40.000
  • Startseite
  • » Region
  • » Aus den Lokalredaktionen
  • » RZ Neuwied/Linz
  • » Einer fehlt: Für Trauernde ist das Weihnachtsfest ein Graus
  • Einer fehlt: Für Trauernde ist das Weihnachtsfest ein Graus

    Kreis Neuwied. Der Weihnachtsbaum ist geschmückt, der Tisch gedeckt, und die Geschenke liegen parat - doch einer fehlt. Ehrenamtliche erklären, wie man die Festtage dennoch gut übersteht.

    Der gemeinsame Gang zum Grab kann Teil des Fests sein.  Foto: dpa
    Der gemeinsame Gang zum Grab kann Teil des Fests sein.
    Foto: dpa

    Ein geliebter Mensch, Partner, Vater, Mutter, Kind oder Großelternteil wird diesmal nicht mit Weihnachten feiern, denn er oder sie lebt nicht mehr. Auch in diesem Jahr haben wieder viele Menschen im Kreis Neuwied eine nahestehende Person verloren und blicken mit Grauen auf den nahenden 24. Dezember. Trauerbegleiter empfehlen, sich Gedanken über die Gestaltung der Festtage zu machen.

    "Viele sagen, sie machen die Tür zu, wollen nichts sehen oder hören und machen erst im neuen Jahr wieder auf", berichtet Heidi Hahnemann vom Neuwieder Hospizverein. Sie plädiert jedoch dafür, den Tagen Struktur zu geben und es Freunden und Bekannten zu ermöglichen, sich zu kümmern. "Bloß nicht blind reingehen", meint Hahnemann. Gerade wenn es sich um Einzelpersonen handelt, sind die Menschen drum herum gefragt, sich zu erkundigen, Hilfe und Gesellschaft anzubieten. Ein Tabu generell beim Umgang mit Trauernden ist die Frage "Wie geht's dir?" Stattdessen lieber Vorschläge für Ablenkungen machen oder konkrete Hilfen anbieten. Und: "Es nicht persönlich nehmen, wenn der Trauernde mehrfach ablehnt, sondern immer wieder fragen."

    15 ehrenamtliche Trauerbegleiter im Kreis

    Ernst Neumann ist einer von 15 ehrenamtlichen Trauerbegleitern des Vereins im Kreis und kennt selbst die Leere, die sich nach einem Verlust einstellt. Er empfiehlt: "Auf sich selbst hören. Das machen, was einem guttut." Das kann auch sein, Weihnachten ganz ausfallen zu lassen, ein Kontrastprogramm zu fahren, auf Reisen zu gehen. Doch Hahnemann gibt zu bedenken: "Vor der Trauer kann man nicht fliehen. Sie holt einen immer irgendwann ein."

    Die beiden Experten raten deshalb zur Auseinandersetzung mit dem Tod. Es sei wichtig, die neue Situation zu realisieren und zu verstehen, dass es so bleibt. "Es wird aber nicht immer die Katastrophe bleiben, die es erst einmal ist", sagt Hahnemann. Gerade bei Familienfesten wie Weihnachten oder Geburtstagen sei die Lücke stark zu spüren. Doch Neumann weiß: "Manches bricht weg... anderes kann wieder hinzukommen."

    Kinder beim Trauern nicht ausschließen

    Sind jüngere Kinder involviert, ist es schwer, das Weihnachtsfest ausfallen zu lassen, da man ihnen sonst etwas wegnehmen würde, worauf sie sich freuen. "Hat es vorher eine Rolle gespielt, sollte man das Fest auch beibehalten. Es darf aber anders sein." Über dieses Anderssein sollte auch geredet werden. Erwachsene können Kinder leicht durch ihr Schweigen verunsichern, deshalb sollte der Verlust in der Familie besprochen werden. "Kinder trauern anders als Erwachsene. Sie sind sehr sprunghaft dabei, können aber ihre Gefühle sehr wohl formulieren", erklärt Hahnemann.

    Foto: cno

    Auch wenn keine Kinder betroffen sind, empfiehlt Hahnemann, gewisse Rituale beizubehalten. Den Kirchgang, der jahrelang gemeinsam mit dem Partner vollzogen wurde, diesmal alleine anzutreten. "Viele haben Angst, sich in Gesellschaft zu begeben, fürchten sich vor den Blicken oder angesprochen zu werden", weiß Neumann. Er ist sich bewusst, dass es viel Kraft erfordert, progressiv an die Sache heranzugehen. Doch Trauernde können auch lernen, wie sie Kraft schöpfen können. Die Angebote des Hospizvereins können dabei helfen.

    Trauer ist etwas Individuelles

    Doch egal wie viel Tipps man einholt, Trauer ist und bleibt etwas Individuelles. "Für alles gibt es seine Zeit", sagt Neumann in diesem Sinne. So gebe es auch eine Zeit, des Verstorbenen zu gedenken. Ein zusätzlicher Teller an der Weihnachtstafel, ein Schmuckstück, das zu Ehren des Toten getragen wird, ein abgeknickter Ast vom Weihnachtsbaum, der beim gemeinsamen Besuch des Grabes abgelegt wird, ein prominent platziertes Foto - alles Möglichkeiten, um die Erinnerung an einen Menschen lebendig zu halten und die Lücke unterm Baum etwas zu schließen.

    Von unserer Redakteurin Christina Nover

    Anzeige
    x
    Top Angebote auf einen Klick
    Anzeige
    Online regional
    Nina Borowski

    Nina Borowski

    Chef v. Dienst

     

    Mail

    Anzeige
    epaper-startseite
    Rhein-Zeitung Neuwied bei Facebook
    Regionalwetter Neuwied
    Sonntag

    -7°C - -1°C
    Montag

    -2°C - 1°C
    Dienstag

    -2°C - 2°C
    Mittwoch

    -4°C - 3°C
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach