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    Kreis NeuwiedLandwirtschaft: Milchbauern im Kreis von Erwerbseinbrüchen gebeutelt

    Die Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz schlägt Alarm: Nach Auswertung der Buchführungsergebnisse des Wirtschaftsjahres 2014/2015 haben sich die Unternehmensergebnisse der Betriebe im Land nahezu halbiert.

    Im europäischen Vergleich sind die deutschen Landwirte sogar die großen Verlierer. Mit 37,6 Prozent habe sich das landwirtschaftliche Realeinkommen je Arbeitskraft in 2015 europaweit am stärksten verringert. Neben den Ackerbaubetrieben treffe es die Milchproduzenten am härtesten – auch im Kreis Neuwied. Das wiederum ruft den im Kreis für die Untere Landwirtschaftsbehörde zuständigen Beigeordneten Achim Hallerbach auf den Plan: „So kann und darf es nicht weitergehen. Hier ist die Europäische Union dringend gefordert, sonst wird die Lage dramatisch“, fordert er.

    Der Milchpreis ist 2015 im Vergleich zum Vorjahr um etwa 7 bis 8 Cent je Kilogramm gefallen. „Da fehlen uns ein Viertel der Einnahmen aus dem Milchgeld,“ klagt Milchviehzüchter Michael Büllesbach aus Irmeroth. Das sind Mindereinnahmen von 700 Euro je Kuh. Derartige Preiseinbrüche könne ein landwirtschaftliches Unternehmen nur kurzfristig durch Aussetzung nicht dringend benötigter Investitionen verkraften.

    Aber für viele Milchbauern ist nicht ans Aufhören zu denken. Wer viel Geld in Stallbau und Melktechnik gesteckt hat, muss seine Verbindlichkeiten gegenüber den Banken erfüllen. Eine Hoffnung auf eine deutliche Besserung der Marktlage scheint für Experten Anfang 2016 nicht in Aussicht.

    „Haben zwei Erntejahre mit weltweit hohen Getreideerträgen den Preisverfall beim Getreide maßgeblich beeinflusst, so ist die Ursachenforschung auf dem Milchmarkt etwas komplexer“, so Thomas Ecker von der Unteren Landwirtschaftsbehörde. Die schwächelnde Wirtschaft – vor allem in China – drossele den weltweiten Verbrauch an Milchprodukten stark. Das Russlandembargo für europäische Milchexporte treffe die deutschen Produzenten zwar nur indirekt, da vorrangig niederländische Molkereien ihre Lieferungen einstellen mussten, aber diese Milchprodukte belasteten nun den innergemeinschaftlichen Markt und würden zu Niedrigpreisen abgesetzt. Hallerbach: „Zudem hat sich durch das Ende der Milchmengenregulierung in der EU die Milchmenge zusätzlich erhöht.“

    Preisgestaltungen stellen Probem dar

    Ein zusätzliches Problem stellen die Preisgestaltungen auf dem deutschen Milchmarkt dar. „Wenige Handelsketten stehen einer Vielzahl von Molkereien gegenüber, die ihre Produkte oft nur durch drastische Preiskonzessionen in den Warenverkehr bringen können,“ weiß Thomas Ecker.

    Kreisbauernverbandschef Ulrich Schreiber aus Dierdorf spricht ebenfalls Klartext: „Die Quotenregulierung hat uns keinen besseren Milchpreis beschert. Die weltweite Nachfrage bestimmt jetzt auch immer mehr den Milchmarkt.“ Schreiber geißelt das Russland-Embargo als ein Grund für die Krise. „Die Politik kann helfen, indem sie Exporthemmnisse abbaut.“ Zum Preiseinbruch kommen zeitversetzte Steuernachforderungen für bessere Jahre und Strafzahlungen wegen der Überlieferung der Quote hinzu. All das beeinflusse die Buchführungsergebnisse.

    Zudem hätten nun auch die Ackerbauern mit Blick auf den Preis fürs Getreide eine Breitseite erhalten. Problem: Das ganze Jahr über wird überall auf der Welt Weizen geerntet. So, wie es derzeit aussieht, gibt es erfolgreiche Ernten, was den Preis nicht gerade hochschnellen lässt. „Für heimische Landwirte, die zum Teil Getreide beim Landhandel eingelagert haben, ist das ein Pokerspiel.“

    Einvernehmliche Lösungsansätze von Politik, Bund Deutscher Milcherzeuger und Deutschen Bauern- und Winzerverband, um der Übermenge auf dem Weltmarkt Herr zu werden, scheinen zurzeit nicht in Sicht. Auch die Liquiditätshilfen vom Bund von 78 Millionen Euro sind da nur ein Tropfen auf den heißen Stein, meint Hallerbach. rgr

     

    Bio-Milch bisher verschont

    Allein die Milchproduktion von Biobetrieben ist bislang von dieser Milchpreiskrise verschont geblieben. Hier steht eine stabile Produktionsmenge einer stabilen Nachfrage gegenüber. Das rheinland-pfälzische Landwirtschaftsministerium setzt hier auf mehr Förderung von Biobetrieben, um konventionelle Milcherzeuger zur Umstellung auf Bioproduktion zu bewegen. „Aber wie stabil ist der Markt für Biomilch und wie viel Neueinsteiger kann er verkraften,“ hinterfragt der Kreisbeigeordnete Achim Hallerbach diesen Ansatz.

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