40.000
  • Startseite
  • » Region
  • » Aus den Lokalredaktionen
  • » Nahe-Zeitung
  • » Wolfskinder wachsen im Hunsrück auf: Fragen und Antworten zum Projekt
  • Aus unserem Archiv

    KempfeldWolfskinder wachsen im Hunsrück auf: Fragen und Antworten zum Projekt

    Sie ist eine der Attraktionen des Nationalparks Hunsrück-Hochwald: die "Wolfsblut Wolfslandschaft" im Wildfreigehege Wildenburg. In das gut 12 000 Quadratmeter große Freigehege werden bis zu fünf europäische Grauwölfe einziehen. Drei von ihnen sind bereits da, sie sind allerdings noch zu klein, als dass sie dem Stress einer Besichtigung von großen Besuchergruppen ausgesetzt werden können.

    Kaum zu glauben, dass das mal ein ausgewachsenes Raubtier wird: Ein Team von rund einem Dutzend freiwilligen Helfern und Experten kümmert sich derzeit rund um die Uhr um die Aufzucht der drei Wolfswelpen im Wildfreigehege Wildenburg im Hunsrück.  Foto: Horst Jegen
    Kaum zu glauben, dass das mal ein ausgewachsenes Raubtier wird: Ein Team von rund einem Dutzend freiwilligen Helfern und Experten kümmert sich derzeit rund um die Uhr um die Aufzucht der drei Wolfswelpen im Wildfreigehege Wildenburg im Hunsrück.
    Foto: Horst Jegen

    Von unserem Redakteur Stefan Conradt

    Tierpflegerin Luise Reis betreut die Welpen in einer Aufzuchthütte im entlegenen Teil der Wolfslandschaft. Später können sie sich auf dem weitläufigen Gelände mit einem kleinen Teich, Sandflächen, viel Wald und einer Wolfshöhle austoben und sind dank zahlreicher Rückzugsmöglichkeiten vor Besucherblicken geschützt. Eine Kameraübertragung lässt Besucher dennoch an ihrem Treiben teilhaben. Die wichtigsten Fragen und Antworten rund um die Raubtiere im Nationalpark:

    Warum gibt es überhaupt ein Wolfsgehege? Sollten wilde Tiere nicht besser in der freien Natur leben?

    Dazu sagen sowohl Jos de Bruin, als Wolfsexperte im Aufzuchtteam, wie auch Tierpark-Chef Klaus Görg uneingeschränkt Ja. Bei den Welpen, die jetzt an der Wildenburg aufgezogen werden, handelt es sich aber nicht um Wildtiere, sondern um Nachzuchten aus anderen Tierparks. Sie und auch ihre Eltern kennen die freie Natur nicht. Hauptzweck des Wolfsfreigeheges ist es laut Klaus Görg, den Menschen in der Region den großen Beutegreifer zu präsentieren und gegen den Mythos vom "bösen Wolf" anzukämpfen: "Wir haben einen Umweltbildungsauftrag. Die Menschen sollen sehen, dass das ein normales Wildtier ist, kein Killer oder Monster."

    Die Welpen sind doch erst ein paar Wochen alt. Warum wurden sie so früh von der Mutter getrennt?

    Anders als etwa bei Hunden ist diese Praxis bei Handaufzuchten von Wölfen gängig "und für alle am wenigstens stressig", erläutert de Bruin: "Auch in freier Wildbahn verliert die Wölfin meist einige Welpen. Das hat die Natur so vorgesehen: Wenn zwei von zehn überleben, reicht das, um die Population zu erhalten. Es ist für Mutter Wolf ganz normal, dass zwei oder drei Welpen ,verschwinden'." Natürlich ist der Moment der Trennung vor allem für die Mutter zunächst nicht leicht. "Aber sie wird nach etwa zwei Wochen ihr normales Leben wieder aufnehmen, der Milchfluss versiegt und sie vergisst, dass sie Welpen hatte", erläutert Luise Reis. Die Welpen selbst bekommen ihren Umzug kaum mit, sie sind noch zu klein, um das zu realisieren.

    Ist eine Auswilderung der Wölfe geplant?

    Definitiv nein. Anders als bei den Wildkatzen, für die das Wildfreigehege an der Wildenburg Auffangzentrum für verletzte Tiere ist, die anschließend wieder in die freie Natur entlassen werden, ist das bei den Wölfen nicht geplant. "Das ginge auch gar nicht", erläutert Jos de Bruin. "Diese Tiere haben die Scheu vorm Menschen verloren. Das könnte gefährlich werden - vor allem für den Wolf."

    Ist eine Zucht geplant?

    Derzeit nicht. Luise Reis plant aber statt der oft üblichen Sterilisation eine Verhütung mit der Pille: Dann hat man in einigen Jahren die Möglichkeit, vielleicht doch für eigenen Nachwuchs zu sorgen.

    Wie sicher ist das Gehege?

    Es genügt höchsten Sicherheitsanforderungen. So gibt es zum Beispiel einen Überkletterungs- und einen Untergrabungsschutz.

    Wann wird der erste Wolf im Nationalpark auftauchen?

    1879 wurde der letzte Hunsrücker Wolf am Erbeskopf erschossen. Experten sind sicher: Über kurz oder lang wird der große Jäger in die Hunsrückwälder zurückkehren. Der Nationalpark bietet ideale Voraussetzungen für Wölfe, die von Osten (Lausitz) oder Süden (Alpen) nach Rheinland-Pfalz drängen.

    Wird es dann gefährlich im Wald?

    Nein, sagt Jos de Bruin. "Der Wolf hat einen derart feinen Geruchssinn, dass er Menschen schon aus der Ferne wittert. Man wird ihn in freier Wildbahn nie sehen."

    Aber reißen Wölfe nicht Schafe und andere Nutztiere?

    De Bruin weiß: "Das kann natürlich passieren. Aber auch hier ist es wie bei Rehen oder Hirschen: Der Wolf pickt sich immer die schwächsten oder ältesten Tiere raus. Das sorgt in der Natur für eine gesunde Population." Angriffe auf Schafe gibt es in Deutschland derzeit gerade mal zehn im Jahr, weiß der niederländische Experte. Und es gibt zahlreiche Hilfsmittel, etwa für Schäfer. De Bruin zieht einen Vergleich: "In Spanien leben rund 1800 Wölfe, in Deutschland sind es mittlerweile wieder 300. Die Spanier haben immer mit dem Wolf gelebt, wir müssen das erst wieder lernen." Angesichts der großen Wildpopulation in Deutschland gehen Experten davon aus, dass die Wölfe das Risiko, in den Dunstkreis der Menschen zu geraten, eher nicht eingehen werden.

    Mehr Informationen unter www.wildfreigehege-wildenburg.de

    Vier Wölfchen brauchen einen Namen - Vorschläge gesucht Ministerin zu Besuch: Wölfe locken mehr Besucher ins Freigehege Wildenburg Rund-um-die-Uhr-Betreuung für Wolfskinder: NZ besuchte die Aufzucht an der WildenburgRund-um-die-Uhr-Betreuung für Wolfskinder: NZ besuchte die Aufzucht an der Wildenburg...und die Kamera guckt zu: Wolfskinder wachsen im Hunsrück auf weitere Links
    Idar-Oberstein Birkenfeld
    Meistgelesene Artikel
    Ihre Ansprechpartner in der Redaktion
    Stefan Conradt (sc)
    Redaktionsleiter
    Tel. 06781/605-43
    E-Mail
    Vera Müller (vm)
    Redakteurin
    Tel. 06781/605-52
    E-Mail
    Bettina Schäfer (bet)
    Redakteurin
    Tel. 06781/605-56
    E-Mail
    Andreas Nitsch (ni)
    Redakteur
    Tel. 06781/605-45
    E-Mail
    Axel Munsteiner (ax)
    Redakteur
    Tel. 06781/605-44
    E-Mail
    Peter Bleyer (pbl)
    Redakteur
    Tel. 06781/605-58
    E-Mail
    Jörg Staiber (jst)
    Reporter
    Tel. 06781/605-63
    E-Mail
    Online regional

    Bettina TollkampBettina Tollkamp
    Chefin v. Dienst
    E-Mail

    Anzeige
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Regionalwetter
    Donnerstag

    12°C - 26°C
    Freitag

    16°C - 30°C
    Samstag

    15°C - 30°C
    Sonntag

    15°C - 29°C
    epaper-startseite
    Nahe am Ball
    Sebo-Startseite-Regiosport-Nahe-am-Ball
    Anzeige
    Jahresrückblick 2016 der NZ