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    NeuwiedGeld oder Liebe: "Der Geizige" überzeugt im Schlosstheater Neuwied

    Mit Molières Komödie „Der Geizige“ hat das Ensemble des Schlosstheaters am Mittwochabend Premiere gefeiert – und eine tolle Leistung gezeigt.

    Klassisch mit moderner Prise: Das Ensemble des Schlosstheaters brachte sein Publikum in der Premiere von „Der Geizige“ oft zum Lachen – allen voran Peter Nüesch in der Hauptrolle des Harpagon.
    Klassisch mit moderner Prise: Das Ensemble des Schlosstheaters brachte sein Publikum in der Premiere von „Der Geizige“ oft zum Lachen – allen voran Peter Nüesch in der Hauptrolle des Harpagon.
    Foto: Schlosstheater/Friedhelm Schulz

    Er ist geizig durch und durch, der geizige Harpagon. Lange bevor er die Bühne betritt, wird das klar: Plastikhussen versperren den Blick aufs edle Stuhlpolster. Die Schutzfolie auf dem Samt des Barocksofas knistert, wenn sich Tochter Elise und Sohn Cléante setzen, um über den knausrigen Vater zu schimpfen. Die Geschichte vom extrem geldgierigen Harpagon, der trotz Reichtum sowohl seine Kinder als auch die Bediensteten bei knapper Kasse hält, kam beim Publikum gut an.

    Vor allem liegt das an Peter Nüesch, der das Stück nicht nur inszeniert, sondern auch in die Hauptrolle schlüpft. Sein Geiziger taumelt in ständiger Sorge ums geliebte Geld zwischen Wutausbruch und schierem Nervenzusammenbruch umher. Schon im ersten Akt poltert er wie ein alter Pirat auf die Bühne und lässt das „R“ durch den Saal röhren. Ein verklärtes Lächeln zieht sich über sein Gesicht, wenn er wieder und wieder betont, dass der auserwählte künftige Schwiegersohn die Tochter „ohne Mitgift“ zur Frau nimmt. Als dagegen sein Geld abhandenkommt, stiert Harpagon mit irrem Wahn ins Publikum und beschuldigt plötzlich jeden: „Jeder sieht aus wie ein Dieb. Ihr sitzt da und lacht.“

    Pragmatische Frosine und konfliktscheuer Jacques

    Nüesch inszeniert Molières Theaterklassiker als ebensolchen: recht klassisch. Hier und da aber würzt er mit einer modernen Prise. So kleidet Kostümbildnerin Hanne Eckart die jungen Darstellerinnen in quietschgrünen und -blauen Tüllrock, verpasst der begehrten Mariane noch dazu hochhackige, pinke Schleifchenpumps. Meist behält das Ensemble den förmlichen Ton des 1668 in Paris uraufgeführten Stückes bei. Nur Oliver Grabus babbelt als konfliktscheuer und dümmlicher Bediensteter Jacques im breiten Pälzisch daher. Dazu erheitert er mit seiner ehrlichen, einfachen Art im zweigeteilten Kostüm – links der Kutscher in Schwarz, rechts der Koch in Weiß. Als pragmatische Heiratsvermittlerin Frosine wickelt Gabriele Schulze den Harpagon mit ihrer seriösen, von sich selbst überzeugten Art und tiefer Stimme um den Finger. Eben noch prophezeit sie ihm ein beachtlich langes Leben. Wenig später versichert sie seiner jungen Braut in spe, dass der Alte nicht mehr lange hat.

    Als Tochter Elise trotzt Vanessa Frankenbach den Eskapaden des Vaters, wird schnell hochemotional und verliert doch nie den Optimismus. Schnell schließt sie die junge Mariane – geliebt vom Sohn, begehrt vom Vater – ins Herz. Alice Erk gibt die Mariane mit ihrem Pferdeschwanz kindlich-naiv, ein anständiges Mädchen. David Imper spielt den zaghaft träumerischen Sohn Cléante als jungen Burschen, der einerseits unter der Fuchtel des Vaters steht, andererseits ebenso schnell die Geduld verliert und laut wird. Konstantin Hertel gibt den Valère als höflichen Edelmann, ebenso selbstbewusst und verliebt in Elise wie ehrfürchtig vor seinem Herren Harpagon. In mehreren kleinen und einer größeren Nebenrolle überzeugt Stefan Krause. Mal näselt er als Polizist behördlichen Singsang in sein Notizbuch, mal beschwichtigt er als Anselme mit italienischem Akzent in der Stimme und den typisch zur Spitze zusammengepressten Fingern.

    Viel Lob für Peter Nüesch

    Die Truppe bringt Molières „Geizigen“ so auf die Bühne, wie das Neuwieder Publikum den altbekannten Theaterklassiker sehen will: als kurzweilige Komödie mit liebenswerten Charakteren und turbulentem Ende. Das zeigt sich auch in den Gesprächen in der Pause. Viel Lob und Applaus erntet dabei vor allem Nüesch mit seinem intensiven Spiel. Das zaubert dem geizigen Harpagon am Ende ein glückseliges Lächeln auf den Mund, bleibt ihm doch nach allem die innige Liebe zu seinem Geld.

    Von unserer Reporterin Marion Ziegler

     

    "Der Geizige": Vorstellungen bis zum 19. Februar

    Die Komödie „Der Geizige“ von Molière in der Inszenierung von Peter Nüesch zeigt das Schlosstheater noch bis Dienstag, 7. Februar, und von Dienstag, 14., bis Sonntag, 19. Februar, jeweils um 20 Uhr, am 19. Februar zusätzlich um 16 Uhr. Karten gibt es an der Abendkasse ab jeweils eine Stunde vor Vorstellungsbeginn. Es sind noch wenige Restkarten verfügbar. Informationen gibt es beim Schlosstheater unter Telefon 02631/ 222 88 und per E-Mail an info@schloss theater-neuwied.de


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