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  • Kampf gegen Bahnlärm: Messstelle fühlt Rädern auf den Zahn

    Leutesdorf. In Leutesdorf gibt es eine in Deutschland bisher einzigartige Messstelle, bei der eine ganze Reihe von Daten erfasst werden, über 60 Grenzwerte an der Zahl. Dabei werden die Mängel eines Zuges bis aufs kleinste Detail sichtbar.

    Von unserer Redakteurin Christina Nover

    Schwer donnert ein Güterzug über die Schienen durch Leutesdorf. Nichts Besonderes. Doch an einer ganz bestimmten Stelle passiert etwas Außergewöhnliches: Die Mängel des Zuges werden entblößt - bis aufs kleinste Detail. Denn in Leutesdorf gibt es eine in Deutschland bisher einzigartige Messstelle, bei der eine ganze Reihe von Daten erfasst werden, über 60 Grenzwerte an der Zahl. Sensoren registrieren radgenau, wo sich Unrundheiten und Flachstellen befinden - Beschädigungen und Abnutzungserscheinungen, die für eine Erhöhung des Lärmpegels sorgen. Die Wagen werden identifiziert, es kann festgestellt werden, wem sie gehören und ob sie schon umgerüstet sind.

    Nur wenige Sekunden, nachdem die Züge die Messstelle passiert haben, kann Siegfried Pieper, der Geschäftsführer von Innotec Systems, das die entsprechende Technik entwickelt hat, die Daten auslesen. Auf einem Bildschirm in einem kleinen Serverraum am Rande der Strecke sieht Pieper, wo die Schwächen der Züge liegen. Informationen, die bares Geld wert sind, deren Potenzial aber bei Weitem noch nicht genutzt wird.

    Seit drei Jahren gibt es die Messstelle in Leutesdorf schon - doch erst in den vergangenen paar Monaten kam langsam ans Licht, was sie alles kann. Politiker besuchten die Station und zeigten sich erstaunt darüber, welche Möglichkeiten sie bietet. "Diese Anlage weiß mehr, als der Bahn lieb ist", meint der Bundestagsabgeordnete Erwin Rüddel, der auch Mitglied der parlamentarischen Gruppe "Bahnlärm" ist.

    Die Messstelle von Siegfried Pieper erfasst über 60 Grenzwerte.
    Die Messstelle von Siegfried Pieper erfasst über 60 Grenzwerte.
    Foto: Christina Nover

    Zwar ist das Thema Lautstärke im Grunde nur ein Abfallprodukt bei der Messung - doch genau diese Information könnte Pieper und seiner Technik nun den gewünschten Durchbruch bringen. Ende Januar erhielt der Unternehmer aus Eppelsheim (Kreis Alzey-Worms) im Rahmen des Innovationspreises Rheinland-Pfalz eine Anerkennung für die Entwicklung von "Stress- und Lärm-Monitoring an Schienenfahrzeugen und Gleisanlagen". Das System stelle "ein wichtiges Werkzeug zur Lärmreduktion im Schienenverkehr" dar, lautete die Begründung.

    Pieper ist klar, dass er mit seinem System in Zeiten immer stärkerer Lärmdiskussionen einen Nerv getroffen hat. "Ich wusste, dass die Entwicklung in die Richtung geht", sagt der gelernte Maschinen- und Anlagenmeister selbstbewusst. "Das Thema ist politisch hochaktuell, da herrscht ein extremer Handlungsdruck in den Ländern."

    In Kürze will Pieper die Anlage so ausbauen, dass auf beiden Fahrtrichtungen Daten erhoben werden können. Seinen Angaben zufolge würden 15 Standorte mit solchen zweigleisigen Messstellen ausreichen, um 70 Prozent des Schienenverkehrs zu überwachen, der durch Deutschland fährt. Da die Wagenhalter großes Interesse an den Daten haben, könnten sich die Anlagen innerhalb von einem Jahr refinanzieren. Und: "So eine Anlage ist innerhalb von drei Tagen installiert", erklärt Pieper. Aus seiner Sicht alles wesentlich einfacher und auch kostengünstiger als On-Board-Systeme, die derzeit diskutiert werden.

    Regional wird Piepers Technik schon erfolgreich eingesetzt. So beispielsweise bei der S-Bahn in Berlin, Frankfurt und Stuttgart. Aber auch im Ausland: "Wir überwachen den Schienenverkehr in ganz China und Weißrussland", sagt Pieper stolz. Im Zusammenhang mit der Umrüstung auf die K-Sohle sei es sinnvoll, das Monitoring auch flächendeckend in Deutschland einzusetzen. Denn: Die Waggons mit den sogenannten "Flüsterbremsen" sind zwar wesentlich leiser, aber auch anfälliger für Schäden und dementsprechend wartungsintensiver. "Je früher die Besitzer über Schwachstellen Bescheid wissen, desto besser können sie Werkstattaufenthalte planen und desto günstiger wird es für sie", sagt Pieper.

    Die große Frage ist nur: "Wer hat die Herrschaft über die Daten?", so Erwin Rüddel. Mit der vorhandenen Technik wäre es problemlos möglich, die Besitzer lauterer Züge zu höheren Abgaben zu zwingen. "Wir könnten wagengenau Trassenpreise abrechnen", sagt Rüddel weiter. Das wäre insbesondere auch interessant, wenn es um ausländische Wagenbesitzer geht, die nicht zur Umrüstung verpflichtet werden können. Allerdings könnten die Daten auch unangenehme Wahrheiten offenbaren - beispielsweise, wenn Wagenbesitzer mit dem Umrüsten hinterherhinken oder wenn Schäden ursächlich für einen Unfall sind.

    Online regional
    Nina Borowski

    Nina Borowski

    Chef v. Dienst

     

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