Suchtprävention einen „unverzichtbaren Beitrag zur öffentlichen Gesundheit“ leiste, unterstrich Werner Hammes, der Vorsitzende des Caritasverbandes Rhein-Wied-Sieg.

    Fachteamleiterin Martina Wirges blickte kurz auf die Geschichte der Suchtpräventionsarbeit zurück, die erst zu Beginn der 1990er-Jahre in den Fokus rückte. In Neuwied habe man damals Pionierarbeit geleistet, unterstrich sie. Dabei sei es immer darum gegangen, die sozialen und emotionalen Kompetenzen des Hilfesuchenden zu stärken, was wiederum eine große Kollegialität im Team voraussetze. Zudem betonte Wirges die gute Kooperation mit Kreis und Stadt.

    Dass in Neuwied „herausragende Netzwerkarbeit“ mit anderen Bildungsträgern und Verwaltungen geleistet werde, lobte Nina Roth, Referatsleiterin bei der Landeszentrale für Gesundheitsförderung. Sie sieht bei der hiesigen Suchtprävention sowohl Kontinuität als auch Innovation gewährleistet. Zudem zeichne die Neuwieder Fachstelle ein mit ausgeprägtem Durchhaltevermögen gepaarter kritischer Geist aus. „Hier springt man nicht auf jeden Zug auf, sondern hinterfragt zunächst, ob ein neues Angebot oder Projekt auch in die Region passt“, hob Roth hervor.

    Dann war es Zeit für den Höhepunkt des Vormittags: den Auftritt der Jugendtheatergruppe „Große Freiheit“ aus Gescher in Nordrhein-Westfalen. Die sechsköpfige Truppe brachte unter der Leitung von Günter Döker das Stück „Machtlos“ auf die Bühne, ein ambitioniertes Stück über das Schicksal von Kindern suchtkranker Eltern. Döker, von Haus aus systemischer Berater, weiß aus erster Hand um die schwierige Lebenssituation von Jugendlichen, die in Familien groß werden, in denen die Sucht der Erwachsenen das Leben prägt, er kennt das Gefühl der Macht- und Ausweglosigkeit, mit der sie heranwachsen.

    Aus jungen Betroffenen, aber auch aus Jugendlichen, die Spaß am Theater haben, setzt sich das Ensemble zusammen. Es hat gemeinsam mit einer Theaterpädagogin das Thema aufgegriffen, die Dialoge geschrieben und sogar eigene Songs komponiert. Das vorweg: Die jungen Mimen sorgten ob ihrer Professionalität für Erstaunen unter dem Fachpublikum, brachten sie doch „starken Tobak“ (so eine Zuschauerin) auf die Bretter – und das auf eine Art und Weise, die die Experten tief berührte, aber aufgrund des Sujets auch erschütterte. Denn das knapp einstündige Stück kennt (zunächst) nur Verlierer. Da ist zum einen eine vierköpfige Familie, der Vater ist alkoholabhängig Arbeitsloser. Der Griff zur Flasche macht ihn zudem zu einem Gewalttäter, der seine Frau krankenhausreif prügelt. Die beiden Geschwister sorgen füreinander so gut es geht. Zum anderen ist da die heroinsüchtige alleinerziehende Mutter, deren neuer Freund ebenfalls der Sucht verfallen ist. Die Tochter wird als Drogenkurier missbraucht und ist stark suizidgefährdet. Mit einfachen, doch dafür umso prägnanteren Stilmitteln reiht das „Große Freiheit“-Ensemble beklemmende Szenen aneinander. Textlich gehaltvolle Songs transportieren die Botschaften der Jugendlichen an ihre Eltern, sie sind mal Hasstirade, mal Schrei nach Liebe.

    Unerbrochen wird die Spielhandlung, an deren Ende immerhin ein Happy End in Sichtweite kommt, durch mehrere Faktenchecks. Sie machen deutlich, dass sich die Politik intensiver mit dem Thema „Kinder aus suchtbelasteten Familien“ auseinandersetzen muss. Nur eine Zahl: In Deutschland leben mehr als 2,65 Millionen Kinder bei alkoholabhängigen Eltern. Ein Drittel dieser Kinder wird später selbst abhängig. Um ihnen frühzeitig Hilfsangebote an die Hand zu geben, sind Anlaufstellen unverzichtbar. Die Neuwieder Suchtprävention ist eine solche.

    Neuwied Linz
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