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    NeuwiedRewe-Räuber stehen vor Gericht

    Vor einem Jahr haben Hans-Jürgen S. und seine "Mord-Brüder" den Rewe-Markt in Irlich überfallen und dabei eine Kundin niedergeschossen. Jetzt steht die hoch gefährliche Bande vor Gericht.

    Er ist ein gefährlicher Schwerverbrecher, saß jahrzehntelang hinter Gittern, gilt als besonders skrupellos. Er ist ein Waffennarr, nennt sich General der „Mörder-Brüder" oder Lassiter – wie der Revolverheld einer Romanreihe. Am 22. September 2012 soll Hans-Jürgen S. (49) mit seinen „Brüdern" einen Rewe-Markt in Neuwied-Irlich ausgeraubt, eine Kundin (51) ohne Vorwarnung niedergeschossen und 20.000 Euro erbeutet haben. Einen weiteren Raubüberfall auf eine Spielhalle in Andernach soll er geplant haben. Jetzt steht er wegen schweren Raubes vor dem Landgericht Koblenz, gemeinsam mit sechs mutmaßlichen Komplizen, teilweise mehrfach vorbestraften Gewalttätern.

    Zu Prozessbeginn herrschen am Gericht besondere Sicherheitsvorkehrungen. Jeder Zuschauer muss seinen Ausweis zeigen, seine Taschen durchleuchten lassen. Die Angeklagten werden von Wachtmeistern in den Gerichtssaal geführt, sie tragen Hand- und Fußfesseln. Am Fenster sitzen Polizisten mit Pistolen. Bevor die Richter den Saal betreten, werden den Angeklagten die Handschellen abgenommen, nicht aber die Fußfesseln. Das Gericht hält sie für gefährlich.

    Hans-Jürgen S., ein Mann mit Glatze und Kinnbärtchen, war laut Anklage führendes Mitglied einer Bande brutaler Gewaltverbrecher, die sich im Gefängnis in Diez kennenlernten. Sie nennen sich „Assassins Brotherhood" – Mörderbruderschaft. S. soll den Begriff auf seinem Rücken eintätowiert haben. Er ist mehrfach vorbestraft, unter anderem wegen Diebstahl, Raub und Führen einer halb automatischen Schusswaffe. Er saß bis 2011 im Diezer Gefängnis in Sicherungsverwahrung. Im aktuellen Prozess drohen ihm erneut eine Haftstrafe und Sicherungsverwahrung.

    S. sitzt mit drei weiteren Schwerverbrechern auf der Anklagebank – sie sind laut Anklage möglicherweise ebenfalls ein Fall für die Sicherungsverwahrung:

    • Martin H. (38) aus dem Kreis Neuwied war jahrelang inhaftiert wegen Drogenhandel und versuchten Mordes.
    • Uwe M. (51) saß wegen versuchten Mordes 15 Jahre in Haft, kam erst 2012 auf freien Fuß.
    • Daniel H. (26) aus dem Kreis Trier-Saarburg war jahrelang inhaftiert, unter anderem weil er einem Mann dreimal ein Messer in den Kopf rammte. Er verließ das Gefängnis Diez am Nikolaustag 2012, sieben Tage später wurde er wieder verhaftet. Er und M. sollen ebenfalls Mitglieder der Mörderbruderschaft sein.

    Der Raubüberfall in Neuwied-Irlich war laut Anklage ein Akt von schockierender Brutalität: S. und M. ziehen sich am 22. September 2012 um 21.24 Uhr eine Sturmhaube übers Gesicht, betreten den Rewe-Markt und drohen mit einer Pistole. S. schießt einer Kundin (51) durch die rechte Schulter, bedroht eine Kassiererin, raubt ihr 800 Euro. M. läuft ins Marktleiterbüro, bedroht einen Mitarbeiter (22), lässt sich 19 650 Euro aus dem Tresor geben. Er lässt das Kabel der Videokameras zerschneiden und packt den Überwachungscomputer ein. Dann flüchten beide Täter. Sie fahren zu einem Komplizen (43) in Neuwied. Der gewährt ihnen Unterschlupf und beseitigt ihre Waffen.

    Der 43-jährige Komplize ist im Prozess einer der Angeklagten – ebenso der Rewe-Mitarbeiter, der den Tätern den Tresorinhalt übergab. Laut Anklage war er einer ihrer Komplizen und hatte die Idee zu dem Überfall. Kurios: Er wollte eigentlich stellvertretender Marktleiter werden, soll zur Tatzeit eine Einarbeitungsphase absolviert haben. Die Kundin musste nach dem Überfall notoperiert werden. Laut Anklage verletzte der Durchschuss nur zufällig keine inneren Organe.

    Während der Prozess in Koblenz lief, suchten Taucher nahe der Raiffeisenbrücke die Tatwaffen. Denn die Angeklagten haben sie dort möglicherweise in den Rhein geworfen. Die Beamten der Bereitschaftspolizei Mainz und Wittlich durchkämmten acht Stunden lang den Uferbereich – fanden aber nichts. Bereits im April war eine Suchaktion erfolglos geblieben.

    Die Angeklagten sollen in unterschiedlicher Beteiligung weitere Taten geplant haben. Laut der Staatsanwaltschaft wollten sie im September 2012 ein Haus in Niederkassel überfallen, die Bewohner zur Herausgabe von Geld zwingen und ihnen notfalls die „Füße abschneiden". Doch die mutmaßlichen Täter wurden kurz vor dem Überfall entdeckt und flüchteten. In der Vorweihnachtszeit wollten sie laut Anklage eine Spielhalle in Andernach ausrauben. Sie spionierten sie tagelang aus – wurden dann aber festgenommen. Am ersten Prozesstag verlas der Staatsanwalt nur die Anklage. Die Verhandlung geht am 2. Oktober weiter.

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