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  • Miese Behandlung: ALS-Patient verlor fast den Lebensmut

    Heddesdorf. 2015 war für Frank Zimmermann ein bewegtes Jahr. Nach einem tiefen Tiefpunkt  kam neue Hoffnung in Form einer Frau und einer neuen Therapieform. Doch um die machen zu können, braucht Zimmermann finanzielle Hilfe.

    Frank Zimmermann mit seiner Partnerin Yvonne Butter, die er im Krankenhaus kennengelernt hat. „Ein Sechser im Lotto“, sagt er – mithilfe seines Sprachcomputers, den er mit den Augen steuern kann.
    Frank Zimmermann mit seiner Partnerin Yvonne Butter, die er im Krankenhaus kennengelernt hat. „Ein Sechser im Lotto“, sagt er – mithilfe seines Sprachcomputers, den er mit den Augen steuern kann.
    Foto: Ulf Steffenfauseweh

    Von unserem Redakteur
 Ulf Steffenfauseweh

    Sein Schicksal hat die Neuwieder bewegt wie kaum ein zweites in den vergangenen Jahren: 2009 erstmals bemerkt, hat die Nervenkrankheit ALS aus dem sportlichen jungen Familienvater Frank Zimmermann in wenigen Monaten einen Pflegefall gemacht. Als die Rhein-Zeitung 2013 erstmals über ihn berichtete, war er bereits schwer gezeichnet, konnte Arme und Hände kaum bewegen, nur noch mit großer Mühe sprechen.

    Heute, Anfang 2016, ist er im Endstadium seiner Krankheit angelangt, wie er selbst sagt: Frank Zimmermann sitzt nahezu vollständig gelähmt im Rollstuhl, wird künstlich beatmet und über eine Magensonde ernährt. Selbst essen kann er nicht mehr, Kommunizieren nur noch über einen speziellen Sprachcomputer: Der reagiert, wenn er mit seinen Pupillen die einzelnen Buchstaben auf der Bildschirmtastatur fixiert.

    Immerhin: Gesichtsmimik ist ihm geblieben. Frank Zimmermann kann lächeln – und er lächelt oft. Denn trotz der schlimmen Krankheit ist der 41-Jährige ein positiver, lebensbejahender Mensch geblieben. Sein mittlerweile sechsjähriger Sohn bringe bei den regelmäßigen Besuchen viel Schwung in die Wohnung, erzählt er. Und dann ist da noch „ein Sechser im Lotto“: Yvonne Butter. „Dank ihr geht es mir privat sehr gut“, verrät der Neuwieder – natürlich lächelnd – im Gespräch mit der RZ. Im Krankenhaus hat er die Krankenschwester aus Koblenz kennen- und lieben gelernt. Seit dem 28. September 2014 sind sie ein Paar und wohnen heute in der gemeinsamen Wohnung auf dem Heddesdorfer Berg.

    Spendenaufruf war schon mal erfolgreich

    Doch trotz dieses unverhofften Glücks waren die vergangenen Monate für Frank Zimmermann alles andere als ein Zuckerschlecken. Es begann damit, dass einer der letzten Strohhalme, an die er sich vor drei Jahren noch klammerte, zerbrach: die Stammzellentherapie. Eine riesige Welle der Hilfsbereitschaft hatte damals die teure Behandlung ermöglicht. Dank des Engagements seiner Fußballfreunde, vor allem vom VfL Neuwied, kickte sogar die Lotto-Elf im Raiffeisenstadion für den guten Zweck. So kamen genug Spenden zusammen, um die 30 000 Euro teure Behandlung in Wien durchzuführen. Sie brachte jedoch nichts als Schmerzen. „Es war leider Abzocke“, bilanziert Frank Zimmermann heute. Denn laut Arzt hätte er die Behandlung jedes halbe Jahr für 10 000 Euro wiederholen müssen. „Unmöglich“, weiß er. „Deshalb wird es auch gar nicht mehr angeboten.“

    So schritt die Krankheit weiter fort. Im Mai 2004 bekam der Neuwieder nach langem Hickhack mit der Krankenkasse einen mit den Füßen steuerbaren Elektrorollstuhl. Dann ging es Mitte des Jahres ins Krankenhaus, weil die Atemaussetzer häufiger wurden. Nach einer Horrornacht mit starker Luftnot – „Ich hatte richtig Schiss, dachte, das war es jetzt“ – bekam er einen Luftröhrenschnitt. Seitdem wird Frank Zimmermann künstlich beatmet, kann deshalb nicht mehr sprechen. Er braucht eine 24-Stunden-Intensivpflege.

    Das jedoch lief nicht ohne Probleme ab. Im vergangenen Jahr kündigte sein Pflegedienst wegen Personalmangels, der Nachfolger erwies sich als unfähig. „Das Personal stand zum Teil unmittelbar vor der Rente und war absolut nicht in der Lage, mich zu mobilisieren“, schreibt Frank Zimmermann auf seiner Internetseite „one-life-one-chance.de“, und der sonst so freundlich-zurückhaltende Mann schiebt hinterher: „Was sich hier zwei Wochen lang abspielte, grenzte an Körperverletzung.“

    Weil sich so schnell kein neuer Dienst fand, musste Zimmermann zunächst ins Krankenhaus und dann, weil die Kasse die Kosten nicht länger übernehmen wollte, in ein Altenheim bei Mayen. „Sie waren absolut nicht in der Lage, einen ALS-Patienten zu versorgen“, schreibt er und gibt als Beispiel an, dass er einmal fast 20 Minuten mit Luftnot allein im Bett lag, weil er hätte abgesaugt werden müssen, aber niemand kam.

    Diese Situation wiederum führte zu Angstzuständen und letztlich zur erneuten Verlegung auf die Intensivstation eines Krankenhauses, wo man feststellte, dass er sich durch ständiges Verschlucken und Nicht-Absaugen eine schwere Lungenentzündung zugezogen hatte. „Das war alles zu viel für mich. Zum ersten Mal seit Beginn meiner Erkrankung wollte ich nicht mehr leben“, schreibt er.

    Glücklicherweise ging es anschließend wieder bergauf, auch wenn ihn zwischenzeitlich noch eine beidseitige Lungenembolie plagte. „Diese Gedanken sind heute jedenfalls völlig verschwunden“, erzählt Zimmermann im Gespräch mit der RZ und unterstreicht. „Es lag nur an der falschen Behandlung.“

    Mittlerweile ist ein neuer Pflegedienst gefunden, und auch Yvonne Butter kümmert sich nicht nur als Freundin, sondern als offizielle Pflegerin um Frank Zimmermann. Die beiden hoffen, dass es so noch lange bleibt. Denn an ALS stirbt man nicht. Zwar ist durch die Muskellähmung die Infektionsgefahr deutlich erhöht, aber die Krankheit greift nicht die Organe an, erklärt die Krankenschwester. „Meistens ersticken die Patienten irgendwann, aber das wird Frank durch die künstliche Beatmung nicht passieren“, weiß sie.

    Traditionelle Chinesische Therapie soll helfen

    Da es aber auch keine Heilung geben wird, wollen sie alles dafür tun, die Lebensqualität so hoch zu halten wie möglich. Der Umzug in eine größere, E-Rolli-gerechte Wohnung war der erste Schritt. Hoffnung geben darüber hinaus erste Versuche mit der Traditionellen Chinesischen Therapie.

    „Ich habe damit im November angefangen und traute meinen Augen nicht, als ich nach nur ein paar Tagen mein Handgelenk leicht nach außen drücken und meinen rechten Daumen leicht beugen konnte“, schreibt Frank Zimmermann in seinem Bericht. „Das war schon seit über einem Jahr komplett gelähmt. Wahnsinn“, ergänzt er und glaubt, dass er mit viel Fleiß vielleicht in einem Jahr wieder etwas greifen kann. Er weiß nur nicht, wie er die Behandlungskosten allein stemmen soll.

    Erneut um Hilfe zu bitten, ist dem bescheidenen Neuwieder sichtlich peinlich. Aber er hat keine andere Wahl. Denn schließlich ist ein Spruch, der auch gemalt in seiner Küche hängt, zu seinem Lebensmotto geworden: „One Life. One Chance“. Ein Leben, eine Chance – mehr hat man leider nicht.

    Weitere Infos über Frank Zimmermann

     

    Spendenkonto:

    Eine Traditionelle Chinesische Therapie kann Frank Zimmermanns Lebensqualität verbessern, ist jedoch sehr teuer: Eine Sitzung kostet 70 Euro, acht wären pro Monat nötig. Die Krankenkasse übernimmt diese Kosten nicht. Frank Zimmermann selbst bekommt eine kleine Rente, seine Partnerin Yvonne Butter ist Krankenschwester. „Damit können wir die Therapie unmöglich selbst bezahlen“, bedauern sie und bitten daher die Bevölkerung um Hilfe. Wer etwas spenden möchte, kann gern auf Frank Zimmermanns Therapiekonto bei der Sparkasse Neuwied (BIC:MALADE51NWD) überweisen. Bitte unter Verwendungszweck „Zuwendung“ angeben. 
Iban: DE33 5745 0120 0130 5262 96

     

     

    Frank Zimmermann: "Ice-Bucket-Challenge ist eine tolle Aktion" Frank Zimmermann kann Therapie beginnenALS: Neuwieder will gegen seine Krankheit kämpfen
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    Nina Borowski

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    Chef v. Dienst

     

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