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    NeuwiedRoentgen-Museum: Wenn Malerei auf Uhrmacherhandwerk trifft [mit Video]

    Sie verbinden den optischen Reiz eines Gemäldes mit dem praktischen Nutzen einer Wanduhr: Im Neuwieder Roentgen-Museum ist seit Kurzem eine Bilderuhr zu sehen.

    Die Bilderuhr hat fürs Roentgen-Museum eine doppelte Bedeutung, erklärt Walter-Friedrich Schmidt. Sie zeigt Neuwied und sie stammt aus der Manufaktur der Kinzings.
    Die Bilderuhr hat fürs Roentgen-Museum eine doppelte Bedeutung, erklärt Walter-Friedrich Schmidt. Sie zeigt Neuwied und sie stammt aus der Manufaktur der Kinzings.
    Foto: Marion Ziegler

    Solche Bilder mit eingebautem Ziffernblatt waren im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts in Mode. Für das Roentgen-Museum ist die Bilderuhr von gleich doppelter Bedeutung. So erklärt es der Uhrmachermeister des Museums, Walter-Friedrich Schmidt. Denn zum einen zeigt die Bilderuhr von etwa 1825 den Blick von Weißenthurm auf Neuwied. Und zum anderen stammt das Werk aus der Manufaktur der Neuwieder Uhrmacherfamilie Kinzing, wie ein Aufkleber auf der Rückseite verrät.

    Der ungewöhnliche Neuzugang im Museum hat aber noch mehr zu bieten. Jedes Stundenviertel und alle vollen Stunden zeigt ein Schlagwerk an. Und noch dazu versüßt die Melodie einer Spieluhr dem Betrachter die Zeit. Damit das so ist, war aber eine Menge Arbeit nötig. Denn die Bilderuhr stand zunächst in Emmerich in Nordrhein-Westfalen bei einem niederländischen Uhrensammler auf dem Speicher. Er hatte im vergangenen Jahr von der Ausstellung zum Kreisjubiläum im Roentgen-Museum erfahren, wie Museumsdirektor Bernd Willscheid berichtet. Damals war eine ähnliche Uhr aus dem Koblenzer Mittelrhein-Museum zu sehen. Der Niederländer wollte seine stark reparaturbedürftige Bilderuhr veräußern. Das Koblenzer Ehepaar Sigmar und Viktoria Micke, Mäzene des Mittelrhein-Museums, erklärten sich bereit, die Uhr zu erwerben, restaurieren zu lassen und dem Roentgen-Museum zu schenken, teilt Willscheid mit.

    "Weißer Turm" hat in Wirklichkeit keine Uhr

    Und so geschah es: Der Krufter Restaurator Tilman Holly widmete sich dem Gemälde. „Da kam die Szene erst wieder richtig raus“, erklärt Uhrmacher Schmidt. Sie zeigt den Blick aus Weißenthurm auf die Neuwieder Rheinpromenade. Im Vordergrund ducken sich rund ein Dutzend Häuschen um den ehemaligen Zollturm. Dieser „Weiße Turm“ trägt das Ziffernblatt. Dass viele der auf Bilderuhren dargestellten Türme in Wirklichkeit keine Uhrtürme waren – so auch der Zollturm – schien die Künstler zur Zeit des Biedermeier und der Rheinromantik nicht zu interessieren. „Man hat in Türme und Stadtbauten Uhren fantasiert“, sagt Uhrmacher Schmidt.

    Schmidt, der seit rund 60 Jahren die Kinzinguhren-Sammlung des Roentgen-Museums betreut, restaurierte das Uhrwerk der Bilderuhr. Sie tickt nun mit einem Vier-Viertel-Spindelwerk, einem typischen Wiener Schlagwerk, mit sogenanntem Kuhschwanzpendel. Zu jeder Viertelstunde läutet sie: erst einmal, dann zweimal, dann dreimal und zur vollen Stunde viermal. Tiefe Gongschläge geben außerdem die Stundenanzahl an. Einmal voll aufgezogen, hat die Uhr eine Gangdauer von rund 30 Stunden.

    Spielwerk neu eingebaut

    Nicht mehr vorhanden war das Spielwerk. Die empfindlichen Teile fehlen heutzutage in den meisten Bilderuhren, erklärt Schmidt. Mithilfe von Mäzen Micke gelangte er aber an ein anderes Spielwerk aus dem Jahr 1825 und baute es ein. Einmal aufgezogen, spielt es eine liebliche, aber unbekannte Melodie – eine alpenländische Volksweise, wie Schmidt vermutet. Der Versicherungswert der gesamten Bilderuhr liegt Schmidt zufolge bei rund 3000 Euro. Der ideelle Wert fürs Roentgen-Museum ist hoch, stammt die Uhr doch von der vierten und letzten Generation der Uhrmacher Kinzing, der Brüder Christian und Carl.

    Das Gemälde selbst wiederum stammt wohl aus der Hand des Koblenzer Malers Johann Baptist Bachta, der von 1782 bis 1856 lebte. „Das war in der Hauptsache ein Bild“, gesteht Uhrmacher Schmidt. „Aber eben ein besonderes Bild.“

    Von unserer Reporterin Marion Ziegler

    Neuwieder Uhrmacherdynastie

    Die Kinzings waren eine Uhrmacherdynastie, die über vier Generationen lang in Neuwied arbeitete. Bedeutendster Vertreter der Familie war Peter IV. Kinzing.

    Er wurde 1745 als Sohn des Uhrmachers Christian Kin(t)zing und seiner Frau Elisabeth in Neuwied geboren. Die Kinzings arbeiteten eng mit der Neuwieder Kunsttischlerfamilie Roentgen zusammen. Zum Kundenkreis gehörten unter anderem der französische König Ludwig XVI., der spätere preußische König Friedrich Wilhelm II., die russische Zarin Katharina II. die Große. In den letzten Jahren führten Christian III. und Carl die Kinzing-Werkstatt.

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