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  • Kunstwerkstatt in Neuwied: Jugendliche betrachten ihr Ich einmal anders

    Neuwied. Jugendliche und ihr Smartphone, bei manchem besteht da eine fast symbiotische Verbindung. Selfies, also Fotos von sich selbst zu machen, gehört natürlich dazu. Viele laden ihre Fotos im Internet im sozialen Netzwerk Facebook oder bei Instagram hoch, da sollen andere sie bewundern und dann passiert in der Regel nichts mehr. Ganz anders war das in der Jugendkunstwerkstatt "Du und ich und alles, was wir kennen" des Kinder- und Jugendbüros und des Stadtmarketings, dort waren die Selbstporträts nur der Ausgangspunkt.

    Foto: ys

    Von unserer Redakteurin Yvonne Stock

    "Das Selfie verändert den Blick der Menschen auf sich selbst, ich wollte das in eine andere Materialität übertragen", erklärt die Mainzer Künstlerin Anne-Louise Hoffmann den Ausgangspunkt für das von ihr betreute dreitätige Projekt mit zwölf Jugendlichen zwischen 11 und 14 Jahren. Die 13-jährige Sinah hat sich bei den beiden Spaziergängen der Gruppe im Schlossgarten und zum Pegelturm unter anderem auf der Treppe des Bauwerks fotografiert. Die Künstlerin hat dabei versucht, den Blick der Jugendlichen zu weiten: "Es ist wichtig, darauf zu achten, was im Hintergrund ist", sagt Hoffmann. Die Fotos sollten nicht nur um das eigene Ich kreisen, sondern es sollte auch eine Beziehung zum Rest entstehen. Sinah streicht das auf Papier ausgedruckte Foto von ihr mit Lavendelöl ein, dessen Geruch bereits den gesamten von der Stadtgalerie zur Verfügung gestellten Raum eingenommen hat. Dann dreht sie es um und drückt es auf ein Stück Stoff und fährt kräftig mit der Hand darüber. "Das Öl löst die Farbe", erklärt Künstlerin Hoffmann. Die landet, mal mehr, mal weniger dick auf dem Stoff. "Das bringt etwas Künstlerisches in den Prozess", meint Hoffmann. Ein Foto kann man mit etwas Aufwand perfekt inszenieren, hier entstehen teilweise Leerstellen, ausdruckslose oder halbe Gesichter. "Man entfernt sich vom Perfektionismus", sagt die 32-Jährige, die auch als Musikerin unterwegs ist. Die Jugendlichen können den Prozess des Drucks nicht komplett kontrollieren.

    Aus dem Ich ist bei der zwölfjährigen Mira ein Wir mit ihrer gleichaltrigen Cousine und Freundin Annalena geworden. Mira gehört zu den Vielfotografierern, im Schnitt kommt sie auf 70 Fotos am Tag, schätzt sie. "Wenn die schön sind, stelle ich sie bei Instagram ein." Auf ihrem Stück Stoff und dem ihrer Freundin sind sie häufig zu zweit zu sehen, formen zum Beispiel mit ihren beiden Händen ein Herz oder lächeln in die Smartphonekamera. Bei Mira sticht ein mit roter Farbe nachgezogener Mund hervor. Annalena verstreicht Lavendelöl auf einem Gruppenbild von fünf Mädchen, die von hinten aufgenommen sind. Als sie das Blatt Papier vorsichtig wieder vom Stoff löst, flucht die Zwölfjährige: "Das ist gar nicht gut geworden." Zu wenig Farbe hat sich gelöst.

    Derweil schreibt Manon eine erfundene Geschichte über sich auf eine Gipsmaske von ihr. Sie fotografiert privat vor allem für sich, die schönsten Ausdrucke kommen in ein Album, erzählt die Zwölfjährige. "Eine Maske ist auch eine Art Selfie", sagt Künstlerin Hoffmann. Am ersten Tag taten sich die Jugendlichen damit noch etwas schwer, am zweiten hatten sie den Dreh raus. Es geht der Mainzerin auch darum, den Jugendlichen Techniken an die Hand zu geben, mit denen sie sich ausdrücken können. Wenn ihre Schützlinge anfangen, sich bewusst von den Vorgaben zu lösen und den Dingen ihren Stempel aufzudrücken, dann beginnt aus ihrer Sicht die eigentliche künstlerische Entwicklung. Nicht alle Jugendlichen kommen in den drei Tagen so weit, einige brauchen noch Inspiration von der Künstlerin und ihrer Unterstützerin Kim Sendker vom Kinder- und Jugendbüro. Tanja Buchmann von dem Büro hat die Mainzerin nach Neuwied geholt, die für die Kunstwerkstatt über das Landesprogramm "Jedem Kind seine Kunst" des Kulturministeriums finanziert wird. In dessen Künstlerdatenbank hat Buchmann vor einem halben Jahr ihr Projekt entdeckt und war sofort begeistert, erzählt sie.

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