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    NeuwiedMarktbräu Neuwied: Ex-Mitarbeiter sind weiter arbeitslos

    Ex-Marktbräu-Mitarbeiter üben heftige Kritik an einer Aussage von AWO-Chef Fredi Winter, sie hätten bereits neue Jobs gefunden. Und der reagiert darauf durchaus überraschend.

    Von unserem Redakteur Ulf Steffenfauseweh

    Neuwied. Das Marktbräu ist zu, aber den entlassenen Mitarbeitern geht es gut. Diesen Eindruck vermittelte AWO-Kreischef Fredi Winter, als er kürzlich im Gespräch mit der RZ erzählte, dass die früheren Mitarbeiter der von der AWO-Tochter Disa geführten Brauereigaststätte mit einer Ausnahme neue Anstellungen gefunden hätten.

    Das ist jedoch nicht der Fall, wie ein äußerst verärgerter Ex-Restaurantleiter Andreas Gemes und sein Stellvertreter Salvatore Mangano jetzt gegenüber unserer Zeitung klarstellen. „Wir stehen untereinander noch gut in Kontakt. Fakt ist, dass von den ehemals sechs Festangestellten nur die beiden Jungköche eine neue Arbeit gefunden haben", sagt Gemes und ergänzt: „Zum Zeitpunkt der Winter-Aussage war es sogar nur einer."

    Etwas weniger diplomatisch formuliert es Mangano: „Erst servieren sie uns eiskalt ab, dann verbreiten sie auch noch Lügen über uns, so dass sie gut dastehen. Was für Heuchler!", hat er seinem Ärger auch auf Facebook freien Lauf gelassen. Und gegenüber der RZ führt er weiter aus, dass der Ex-Arbeitgeber auch bei der Verkündung der Kündigung erzählt habe, dass er sich „um alles gekümmert" habe. Die Meldung bei der Arbeitsagentur sei erfolgt und dort habe es geheißen, dass über 70 Stellen frei seien, gibt er wider. „Doch als ich mich dann bei der Arbeitsagentur gemeldet habe, wusste derjenige noch nicht einmal, dass wir schließen", schimpft er.

    Nur mies bezahlte Jobs zu haben

    Doch warum haben die Mitarbeiter keine neuen Anstellungen gefunden, obwohl beispielsweise Neuwieds IHK-Geschäftsstellenleiter Fabian Göttlich gegenüber der RZ Winters Aussage bestätigt, dass auch in unserer Region Fachkräfte im Gastronomiegewerbe „händeringend gesucht" werden? „Die Saison ist vorbei. Da ist es schwierig. Was jetzt noch frei ist, ist Müll", kommentiert es Mangano unverblümt. Und Gemes fügt an, dass „merkwürdigerweise immer dieselben Betriebe" Leute suchten. „Wer wie wir seit 20 Jahren im Gewerbe ist, kennt diese Leute alle. Es gibt schon einen Grund, warum die kein Personal bekommen", sagt er.

    Auch Ex-Marktbräu-Aushilfe Melanie Röhr berichtet, dass sie lediglich Angebote für 4,50 Euro brutto in der Stunde hatte. „Bei einer Vollzeitstelle mit 40 Stunden in der Woche sind das knapp 800 Euro", hat sie ausgerechnet. Auf eine entsprechende Aussage von ihr in den letzten Tagen des Marktbräus habe Winter geantwortet, dass sie deshalb SPD wählen solle, weil die ja für einen Mindestlohn von 8,50 Euro stehe. „Ich fand, dass das eine unglaubliche Frechheit war", sagt sie.

    Marktbräu zahlte über Tarif

    Nicht in Zweifel ziehen wollen die drei ehemaligen Angestellten dagegen, dass das Marktbräu faire Löhne gewährt hat. „Das war gut. Sie haben über Tarif bezahlt und sich in finanzieller Hinsicht absolut fair verhalten", betont Gemes.

    Der Grund für die finanzielle Schieflage der Brauereigaststätte sei das aber nicht gewesen. Er glaubt vielmehr genauso wie Mangano, dass mit dem Marktbräu auf Sicht Geld zu verdienen gewesen wäre. Für das Scheitern habe es mehrere Gründe gegeben.

    Anfangs lief viel falsch

    Als ersten machen sie ihre Vorgänger aus. Die AWO habe sich zwar einen Wirt geholt und nicht versucht, den Betrieb selbst zu führen, dabei aber wohl kein glückliches Händchen gehabt. „Da lief anfangs fast alles falsch, was man falsch machen kann", meint Gemes und konkretisiert: „Schlechtes Essen, schlechtes Personal." Mangano bestätigt das und beruft sich dabei auf die Aussagen von späteren Stammgästen.

    Die vor rund eineinhalb Jahren engagierte neue Mannschaft habe sich dagegen viel einfallen lassen und immer wieder neue Angebote gemacht, „um die Leute nicht zu langweilen". „Ich behaupte, dass wir ein sehr gutes Team waren, das Ahnung von der Gastronomie hat", unterstreicht Mangano. Daher hätten sich die Zahlen auch verbessert – bis die RZ über die „AWO-Affäre" berichtete. „Vor allem nach dem zweiten Artikel, in dem Zahlen auf den Tisch gelegt wurden, ging es rapide herunter", versichert Gemes, der sagt, dass die geschriebenen Zahlen „nicht ganz richtig" gewesen seien.

    Umsatzeinbruch um 40 Prozent im Juni/Juli

    Im Marktbräu seien die Umsätze im Juni und Juli gegenüber einem sehr guten Mai jedenfalls um bis zu 40 Prozent eingebrochen. Das habe auch am heißen Wetter gelegen, in dem Betriebe mit wenig Außengastronomie es immer schwer hätten. Der Hauptgrund ist das seiner Meinung nach jedoch nicht gewesen.

    Dass die Geschäftsführung danach die Notbremse gezogen und die Brauerei geschlossen hat, findet Mangano dennoch nicht richtig. „Es ging gerade wieder leicht aufwärts", sagt er und verweist auf „einige Großbuchungen" für September und viele Weihnachtsfeiern, die abgesagt werden mussten.

    Die Leitung der Betreiber-GmbH Disa äußert sich zum Thema Marktbräu auf Anfragen der RZ überhaupt nicht, wie Geschäftsführerin Martina Jobelius-Jungbluth wissen ließ.

    Fredi Winter entschuldigt sich

    Von der RZ auf die Vorwürfe angesprochen, reagierte AWO-Kreischef Fredi Winter sichtlich zerknirscht und nahm die Verantwortung auf seine Kappe. „Als ich das gesagt habe, bin ich davon ausgegangen, dass die meisten Mitarbeiter bereits eine Stelle gefunden haben oder finden werden. Ich musste in den Tagen danach aber feststellen, dass dies nicht der Fall ist. Ich bedauere es sehr, vorher nicht intensiver nachgehört zu haben und entschuldige mich bei den Betroffenen. Ich wünsche ihnen, dass es ihnen gelingen möge, eine Stelle zu finden", sagte er. Die früheren Restaurantleiter Gemes und Mangano hatten zuvor bereits gegenüber der RZ angekündigt, eine Entschuldigung Winters auch annehmen zu wollen. „Wenn er das macht, ist die Sache für uns aus der Welt", hatten sie versichert. Etwas anders verhält es sich mit dem Vorwurf, Winter habe Marktbräu-Aushilfe Melanie Röhr gesagt, sie solle eben SPD wählen. „Das stimmt so nicht", betonte Winter. „Ich habe lediglich erwidert, dass die Einführung eines Mindestlohns in der Gastronomie ganz wichtig wäre. Aber ich würde mich hüten, in diesem Fall irgendwas von ,SPD wählen' zu raten", sagte er.

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